Seite 226 c^^m^^t^^^^i^^^ Unsere Heimat ^^^^^^r^r^^^ß^^ Nr. 9/10
nichts, auch Eichenblätter munden ihm nicht. Aber er ist ganz glücklich, daß er endlich eine ihm zusagende Mischung gefunden hat. Ich vermute aber, daß er den Sommer über damit in den Garten verbannt ist, wo er sich am Fleiße der Immen erfreut, die Heuer auch überall ihre Schuldigkeit getan haben. Doch nun Schluß! Man verzeihe, daß hie und da ein Scherz eingeflossen ist! Es war ein so linder, guter Sonntag heute, der 12. nach Trinitatis. Ja, der Sonntag! Wenn wir den nicht hätten! Wie schade, daß ihn so wenige, auch von denen dies könnten, mitten! Der vor einigen Jahren verstorbene, alt gewordene Kaufmann Markus Sichel hat mir einmal gesagt: „Was ich vom Leben gehabt habe, haben mir meine (nach israelit. Gesetz treu gefeierten) Samstage gegeben !" — Und nun decken Nacht und Stille die weite, wunde Heimatwelt. Ein Heimchen zirpt in der Mauer des Nachbarhauses, und von Zeit zu Zeit dringt das Keuchen und Pfeifen der Eisenbahn, das vom Krieg redet, vom fernen Berghang bis ins Stübchen. Vorhin aber hat ein Kinderstimmchen drüben in der Kammer Worte gesprochen, die klangen wie:
„Vater, laß die Augen dein über unserm Deutschland sein!“
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Mitten wir im Leben sind von dem Tod umfangen.
er von unseren lieben Feldgrauen aus den Schlachtfeldern geblieben ist, meldet „Unsere Heimat" an anderer Stelle. Aber auch
daheim hat der Tod nicht gefeiert. Am Sonntag, dem 1. Juli, wurde im Schloßpark zu Ramholi in der am Fuße der Steckelburg gelegenen Grabkapelle Freifrau v. Kühlmann-Stumm, Gemahlin des seitherigen deutschen Botschafters in Konstantinopel und jetzigen Staatssekretärs, beigesetzt. Eine schlichte,
aber erhebende Feier vereinigte nur nahe Anverwandte, die herrschaftlichen Beamten und das Schloßpersonal. Herr Pfarrer Freund hielt die Gedächtnisrede. Unser Kaiser ehrte die Gemahlin seines Botschafters durch einen Kranz, welchen Herr Landrat v. Trott zu Solz am Grabe niederlegte. In Lasse! verschied nach kurzem Leiden auch ein treuer Freund unserer Heimat, Herr Regierungssekretär Adam Ro- senherger, ein geborener Niederzeller. Aus Soden schreibt unsere Helferin : Am 16. August gingen nachmittags einige überraschend schnell aufgestiegene Gewitter über Soden nieder. Der Blitz erschlug den 15jährigen Rudolf, Sohn des Landwirts Gregorius Nuppel, auf dem Heimweg von der Weide. Der ganz zerfetzte Regenschirm läßt darauf schließen, daß dieser hauptsächlich den Biltz angezogen hat, da er auch einen Stahlstock hatte. Die Teilnahme an dem schweren Verluste der Eltern, denen der anerkanntermaßen brave und fleißige Junge als Aeltester schon eine große Stütze war, war allgemein sehr groß. Auch in Schlüchtern ging der Tod eifriger wie sonst durch die Gassen während der beiden letzten Monate und riß tief schmerzende Lücken. Es gingen, meist nach ganz kurzer Krankheit, heim: Herr Gendarmerie-Wachtmeister Alss, Fräulein Rullmann, Frau Leonhard Kohlhepp Witwe (Schlotzgasse), FrauJoh. Kohlenbusch Witwe (Fuldaerstraße), Frau Konditor Kohlenbusch, Frau Clara Seelig Witwe (Wasser- gasse), Frl. Marie Hildebrand (Kirchstraße), Frau Marie Weitzel Witwe (Wassergasse), Frau Marie Eckhardt, Herr Kaspar Alt (Amtsberg), Frau E. Müller (Schmiedsgasse) und Frau E. Hensler (Han- auer Str.) Die alle sind nun jedem Erdenleid entnommen, das jetzt so üppig aufschießt. Wir wissen, daß der Tod nicht unser Herr, sondern ein Knecht Gottes ist und Gott unser Vater, von dessen Liebe uns nichts scheidet, wenn wir nur wollen.
G. Flemmig.
7m Wirtshaus zu Schlüchtern.
Montag, den 24. September anno 1520.
Von M. Grünebaum, z. Zt. Unteroff. im Lcmdst.-Jnftr.-Ers.-Batl. XVIII/40 in Güstrow i. M.
andrem wird es wohl wunderlich vorkom- men, daß aus jener fast 400 Jahre zurückliegenden Zeit ein Bericht, wie es in dem damaligen Wirtshaus in Schlüchtern zugegangen, auf uns gekommen ist. Es ist aber doch so. Allerdings müssen wir erst einen Umweg über Nürnberg und Schloß Brandenstein zurücklegen, bis wir in das Wirtshaus gelangen.
Im Jahre 1519 hatte der Ritter Mangold von Eberstein zum Brandenstein der freien Reichsstadt Nürnberg die „Fehde" erklärt. Gustav Freytag schreibt in seinen „Bildern aus der deutschen Vergangenheit" bei dem Aufzählen der Gründe, die ein Ritter bei seiner Fehdeerklärung suchte: „..... oder er lauschte, ob in der Landschaft irgend jemand eine Beschwerde gegen die Stadt habe, ein Fuhrmann, ein fremder Bürger, ein Reitersknabe; diese nahm er unter seinen Schutz, schloß mit ihnen Vertrag zu gemeinsamer Fehde, stellte eine entschlossene Geldforderung, und wenn diese kalt ab gewiesen wurde,
sandte er mit seinen Gesellen den Fehdebrief über die Mauer..."
Genau so war es bei der Fehde Mangolds von Eberstein gegen die Stadt Nürnberg. Eine Witwe, Agathe Odheimerin, hatte berechtigte oder auch uabe- rechtigte Forderungen gegen Nürnberger Bürger, die sie nicht beitreiben konnte. Die Odheimerin begab sich als „seine verwandte Untertanin" in den Schutz Mangolds von Eberstein nach dessen Schloß Brandenstein. Mangold von Eberstein erklärte der Stadt Nürnberg die Fehde, nachdem die Stadt sich nur bereit erklärt hatte, die Forderungen der Odheimerin zu erfüllen, wenn über die Berechtigung derselben durch den Kaiser, das Kammergericht, usw. entschie - den sei. Mangold von Eberstein führte mit Hülfe seiner Vetter und Freunde, darunter die heute noch blühenden Linien der Herren von Hütten, von der Tann, von Thüngen usw. die Fehde entschlossen durch. Den ersten der die Fekche einleitenden Briefe an die Stadt Nürnberg überbrachte ein Bruder des