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Nr 9/10 ß^^ß^^r^ß^ß^^ß^ß^ß^c^ Unsere Heimat ß^ß^ß^ßsß^ß^ßsß^ßx^ß^ß^ Seite 225

was auf jeden Fall Leuten, die mit unschönen Füßen behaftet sind, auch dann Kämpfe bereiten würde, wenn Schuhwerk ganz aus der Mode käme. Wer zeigt feine Hühneraugen gern? ! Und doch ist ihr Anblick erträglicher als die Ausstaffierung mancher Stöckel­schuh-Modegrößen, die auf dem Lande mit Recht ver­lacht zu werden pflegt. Schlüchtern hat üb­rigens der Krieg auch etwas gebracht, was alles Annoncieren und Inserieren im Frieden nicht erreicht hat: es ist Luftkurort geworden. Der ganze Kreis ist, wie alle Landkreise gegenwärtig, das Ziel vieler Fremder, die nicht bloß frische Luft suchen. Sie kommen nun, obwohl alle Hindernisse, die sich früher demAufschwung des Fremdenverkehrs" bei uns in den Weg stellten, womöglich noch in verstärktem Maße fortbestehen. Jedermann ist's zufrieden, daß stattliche Herden nach wie vor durch die Straßen zie-

derstehen vermögen, wenn ihnen für Fleisch, Butter, Eier u. a. Wucher preise geboten werden ! Wir sehen es zum Greifen deutlich, wie wenig das gesetz­lich gebotene:Ich darf nicht!" standhält, wenn es von dem aus einem noch besseren Geiste geborenen: Ich will nicht!" nicht gestützt und gehalten wird. Manchmal ist mir's, als würden w ir a lle eben schuldig gegenüber dem Wort aus dem 2. Buche Samuels:Der Herr wird euch vergelten nach der Reinheit eurer Hände!" DasDurchhalten" war im Juni und Juli auch für viele unter uns ein Stück­leinArbeit". Da war's eine rechte Wohltat, daß Herr Fenner die Schatzkammer des Kreises weiter auftat. Auch seine gute Fürsorge, die mit zahlreichen Widerwärtigkeiten zu kämpfen hat, die gar manchen andern schnurstracks aus der Heimat fahren ließen, soll unvergessen bleiben. Nun aber liegt diewirtschaft-

Lin durch Unwetter beschädigtes Haus in Uttrichshaufen.

(Die Helfer aus fulda beim Werk.) K. Rothmann-Neuhof.

hen und die Tiere hie und da etwas fallen lassen, weil hinten kein Säcklein vorgebunden ist und auch das Rindvieh die Segnungen einer diesbezüglichen Fortbildung noch nicht erworben hat. Die Luft ist dieselbe wie früher; sie ist ja das einzige, das sich bis jetzt derSpekulation" entzogen hat. Wir wissen, wie bitterschwer es gerade viele Großstadtleute im verflossenen Kriegsjahr gehabt haben und freu­en uns über jeden, der bei uns Erguickung und Er­holung findet. Aber zu wünschen wäre, daß man­cher Besuch nicht zu einer Heimsuchung wird, die alle gesetzlichen Schranken bezüglich der Lebensmit­telverteilung durchbricht. Wie sehr viel hängt doch bei allem staatlichen Organisieren und Ordnen von der Einsicht und dem Willen derer ab, die sich in das Gewebe des großen Ganzen zum Heil und zur Rettung von Volk und Land einfügen sollen! Wie­viele oder wie wenige auch mag's geben, die zu wi-

lich-kritische" Zeit wieder hinter uns. Die Früh­kartoffeln, die wir gestern im Rathaus zum Verkauf liegen sahen, eignen sich zur Stärkung der englischen Aushungerungsgedanken wie der Igel zur Schlum­merrolle. Aber uns machen sie Freude! Man schätzt heut' ein Stück Brot mehr wie früher einen Fetzen Torte, flickt und stückelt am Gewand, bis es wieder neu" ist, und hat ganz vergessen, daß es einmal morgens knusperige Wecke geben mußte. Den treue- sten Freunden Alkohols bleichen die Rasen bis zu freundlichster Normalfärbung. Nurdas mit dem Tabak" ist so 'ne Sache. Mein Kollege Siemon, der ohne Pfeife schwer vorstellbar ist, hat endlich eine Mischung aus heimischen Blättern komponiert, die den Tabakstreckt" und ihm selber schmeckt. Ich glaube, getrocknete Lindenblätter und Nußbaumlaub nebst einemJdeechen" Varinas liefern ihm die ge­streckte Ware. Aus Waldmeisterrauch macht er sich