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„gelehrtesten Ritters und ritterlichsten Gelehrten" Ulrich von Hütten. Die Mutter Ulrichs von Hütten, Ottilie, war eine Schwester Mangolds von Eberstein zum Brandenstein. Nach Erklärung der Fehde lauerten Mangold von Eberstein und seine Verbündeten den Nürnberger Kaufleuten, aber auch solchen, die nur mit Nürnberg in Geschäftsverbindung standen, auf allen Wegen und Stegen bei Würzburg, bei Bamberg, bei Fulda, bei Frankfurt usw. auf. Die Gefangenen wurden meistens nach Schloß Bran- denstein bei Schlächtern gebracht, von wo sie nur gegen hohes Lösegeld wieder freigelassen wurden. Durch rauhe Behandlung, durch Einspannen der Hände und Füße in den „Stock", wurde den Gefangenen der Aufenthalt auf Schloß Brandenstein so ungemütlich gemacht, daß sie Briefe auf Briefe an ihre Verwandte und Freunde schickten, um das Lösegeld möglichst rasch zusammen zu bringen. (Am Ende dieses ist ein derartiger Brief wiedergegeben.) Auf der Kriegsstube zu Nürnberg mußten die freigelassenen Gefangenen ihr Schicksal dem Rate der Stadt zu Protokoll geben. Da hören wir denn sehr oft den Namen unserer Vaterstadt. So bekundet der „Schweißer Jakob Grübel von Sand Gallen" wie er, mit vier Reisegefährten von Frankfurt kommend, bei „Salminster bey einer prucken" von vier Reitern angerannt worden wäre. Dreie seiner Begleiter wären von den Reitern weggeführt worden, ihn und des „Landschreibers Sun von paden" hätte man weiter reiten lassen. Dann gibt er weiter an:
„Also were er sager, und sein gesell, von den Reut- tern hingerytten gen Schlichtern, und were Inen eingepunden worden, nichts davon zu sagen bis sie in die Herberg kommen. Als sie nun zu schlüchtern gewest und das mittag mal gessen, do hetten sie im wirtshauß von der ergangen Handlung und daß man ihnen drey gesellen gefanngen, gesagt; aber do het nyemandt kein mitlyeden gehabt und allain gelacht. Und als sie am tisch gesessen, do were ein knecht in die Herberg kommen, Lanng Hans genannt, des Mangoldt von Eberstains knecht, und sey der knecht, der zu Wertheym mit des Marsilius Voit bruder sey nydergelegen und het Ine, sager, und seyn gesellen gegrüßt, darauf Sy Jme gedankt. Und als derselb knecht hinkommen, het er, sager, die wirtin gefragt, wer der knecht were. Die hett Im das an- gezaigt, des er Mangolten von Eberstein zustund, dann B r a n d e n st a i n leg uff ein viertel meyl wegs von Schlüchtern. Und wie man Im, sager, anzaigt, hab derselb Hanns Ine, sager, verraten und angeben; dann ee er, sager, und sein gesell geessen, were derselb Hanns eylend uff das Schlos Branden- stain geritten. Also het er, sager, und sein gesell einen glaitsmann von Schlüchtern aus genomen unnd gen füll (Fulda) . . ."
Es wird uns hier ein eigenartiges Bild, wie es vor 400 Jahren in der öffentlichen Schenke zu Schlüchtern aussah, geboten. Man sieht den wegemüden Kaufmann mit seinem Begleiter noch voll schrecken von dem überstandenen Ueberfall in die Gaststube treten. Sie erzählen ihr Abenteuer, aber die damaligen Schlüchterner sind offenbar nicht auf feiten der Nürnberger Pfeffersäcke, sie werden allseitig ausge- lacht. Wahrscheinlich durch einen guten Freund benachrichtigt, kommt der gerade in Schlüchtern wei
lende „Lange Hanns" ein wüster Geselle, ein Reisiger Mangolds von Eberstein, zu den Gästen, deren Angst durch diese zweifelhafte Gesellschaft noch gesteigert wird. Lang Hanns, sein Name wird in den Berichten auf der Kriegsstube öfters, wenn auch nicht gerade rühmend, erwähnt, hält sich nicht lange auf. Während die Reisenden noch essen, ist er schon auf seinem Klepper nach dem Brandenstein unterwegs. Für den Nürnberger gibt es jetzt kein Entrinnen mehr. Bis Fulda reitet Jacob Grübel noch sicher unter Schlüchterner Geleit. Ihm folgen ungesehen auf Nebenwege Reisige vom Brandenstein. Hinter Fulda, auf der Straße nach Tann, wird er überfallen, gefangen genommen und nach dem Brandenstein gebracht (am 26. September 1520). Am 15. November 1520 wirb er gegen eine Schätzung von 200 Gulden wieder freigelassen. Das Lösegeld wurde „auf pergleyn bey schlychten" von zwei Freunden des gefangenen Kaufmanns an zwei Knechte des von Eberstein gezahlt.
Daß Bürger von Schlüchtern auf feiten Mangolds von Eberstein und seiner Helfershelfer waren, ob freiwillig oder aus Furcht vor der Rache der auf den naheliegenden Burgen wohnenden Rittern, geht auch aus der Aussage des Nürnberger Kaufmanns Rupprecht Zürcher hervor: „ . . . Item ein woll- weber zue schlüchtern hat ein frauen, ist ein schwebin. Der wollweber und sein Hausfraw assen zum brandenstein am . . . tag, Sagt der weber, wie er offt zue Frankfurt were, dacht ich es mus ein kuntschaff- ter sein, das man In daher last. Ich fragt sein frauen in der kamer, was ir man handelt, das er geim Frankfurt zug, sagt sein fraw, er wer ein wollweber, er leg in eym bad darneben, warn vil weiber, (bezeichnend für die Sittenzustände zu Anfang des sechzehnten Jahrhunderts), sagt: „nein, ich bin ein ferber." Darauff schwieg ich. Item als ich ledig, ward fürt mich der graff gen Schlüchtern. Da fragt mich die wirtin, ob ich nit den wollweber gesehen hett, der und sein fraw hetten mit mir gessen in der vastnacht, sagt ich: „hab wol mit Ine gessen, aber seidher hab ich Ine nit gesehen." Sagt die wirtin: „er ist hie weg, alspald der graff Ins land turnen ist, und ist die sag hie gewesen, er wer mit euch und er hett euch Im wald umbgeführt." Sagt ich: „nain".
Der in Schlüchtern wohnende Färber ist also ein Parteigänger Mangolds von Eberstein, für welchen er auf der Frankfurter Messe Nürnberger Kaufleute auskundschastet. Als dann über Mangold von Eberstein, da dessen Fehde durch Kaiser Karl V. für unberechtigt erklärt wurde, die Reichsacht verhängt wird (im April 1522), und der Hauptmann des fränkischen Kreises, Graf Georg von Wertheim, gegen Mangold von Eberstein heranzieht, wird dem Wollweber in Schlüchtern der Boden zu heiß unter den Füßen, er verschwindet auf Nimmerwiedersehen. -
Graf Georg von Wertheim nimmt am 17. April 1522 die Burg Brandenstein ein und befreit die noch dort befindlichen Gefangenen. Mangold von Eberstein hatte sich einen Tag vor der Besetzung des Brandenstein zu seinem Schwager auf die Burg Steckel - berg zurückgezogen. Auch hier fühlt er sich nicht sicher, er flüchtet einen Tag später zu seinem Freunde Franz von Sickingen. — Mangold von Eberstein sollte die Heimat nicht wieder sehen. Er starb ein halbes Jahr später während der Fehde seines Be-