Einzelbild herunterladen
 
  

Seite 238 ^^^^^t^^^«^^^^ Unsere Heimat ^^^^^^^^^s^ß^o^ Nr. 9/10

Ein felddries eines NiederZellers.

Im Felde, 15. 8. 17.

Werter Herr Lehrer!

hre Karte mit Freuden erhalten, sage meinen besten Dank dafür! Die Freudentränen traten mir in die Augen, als ich las, daß in der Heimat

die ersten Kornhaufen wieder auf dem Felde stän­den. Wie gern wollten wir hier draußen die Frucht selbst abmachen, aber leider, leider. - Aber wenn die Leute daheim einmal uns hier an der Front in Galizien sehen könnten! Hier steht alles herrlich. Mannschaften und Pferde leiden jetzt keine Not mehr. Das war eine wunderbare Wendung! Niemals hät­ten wir geglaubt, daß wir gerade hier an der Ost­front so weit vorkommen würden. Es war ein an­strengender, gewaltiger und herrlicher Vormarsch. Das Wetter war sehr günstig, schön kühl, gerade wie man es gern hat. Wir liegen jetzt 50 km. rechts über Tarnopol nach der Grenze zu. Den fruchtbar­sten Teil von Galizien haben wir nun, und ich kann Ihnen gar nicht beschreiben, was der schwarze Mutter­boden hier alles bringt. Hier blüht und gedeiht alles. Wie freuen wir uns, daß wir auch Erntesegen für die daheim erobert haben. Ueberall wird ein­gefahren. Die Dreschmaschinen stehen im Felde. Al­les ist in voller Tätigkeit . Das Zivilvolk hilft mit. Ich erhielt auf Karten die Nachricht von daheim, daß die Leute erschrocken waren, als die russische Offen­sive begann. Aber „die Schlacht war, kaum begon­nen, für uns schon gewonnen." Gott war mit uns. Auf ihn vertraut, hinauf geschaut, nach Regen wie­der Himmel blaut! Jetzt liegen wir 2 Tage im Bi- wack. Es ist sehr heiß. Mir geht's ganz gut. In der Hoffnung auf ein Wiedersehen daheim dem Herrn Lehrer einen herzlichen Gruß aus rauher Kriegsze't. Gott schütze Euch und die Heimat! Grüßen Sie, bitte, meinen Onkel!

Aus dem fernen Osten. H. B.

Des Kaisers Dank,

ie Fälle, daß eine Familie acht und mehr Söhne für die Verteidigung des Vaterlandes hat hin­ausgehen lassen, sind in Deutschland gar nicht

so selten. Unser Kaiser weiß solchen Opfersinn auf zarte Weise zu ehren. So hat er mehrere Familien mtt vielen Soldatensöhnen dadurch ausgezeichnet, daß er ihnen als Kriegsandenken sein Bild mit Un­terschrift zugehen ließ. Bisher sind nachstehende durch dieses Gschenk ausgezeichnete Familien bekannt ge­worden :

Oberamtmann Krüger, Domäne Koblenz, Kreis Preu- ßifch-Stargard (8 Söhne);

Wwe L u ch t, geb. Daniel, Uszballen, Kreis Insterburg (9 Söhne);

Wwe. Haase, Wanne i. W. (8 Söhne);

Büdner Heinrich Becker, Schlesien, Post Neukaliß (8 Söhne);

Rentner C. H. P ö h l s, Bargstedt, Kreis Rendsburg (8 Söhne);

Wwe. Emilie Giefe, Calsbach, Kreis Wirsitz <8 Söhne); Landwirt Hermann Hirt, Waserburgerhof b. Emmingen in Baden (10 Söhne);

Landwirt Anton Hunkele, Schellbronn, Amt Pforzheim (8 Söhne);

Besitzer Johannes Müller, Heiligenhaus, Kreis Mül- heim a. RH. (10 Söhne);

Schlossermeister Münster, in M.-Gladbach (8 Söhne);

Landwirt Dickesscheid 2. in Drowersheim im Groß- herzogt. Hessen (9 Söhne);

Gutsstellmacher Wilhelm.Brandt in Scharstorf, Post Kavelstorf i. Meckl. (7 Söhne, 3 Schwiegersöhne);

Landwirt Hermann Wienecke in Groß-Engersen, Kreis Gardelegen (8 Söhne);

Landwirt Lorenz K 0 s i ck i in Snowidowo, Kreis Grätz (8 Söhne).

Es verdient hervorgehoben zu werden, wie groß die Zahl der Landwirte unter den also Ausgezeich­neten ist. - Ist wohl etwas Aehnliches auch aus unserem Kreise zu melden?

Pilze.

Tyr Kreis Schlüchtern gehört sicher zu den pilzreichsten Kreisen unserer Heimatprovinz. Ausgedehnte Wälder, Tristen, Wiesen und Felder geben vorzüglche Lebensbeding­ungen für alle Arten von Pilzen her. Leicht und mühelos können von den Bewohnern aller unserer Dörfer Pilze ge­sammelt werden. Und doch werden sie nur von sehr wenig Familien gesucht, um schmackhafte Gerichte daraus herzu­stellen, um sie zu trocknen oder einzukochen für den Winter. Es verfaulen in unseren Wäldern leider noch alljährlich viele Zentner eßbarer Pilze, welche ein wertvolles Nahrungsmittel gerade für die ärmeren Volksklassen abgeben würden. Wir müssen jetzt alles, was unser Grund und Boden heroorbringt, voll und ganz ausnutzen, da wichtige Nahrungsmittel Schmä- lerungen erfahren haben oder ganz in Wegfall gekommen sind. Einen wohlfeilen und vollgütigen Ersatz dürften ge­rade für den Kreis Schlüchtern die Pilze bilden.

Der Feld-Champignon oder Fcld-Egerling ist wohl der Pilz, den die meisten Leute bei uns kennen. Er gedeiht be­sonders gut in trockenen Jahren nach einem Regen und ist von Juli bis September auf Wiesen und Triften, auf denen das Vieh geweidet hat, zu finden. Legen wir den oberen Teil, den Hut, eines solchen Pilzes auf ein weißes Blatt Papier mit feiner schokoladenbraun gefärbten Unterseite, so bemerken wir nach einigen Stunden auf dem Papier eine große Menge eines außerordentlich feinen Staubes. Die winzigen Körperchen, aus denen der Staub besteht, die sogen. Sporen, bringen unter geeigneten Bedingungen wieder neue Pilzpflanzen hervor. Wir können sie deshalb mit den Samen der anderen Pflanzen vergleichen. Gelangt eine solche Spore an einen günstigen Platz, so keimt sie und treibt einen Keim­

schlauch, der unter Umständen sehr schnell weiterwächst und ein Fadengeslecht bildet, das den Boden in allen seinen Teilen durchdringt und daraus die Nährstoffe aufnimmt. Es kann jedoch, vermöge seiner einfachen Beschaffenheit, nur verwe­sende Stoffe aufnehmen. Die Pilze sind demnach Fäulnis­bewohner. Das Fadengeflecht oder Pilzlager lebt sehr lange im Boden. Wenn der Boden warm und feucht wird in den Monaten Juli bis September, schreitet das Pilzlager zur Ausbildung der eigentlichen Pilze. Der junge Pilz kommt wie ein weißes Knöllchen aus dem Boden hervor. Später gliedert er sich in Stiel und Hut. Durchschneiden wir ihn jetzt, so sehen wir, daß sich in seinem Innern kleine rosarote Blättchen bilden. Auch wenn der Pilz größer gewor den ist,, nehmen wir von diesen äußerlich noch nichts wahr. Eine Haut, der sogen. Schleier, überdeckt schützend die zarten Ge­bilde. Erst am vollkommen ausgebildeten Pilze werden die Blättchen sichtbar: der Schleier reißt am Rande des Hutes ab und bleibt als Ring am Stiele zurück. An den Blätt­chen, die später ganz schokoladebraun werden, entwickeln sich die sehr vielen außerordentlich kleinen Sporen, die durch den Wind bei trockenem Wetter infolge ihrer Leichtigkeit fortge­tragen werden und wieder neue Pilzpflanzen bilden können. Das Fadengeslecht erzeugt fortwährend neue Pilze, die ab« geerntet werden können. Es ist also die eigentliche Pflanze, während die „Pilze" nur die Fruchtkörper von ihr sind. —

Beim Champignon entstand die Fruchtschicht unter dem Hute auf Blättern. Man rechnet ihn deshalb zu den B l ä t- terpilzen, zu denen die meisten unserer Speisepilze ge­hören. Bei anderen, z. B. dem Steinpilz, entwickeln sich die Sporen in Röhren, deren Enden als kleine runde oder eckige