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Seite 246 ^^^^^^^^^^^ß^ Unsere Heimat c^^^c^i^c^c^i^c^>c^>c^c^> Nr. 11

Ernte-Gedanken,

Wir gehen in den 4. Kriegswinter hinein. Im­mer noch die alte Not. Aber auch immer noch der alte Gott. Er hat sich zu uns be­kannt. Zu unseren Waffen an der Front. Fest steht im Westen trotz aller furchtbaren Anstürme der Eng­länder und Franzosen der eiserne Wall, und im Osten konnten wir ihn weiter in's Feindesland hinein­schieben. Er hat sich auch zu uns in der Heimat be­kannt. „Gehe hinaus in's Feld, da will ich mit dir reden." An dieses alte Prophetenwort wurden wir in den vergangenen Wochen erinnert, wenn ständiger Sonnenschein die Feldarbeit förderte, mehr als Men­schenhände es vermögen, wenn die Obstbäume vor Segen brechen wollten, oder wenn auf den Aeckern die Kartoffelsäcke in Reih und Glied standen so dicht wie lange nicht. Ist es nicht, als hätte Gott zu unserem Volke gesprochen: „Du Volk, du stehst in schwerer Zeit und hast einen Kampf zu kämpfen, wie ihn die Erde kaum je gesehen. Mehr als je brauchst du dein täglich Brot, brauchst du d i e Ernte, die auf d e i n e n Feldern wächst. Drum will ich dich segnen." Und wir wollen über den Gaben den Geber nicht vergessen. Bei all' den Klagen über den nicht enden wollenden Krieg soll der Ton der Dankbarkeit nicht verstummen. Vergiß nicht über all' dem Menschen verschuldenden Leid, das, was Er dir gutes getan hat.

Und vergiß noch etwas nicht, die alte Wahrheu: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Für ideale Werte, für Heimat und Vaterland, kämpfen und ster­ben unsere Krieger. Und wir in der durch sie ge­sicherten Heimat? Sieht's nicht so bei uns aus, als ob es nur noch eine Brotfrage gäbe? Gewiß, die Brotfrage ist jetzt eine Notfrage. Aber es steckt doch auch vielfach ein krasser materieller Sinn dahinter. Das Trachten nach hohen Dingen, diese alte heilige Eigenart des deutsches Volkes, hat einen Stoß be­kommen ; Gott gebe, daß es kein Todesstoß wird. Und nicht nur das Trachten nach hohen Dingen, die deutsche Gewissenhaftigkeit droht mehr und mehr in die Brüche zu gehen. Das Gewissen wird als etwas angesehen, das man sich abgewöhnen muh, besonders den behördlichen Gesetzen und Bestimmungen gegen­über. Ein Tor, der noch engherzig sich dadurch be­stimmen, behindern und beschränken läßt. Teuerung? Nütze sie aus, wenn du kannst und etwas zu verkaufen hast. Wuchern! Jetzt ist es Zeit, sein Schäfchen zu schereii. So denken viele in Stadt und Land. Und der Sitz des Uebels? „Am Golde hängt, nach Golde drängt doch alles", wenn auch an Goldes Stelle der schmutzige Papierschein getreten ist.

Draußen wird auf Tod und Leben gerungen, un­seres Volkes Schicksal wird mit Strömen von Blut entschieden - und in der Heimat sitzt König Mam­mon auf dem Thron, freut sich der wachsenden Zahl seiner Anhänger und lächelt kalt über den wunder­baren Mann, der einst gesprochen: Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.

Für Heimat und Vaterland kämpfen unsere Krieger. Für etwas, was ihnen noch höher stand, für ihren Glauben kämpften vor 400 Jahren die Männer der Reformation. Was der evangelische Teil unseres Volkes jüngst am Jubiläumstage vieltausendstimmig gesungen, sie habend erlebt und danach gehandelt:

Gut, Ehr, Kind und Weib,

Laß fahren dahin, Sie habend kein Gewinn Das Reich muß uns doch bleiben.

Und wir? AIs neulich die siebte Kriegsanleihe ge­zeichnet wurde, gab's manchen, der es nicht über »ein hartes Herz und seinen dummen Verstand brächte, ein bißchen von seinem Gut, vielleicht von seinen reichen Einnahmen aus unverdientem Erntesegen dem Vater­lande als sichere Kapitalsanlage zu leihen. Auch ein Erntedank!

Ein trüber Strom flacher Diesseitigkeit fließt durch unser Volk, und daneben fließt der Blutstrom her, und die Totenklage nimmt kein Ende. Welch Massen- ernte des Todes, nicht nur da, wo die Schlachten toben und die Fliegerbomben platzen. Vorhin las ich von dem furchtbaren Eisenbahnunglück bei Hannover, bei dem ein halbes Hundert Kinder, die von ihrem Landaufenthalt in Westpreußen nach Essen zurück - reisten, ihr Leben verloren. Wenn ich an unsere West­falenkinder denke, die in der vorigen Woche von un­seren gastlichen Dörfern Abschied nahmen — ich sehe sie noch körperlich gekräftigt, schwerbepackt denErtra- zug besteigen, sehe ihr fröhliches Winken „auf Wieder­sehen" — und wenn ich mir vorstelle das Jammern und Wimmern unter zertrümmerten Wagen, zerfetzte Kinderkörper, zerrissene Elternherzen - hat das Leben, das Sterben einen Sinn?

Wohl dem, der über allem Elend der Welt, über allen Rätseln des Todes sein „Dennoch" sprechen kann, und seine Seele verankert im ewigen Grunde.

Ramholz. Pfr. Freund.

wie sind die Helden gefallen im Streit!

(2. Sam. 1.)

Wie sind die Helden gefallen im Streit, Wie sind sie dahingesunken,

Wie haben die Höh'n und das Blachfeld weit Ihr heiliges Blut getrunken.

Es falle hinfort nicht Regen u. Tau Dahin, wo die Kämpfer erschlagen, Es müsse dort nimmer Acker und Au Noch Halme u. Blumen tragen.

Ihr Frauen, nun gehet in schwarzem Kleid, Da so viel Tapf're Euch starben.

Das deutsche Volk trägt gemeinsames Leid, Da ziemen nicht lichte Farben.

Wie sind die Helden gefallen im Streit,

Die wie die Löwen gerungen!

Doch wird ihnen allen in Ewigkeit, Ein Lied vom Leben gesungen.

Helene Brehm.