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Nr. 9/10 ^ß3^t^ßyi^|||ß^ß^ Unsere

freimnt ß^ß^o^t^^ß^ß^ß^^^^i^ Seite 239

Oeffnungen auf der Unterseite des Hutes sichtbar sind. Es sind die R ö h r e n p i l z e. Eine weitere Gruppe hat unter dem Hute stachelartige Auswüchse. Sie bilden die Abteilung der S t a ch e l p i l z e. Wieder andre Pilze zeigen keukn- oder korallenförmige Fruchtträger, an deren Oberfläche die Sporen abgeschnürt werden. Man bezeichnet sie als Keulen- Pilze. Etwas abweichend von den genannten Abteilungen ist der innere Bau der B a u ch p i l z e, wohin die Boviste gehören und der der Schlauchpilze, wozu die Trüffeln, Mor­cheln und Lorcheln zu rechnen sind.

Wie alle unsere Nahrungsmittel setzen sich auch die Pilze aus Wasser, Eiweißkörpern, Kohlenhydraten (Zuckerarten), Fetten, Zellstoff, und Salzen zusammen. Der Wassergehalt der Pilze ist sehr hoch, er beträgt 9/10 des Gewichtes. Frische Pilze sind ungefähr den Gemüsearten Weißkraut, Gelbe Rüben u. a. gleichwertig,, doch ist der Gehalt an Eiweißstoffen und Salzen bei ihnen größer. Wird den Pilzen durch Trocknen das Wasser vollständig entzogen und vergleichen wir sie dann bezüglich ihres Nährwertes mit anderen Nahrungsmitteln, so geht aus diesen Vergleichen hervor, daß sie auf dieselbe^Stufe zu stellen sind, ja noch höher zu bewerten sind, als Fleisch. Sie sind also als Nahrungsmittel warm zu empfehlen.

Trotzdem erfreuen sich die Pilze bei uns nicht der Be­liebtheit, deren sie sich eigentlich erfreuen sollten. Manche Leute haben ein anerzogenes Vorurteil, wenn nicht gar einen ausgesprochenen Widerwillen gegen den Pilzgenuß. Meiner Frau darf ich keine heimbringen. Sie kocht sie doch nicht" sagte erst kürzlich ein Mann, der eigentlich auf­klärend wirken und mit gutem Beispiel vorangehen sollte. Ein anderer meinte :Ich würde sie gerne sammeln und auch essen, aber ich kenne sie nicht; und wie leicht kann man sich vergiften!" Es ist bedauerlich, daß diese Gründe so viele vom Pilzgenuß abhalten und daß zahlreiche, schmackhafte Pilzarten bei uns ungenützt verwesen. Vorurteile lassen sich beseitigen! Die Furcht vor Vergiftung schwindet, wenn man ein paar wenige eßbare Arten sicher kennen gelernt hat und sie von den wenigen giftigen Pilzen unterscheiden kann. Das ist gar nicht schwer! Es gibt bei uns an giftigen Pilzen nur den roten, weißgefleckten Fliegenpilz, den ekelhaft riechenden, brennend-scharf schmeckenden Spei-Täubling, den gelben auf dem Holz lebenden Schwefelkopf, den innen schwarzen Kartoffelbooist und die 3 allerdings sehr gefähr­lichen Knollenblätterpilze. Es ist uns in diesem Jahre Ge­legenheit zur Genüge gegeben diese und die besten eßbaren Pilze kennen zu lernen. Die Pilzausstellung im Seminargebäude in Schlüchtern und Pilzwanderungen, denen sich jedermann ohne Scheu anschließen kann und soll, sollen diesem Zweck dienen. Sind wir über die Eßbarkeit gesammelter Pllze noch im Zweifel, wenden wir uns an die Pilzauskunftsstelle Schlüchtern (Kaiserstraße 1), wo uns jede gewünschte Auskunft gegeben wird. Die Furcht vor Ver­giftungen darf also niemand abhalten Pilze zu sammeln. Andere Gründe können nur noch Leute haben, die mit ihren Anschauungen im grauen Mittelalter stecken geblieben sind. Sollte die Ernte in diesem Jahre ebenso reich werden wie im Jahre 1916, so können wir Pilze nach auswärts in die großen Städte ausführen. Die ärmeren Beivohner und Kinder unserer Dörfer können sich durch das Einsammeln und den Verkauf frischer Pilze einen erheblichen Verdienst verschaffen. Für ein Kilogramm frischer Pilze werden in Frankfurt sicher eine Mark und mehr bezahlt werden.

Von Mitte Juli bis Mitte Oktober sind die meisten und wichtigsten Speisepilze bei uns zu finden. Wir suchen sie am besten 2 bis 3 Tage nach einem ausgiebigen warmen Regen; denn zum Wachstum der Pilze gehören Wärme und Feuch­tigkeit. Bei Regenwetter selbst sammeln wir nicht. Die Pilze haben dann soviel Wasser aufgesaugt, daß sie schwammig weich geworden sind und sehr schnell verderben. Wir nehmen nur frische, gesunde, kräftige, trockene, junge Pilze und nur solche Arten, die wir ganz genau kennen. Vorsichtig drehen wir sie aus der Erde, um das Fadengeslecht nicht zu verletzen. Wir reinigen sie an Ort und Stelle von Erde, Laub und Nadeln, schneiden die harten Stiele und trockenen Ränder und die Schneckenfraßstellen ab und zerschneiden jeden auch noch so gesund aussehenden Pilz in 2 oder 4 Teile, um uns zu überzeugen, ob die Pilze auch von Maden frei sind, die klebrige Oberhaut mancher Pilze ziehen wir ab. Die Frucht­schicht nehmen wir jedoch nicht fort, da sie am reichsten ist von allen Teilen des Pilzes an Nährstoffen und Nährsalzen. Die auf diese Weise gesammelten Pilze legen wir am besten in einen Pappkasien, in dem sie sich nicht gegenseitig zer­drücken können. Die wenig empfindlichen Pilze können auch in einem Rucksack, einem Söckchen oder Netz nach Hause ge­tragen werden. Hier werden die Pilze nocheinmal nachge­

sehen und dann für die Mahlzeit hergerichtet. Am besten verwenden wir sie sofort. Wollen wir sie erst am folgenden Tage zubereiten, so legen wir sie auseinander in einem küh­len, luftigen Raum. Länger wie einen Tag lassen wir sie auf keinen Fall stehen. Der Eiweißgehalt der Pilze ist ein hoher, und eiweißhaltige Nahrungsmittel zersetzen sich leicht und bilden dabei tödlich wirkende Gifte. Die meisten aller Pilzvergiftungen sind auf den Genuß von verdorbenen Pilzen zurückzuführen, entweder waren zu alte oder nasse Pilze ge­sammelt worden oder die Pilze hatten über Nacht in einem dumpfen Raum in einem zugedeckten Behälter gestanden oder sie waren zulange bis zur Herrichtung der Speise aufbewahrt worden. Das können auch andre Nahrungsmittel nicht ver­tragen. Vor solchen Fehlern wollen wir uns hüten!

Ein jedes Kochbuch wird Auskunft darüber geben, wie Pilze zubereitet werden können. Ein Pilzgemüse, aus allen möglichen Arten von Pilzen, mit neuen Kartoffeln schmeckt vorzüglich. Wer einmal eine richtig zubereitete Pilzspeise gegessen hat, wird sicher Verlangen nach mehr haben und ein eifriger Sammler und Pilzesser werden. Pilze lassen sich auch als Dauerware zubereiten. Sie können getrocknet, sterilisiert und in Essig eingelegt werden; auch läßt sich aus ihnen eine vorzügliche Würze für Suppen, Tunken und Ge­müse herstellen. Richtig sterilisierte Pilze sind unbegrenzt haltbar. Getrocknete Pilze müssen trocken aufbewahrt wer­den.

Ein Pilz, der gerade bei uns in allen Wäldern sehr häufig vorkommt, soll noch besonders erwähnt werden: der Pfeffer-Milchling. Er hat eine weiße Farbe und gibt bei Verletzungen einen weißen Milch-Saft von sich, der pfefferig- beißend schmeckt. Dieser Pilz kann scharf getrocknet und zerstoßen werden und nun in unserer Pfeffer armen Zeit an Stelle von Pfeffer Verwendung finden. Wir werden sicher einen Versuch machen.

Die Namen der wichtigsten Pilze des Kreises Schlüch­tern, die jetzt zu finden sind, sollen kurz angegeben werden. Einer besonderen Standortsangabe bedarf es nicht, sie sind überall vertreten. Sie wollen aber doch gesucht sein! Nur die, die wir ganz sicher kennen, nehmen wir mit, die anderen lassen wir hübsch stehen. Wir vernichten sie auch nicht! Sie gehören ja der Allgemeinheit, da hat der eine oder andere Pilz vielleicht Wert für manche Sammler, sicher hat aber auch jede Pilzpflanze ihre Daseinsberechtigung, ob sie nun als eßbar oder giftig von uns bewertet wird.

Basidiomycetes (Ständerpilze).

Cratetellus co- nucopioides L. Totentrompete.

Clavaria botrytes Pers. Rötlicher Ziegenbart.

flava Sch. Gelber Ziegenbart. Sparassis ramosa Sch. Krauser Ziegenbart. Hydnum repandum L. Stoppelpilz. Polyporus confluens Alb. u. Schw. Semmelpilz. Boletus scaber Bull. Kapuzinerpilz.

rufus Sch. Rothäubchen.

luridus Sch. Hexenpilz.

edulis Bull. Steinpilz.

regius Krombh, Königspilz. (Ohl)

subtomentosus L. Ziegenlippe.

baaius Fr. Marronenpilz.

luteus L. Butterpilz.

elegans Sehn. Schöner Röhrling. Cantharellus eibarius Fr. Pfifferling. Paxillus atrotomentosus Ba. Samtfuß-Krämpling. Hygropho us ficoides Bull Wiesen-Eggerling. Lactaria deleciosa L. Blutreizker.

volema Fr. Brätling.

piperita Scop. Pfeffer-Milchling.

torminosa Sch. Birkenreizker (giftig?).

subdulcis Bull. Süßlicher Milchling.

Russula vesca Fr. Speise-Täubling.

emetica Sch. Spei-Täubllng (giftig). foetens Pers. Stink-Täubling (ungenießbar).

virescens Sch. Grünlicher Täubling.

alutacea Sehr. Ledergelber Täubling, tylarasmius alliatus Sch. Lauchpilz.

caryophylleus Sch. Nelken-Schwindling. Rhodosporus Prunulus Scop. Pflaumenpilz. Hypholoma fasciculare Huds. Schwefelkopf (giftig). Collybia radicata Reih. Wurzel-Rübling. Psalllota campestris L. Feld-Champignon.

arvensis Sch. Acker-Champignon.

silvatica Sch.«<>-<r«'»~-*" Pholiota mutabilis Sch.

Armillaria mellea Vahl.

Wurzel-Rübling. Feld-Champignon.

Wald-Champignon.

Stockpilz.

Hallimasch.