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Seite 214 c^c^^c^^ Unsere

Heimat ^^£^£^r^^£^£^^£<9£^^ Nr. 7/8

ter sollte es werden. Es fing einer die Maul- trommel zu spielen an, und er spielte bei großer Aufmerksamkeit der Gesellschaft ein Stücklein nad) dem anderen. Ich hätte es für unmöglich gehal­ten, daß man einem so einfachen Instrumente solche Töne entlocken könne. Der Spieler war ein Vir­tuos, der sich, hätte aus die Reise begeben können unb dem ein europäischer Ruf sicher gewesen wäre. Diese Töne in solchem Lokale! 3$ war entzückt, ich bat die schöne Tochter des Wirts, sich neben mich zu setzen. Und da saß sie nun neben mir, und vor mir die von dem Feuer beschienene schwarze Bande, und in meine Seele zogen die köstlichen Töne, die da nun so tiefer eindringen konnten als sie, möchte ich sagen, von einem so kleinen, unscheinbaren In­strumente kamen und so fein, so elfenartig waren. Mein Schlafzimmer war eine Treppe hoch. Mit Liebe war das Bett improvisiert, und die einfachen rohen Möbel und Utensilien zurecht gestellt. Ich er­kannte die sorgsame Hand der schönen Haustochter. Aber kein Schloß war vor der Tür, und das Fenster war bloß ein offenes Quadrat, das man mittelst eines Ladens zumachen konnte. Wie sehr auch! die Töne des schwarzen Elfenkönigs und die schwarzen Augen und Locken der reizenden Tochter mich noch bezaubert hielten, die Fama, die räuberartige Sanfte und draußen der wütende Sturm und Regen und so vieles, was noch meine Phantasie hinzutat, erregten Gefühle, die mid} bewogen, mich so gut wie möglich zu verbarrikadieren. Nachdem ich die Wände unter­sucht, unter das Bett gesehen, den Fensterladen fest gemacht, stellte ich das Tischchen vor die Tür und die Stühle darauf, damit es ein mich aufweckendes Geräusch gäbe, wenn sie kommen würden, die Türe aufzumachen . Ich dachte, es wäre freilich besser, wenn man dich unversehens hinschlachtete, als daß du e rst erfolglos mit den Mördern zu ringen hättest. Ich lächelte sogar dabei, als ich dies dachte, allein ich zog doch, vor, das schwache Panzerhemd anzuzie- hen und damit mi$ schlafen zu legen. Ich empfand eine Weile das unangenehme der eisernen Maschen, allein bald kam mein Schutzengel und schloß mir, lachend über meine Furcht, fest die Augen zu. Ich schlief ununterbrochen, und als ich erwachte, da war es schon drunten lebendig, und als ich, hinunter kam, da stand schon duftend mein Kaffee auf dem Tisch, und die ihn mir gekocht hatte, stand wie die Mor­genröte so schön, ja noch schöner, daneben, und wünschte mir so lieb den guten Morgen, als wenn ich der wäre, der auf dem nächsten Feste vorzugs­weise mit ihr tanzen würde. Wenn sie mir nun aber einen schlechten Kaffee gekocht hätte? Wie da? Ich glaube, da hätte sie viel in meiner Meinung ver­loren, denn ich spreche aus Erfahrung. Als ich Abschied nahm, drückten wir uns auf's herzlichste die Hand. Unsere Augen weinten nicht, aber sie strahlten etwas aus, was mandjmal mehr ist als eine Träne. Unsere Lippen lächelten, aber doch zuckte so etwas wie Leid in ihren Winkeln. Die Empfindungen dieser Art auf der Reise sind gar ei­gener Natur, und der hat keinen Begriff davon, der immer zu Hause bleibt.

Die Fahrt von Lecina nach Piombino ging durch strömenden Regen. Der Wagen war ziemlich gut, trotzdem schlug der Regen hinein, sodaß ich in St. Vincenzo lange am Feuer zu tun hatte, bis ich wie­der trocken war. Elba liegt vor mir, als wenn

es ein Berg wäre, der von der Küste nicht getrennt ist. Das Wetter hat sich aufgeheitert. Sobald sich auch, das Meer etwas gelegt haben wird, werde ich mich! hinüber begeben. Sie hatten den Kaiser Napoleon doch so ziemlich, von der Welt abgeschnil- ten, denn diese Küstensümpfe gehören nur entfernt zu der Welt. —

Von Piombino aus setzte Lotich die Reise zu Pferde fort. In Montioni besuchte er einen Be­kannten des Leblancfchen Hauses, einen Herrn Porte. In seinem Hause ist alles aufs schönste eingerich­tet. Ich werde in demselben Bette schlafen, in dem die Prinzessin Elisa bei ihrem Hiersein geschlafen hat. Man sieht noch die Säule, die ihr zu Ehren gesetzt wurde mit der Inschrift: tout fut cree par son genie unt> weiter unten: a notre bien aimee Souveraine.

Herr Porte stellte mir bis Pomerancie ein stolzes Pferd zur Verfügung und einen berittenen Führer. Acht Stunden ritten wir, fast immer im Trab. In Pomerancie erlebte ich ein kleines Abenteuer. In dem vermeintlichen Gasthaus ging ich,, da unten nie­mand zu sehen war, gleich die Treppe hinauf, trat in ein Zimmer, warf meinen Mantel ab und war im Begriff, mir's noch weiter bequem zu machen, als eine Dame vor mir erschien, mich groß ansah und ganz confus nicht die ordentliche Frage finden konnte. Ich las in ihrem Gesicht, daß es Befrem­den ausdrückte, und an ihrer Kleidung und Haltung, daß sie keine Wirtin war. Da sagte ich, in einem Ton, der mich, ihr gegenüber entschuldigen mußte, daß ich, m^dji edlem Anschein nach getäuscht haben müsse. Und als sie mich freundlich, belehrte, daß das Wirtshaus einige Schritte weiter sei, entschul­digte ich mich, weil die Dame schön und liebens­würdig war, mit einigen scharmanten Redensarten, knüpfte ein Gespräch, mit ihr an und bewog sie, mich zu fragen, welche Bekanntschaft sie meinem Mißverständnis zu verdanken habe. Der Anstand er­forderte, daß ich meinen Mantel gleich wieder auf den Arm nahm, und der Anstand verhinderte sie sonst hätte sie, wie ich, merken konnte, wohl gern gesagt, daß ich, ihn wieder ablegen möchte. „Pome­rancie", sagte sie, als ich mich, zu verabschieden für gut fand, „bietet einem Fremden wenig Unterhal­tung, ebenso wenig den Einheimischen. Sollten Sie daher glauben, während ihres Aufenthaltes in mei­nem Hause Ihre Langweile in etwas vermindern zu können, so würde es mir sehr angenehm sein, um so angenehmer, als unsere Einförmigkeit da­durch auf eine so unverhoffte Weise unterbrochen würde." Ich küßte ihr respektvoll die Hand und suchte mein Wirtshaus auf.

In Volterra blieb Lotich, mehrere Tage. Au,ch, hier hatte er bekannte Familien von Florenz her. Diese wetteiferten, ihm die schöne Stadt noch schöner zu machen.

„Ein Spaziergang um die Stadtmauer bietet un­aussprechlichen Genuß. Die Stadt dem Apennin ge­genüber liegt einzig. Das Gebirge erscheint in Alpengröße, ist aber in Farben getaucht, die den Alpen fremd sind. Die Etruskischen Mauern waren mehrmals das Endziel meiner Gänge. Zu meinem Bedauern, da ich dadurch, viel Zeit verlor, mußte ich, verschiedene Einladungen meiner Bekannten zu Diners und Collazionen annehmen. Von Volterra aus besuchte ich auch das in der Nähe liegende Klo­ster Badia. Benediktiner bewohnen es, 21 an der