Seite 222 KOC^C^R.^2^^ Unsere fjeimat C^C^t^C^C^C^^^^^^^ Nr. 9/10
günstige Nachbarn verteidigen mußte jahrzehntelang? War's ein Lehnsmann, der in der Gefolgschaft seines Fürsten nie zur Ruhe kam, sondern, seinem Eid getreu, Schwert und Lanze führte jahraus, jahrein? War's ein Kreuzfahrer, der gelobt hatte, das heilige Land zu befreien und durch keine Drangsal und Entbehrung sich davon abhalten ließ? Wer weiß, wer das in flüchtiger Kampfespause dahin gekritzelt hat sich selbst zur Mahnung. Jedenfalls war es einer, der eine schwere Pflicht vor sich sah und den festen Willen hatte, sie zu erfüllen - allen Widerständen zum Trotz. Wir sehen ihn, da Ermattung ihn befallen will, die Muskeln straffen und die Fäuste ballen. Nein, er läßt nicht locker und wird nicht schwach. „Und laß nit, u n d l a ß n i t a b.“ Er war ein treuer Mann; einer, der sich selbst treu blieb und die Treue hielt dem, dem er sie gelobt hatte.
Es ist gar mancherlei, was uns jetzt bitter not tut. Aber ist die T r e u e nicht vielleicht das Allernötigste? Stände nicht gar vieles besser, wenn nicht so mancher der Treue den Abschied gegeben hätte, untreu und treulos geworden wäre? Bei denen wird die Treue kaum je wieder heimisch werden; das ist vorbei; der Schaden ist eigentlich unheilbar. Umso wichtiger ist es, daß die anderen die Treue halten.
Was sind alle Tugenden, wenn die Treue fehlt? ! Fleiß und Begabung, Geschicklichkeit und Eifer, Arbeitskraft und Opferwilligkeit, Mut und Tapferkeit das alles sind hinfällige Gebilde, wenn nicht die Treue mit ihnen verbunden ist; sie erst verleiht ihnen Dauer und wirklichen Erfolg.
Weil die Treue so wertvoll ist, sind ihrer Feinde so viele. Von allen Seiten rücken sie an. Da ist der Leichtsinn; er flattert gern hin und her; wo er einen Menschen in die Gewalt bekommt, da kriegt die Treue die Schwindsucht. Da ist die Bequemlichkeit; sie redet auf uns ein: „Warum sich das Leben schwer machen? man tann's doch leichter haben!" da ist die üble „Bescheidenheit" mit ihrem Sprüchlein: „Auf dich kommt's ja gar nicht an." Da sind Mitmenschen, die die Treue aufgesagt haben; sie raunen dir leis, aber vernehmlich in's Ohr: „Sei kein Narr, alle machen es so!"
Wir müssen zusammenraffen, was uns in der Treue stärken kann, sodaß wir imstande sind, alle Angriffe abzuwehren. Hast du nicht in deinem Herzen ein Stückstolzen Trotz? Von dem guten Trotz, der sich darauf versteift: „Ich bleib bei dem, was ich für recht und notwendig erkannt habe; ich laß mich nicht hin- und herstellen, sondern hier stehe ich und so bleibe ich." Hast du nicht soviel Einsicht, daß du merkst: aller guter Wille, den ich je gehabt, alles, was ich je mit Mühe und Eifer getan habe, ist umsonst gewesen, wenn ich nicht Wollen und Tun treulich zu Ende führe. Sagt dir nicht dein Gewissen, daß alle „Gründe" der anderen d i ch nicht entschuldigen können, wenn d u von der Treue läßt? Ahnst du nicht welche wunderbare Befriedigung es ist, sagen zu dürfen: „Ich blieb treu!"
Suche nicht nach großen Gelegenheiten; auf die Treue im Kleinen kommt es an, draußen wie daheim. Daß du im Stall und auf dem Acker, in der Werkstatt und in der Amtsstube, bei der Kolonne und im Schützengraben treu deine Pflicht erfüllst, darauf kommt alles an; da kannst du auf deinem
Posten Großes und Verdienstliches wirken, da verleiht dir deine Treue wahrhaften Adel. Es kostet Anstrengung, treu zu sein im Kleinen. Aber wer hierin nicht treu ist, der ist es überhaupt nicht.
Das Koppelschloß des preußischen Musketiers trägt die Inschrift: „Gott mit uns" - ein Trost und ein Gebet; das des württembergischen Soldaten: „In Treue fest" ein Gelübde, das erst dem „Gott mit uns" seine Berechtigung gibt. Treue in ihrem höchsten Grad erwächst nur auf dem Vertrauen; im letzten Grund auf dem Vertrauen zu dem, der des Herzens Meinung kennt und dem die Treue im Kleinen, wie die kleinste Untreue nicht verborgen bleibt.
Ernst Moritz Arndt, der Sünder der deutschen Freiheitskriege sang vor hundert Jahren:
„Die Treue steht zuerst, zuletzt im Himmel und aus Erden.
Wer ganz die Seele drein gesetzt, dem wird die Krone werden.
Drum mutig drein und nimmer bleich! denn Gott ist allenthalben:
Die Freiheit und das Himmelreich gewinnen keine Halben!"
So ist's zu allen Zeiten; und heute erst recht. Darum: sei unverdrossen und laßnit, und laß nit ab !
Hintersteinau. Pfarrer Fritsch.
Heilige Hot
Es geht durch die deutschen Lande
Die Tlot, die heilige Hot Die falten an ihrem Gewände, Sie riefeln wie Glut so rot.
Die Not klopft an alle Türen,
: Steht an den fenftern zur Nacht, Und ihren fitem verspüren
: Sie alle, die drin noch gewacht.
was schluchzende Herzen erlitten, tfört weinend die heilige Not,
: Sie sammelt die Tränen und Bitten Bus ihres Senders Gebot.
Das brünstige, stehende Rufen.
Sie trägt es zum Höchsten empor, j Und auf feines Thrones Stufen Legt alles dem Vater ste vor.
„Zch will meine Deutschen schmieden", Sagt er, „wie Eisen so fest.
Jdr schenke den Deutschen -frieden, : wenn Deutschland mich nicht verläßt!"
Helene VretM.