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Seite 208 ßi>ßi>ß3ßi>ß5ßi>ß2ß2ß2ß2ß2ßi> Unsere Heimat ß^ß^ß^ß^ß^ß^ß^ß^ß^ßPßPß^ Nr. 7/8

bruch mit Hagelschlag nieder, sodaß in wenigen Mi­nuten nicht nur die prächtig stehende Frucht in den Feldern zerschlagen war, sondern auch eine über ein Meter tiefe Flut mitten durch das Dorf alles mit sich fortreißend zu Tale stürzte. Als sich! nach dem Abzüge des Wetters das Wasser wieder einiger­maßen verlaufen hatte, bot sich den erschreckt aus ihren Häusern tretenden Dorfbewohnern ein furcht­bares Bild der Verwüstung. In den in gerader Rich­tung von der Höhe herabführenden Straßenstücken, durch die der Wasserstrom, einem reißenden Gießbach gleich, seinen Weg genommen hatte, war auf weite Strecken der Grund und Boden fast 2 Meter tief herausgerissen und fortgeschwemmt, sodaß er bis in die Gegend der Stoppelfchen Wirtschaft die Straße als wirres Durcheinander meterhoch! überlagerte. Ein Glück ist es zu nennen, daß nur das zum Ab - bruch bestimmte und deshalb fdfon länger leerste - hende Haus des im Felde stehenden Georg Jost mit seiner Giebelseite dem furchtbaren Wasserstrom direkt ausgesetzt gewesen ist. Seine aus schweren Sand- steinguadern bestehende Sockelmauer ist von der Flut erfaßt und völlig fortgespütt worden. Alle übrigen Häuser, an denen vorbei die Flut ihren Weg genom­men hat, scheinen mit einer einfachen Ueberslutung ihrer Keller davon gekommen zu sein. Der Schaden, den die Gemeinde erlitten hat, ist außerordentlich groß und doppelt fühlbar in dieser Kriegszeit. Da­mit die völlig unbenutzbar gewordene Straße wie­

der so bald wie möglich hergestellt werde, sind auf Verlangen der Kreisbehörde 30 junge Artilleristen aus Fulda zur Hülfeleistung abkommandiert worden. Trotzdem wird es eine lange Zeit dauern, bis die Schäden auch! nur einigermaßen beseitigt sein werden So, damit mag's genug sein für heute. Aus Wiedersehen, wenn das dritte Kriegsjahr zu Ende geht! Gott gebe guten Frieden! Flg.

Erntegebet,

O Vater, deiner Gnade flügel breit' über unsre Ernte aus, beschirme selber, Tat und Hügel, beschütze jedes Vauerntzaus. Sehnte, die mit dir beginnen den ersten, frosten Erntetag, und segne, die da mitten drinnen sich müsten unter Sorg und Plag’, und laß vor allem deine Gnade auf all den müden jUten ruhn, die an dem Ziele ihrer Pfade Zur letzten Ernte rüsten nun.

Nanzbausen. Heinrich Uaumann.

Das Märchenlied,

Skizze von Aler Vömel.

ls die größte, schattige Linde im Schloßpark noch ein kleines Frühlingsbäumchen mit einer hellgrünen Krone war, hat ihr das Wasser des Silbersees lustige Lieder gesungen.

Das Schloß war damals das Heim spielender Ge­schwister mit blonden Locken und himmelblauen Son- nenaugen.

Das Lindenbäumchen hat wenig Schatten ge­worfen, damals. Dann ist dieser gewachsen, größer und breiter geworden, und ist im Laufe der Jahre immer weiter getöanbert und hat sich als ein schwar­zer, großer Teppich auf den blendend weißen Kies gelegt.

Das Schloß ist jetzt grau, die Fassade verwittert.

An der grauen Mauer klettern Heckenrosen hoch und ranken sich um die alten Scheiben.

Die Linde ist groß, und die stämmigen Aeste oer leuchtenden Krone ächzen und stöhnen, wenn der Abendwind mit den Blättern spielt. Der helle Sil­bersee ist jetzt von morschem Schilf durchwachsen; Bäume und Sträucher haben ihn versteckt. Am

blauen Himmel fliegen leichte, schneeweiße Wolken über den alten dunklen Schloßpark hin.

Der See rauscht ein Märchen und die Linde und das Schilf singen es nach, in den Sommersonnen- abenb hinein; immer das alte Lied.

Die Heckenrosen wiegen ihr Haupt hin und her, — — hin--und — her — —, immer wieder:

„Es war einmal ein Frühlingskind-----"

Durch die Bäume geht ein Klingen der Abend­sonne und ein Vogelsingen; sie machen den Schloß­park zum Märchenlande.

Im dichten Schilf schaukelt müde ein grauer Kahn.

Hin *—. und — her, immer dasselbe Lied; hin und her.

Unter der Linde ist ein großer Marmorblock und ein Sommerblumenbeet.

Am See, unter der alten Lindenkrone ruht ein Frühkingskind in seinem Jugendgarten.

Die Heckenrosen wiegen ihr Haupt hin und her,

unb der See raufst das Märchenlied.

Schlächtern im Siebenjährigen Kriege,

Von E. H.

^^^ir stehen noch mitten im schweren Ringen ge- gen eine Uebermacht von Feinden. Gdfon einmal hat unser Land eine ähnlich ernste Zeit erlebt, die Zeit des Siebenjährigen Krieges.

-Schlächtern.

Damals stand Hessen-Kassel auf feiten Friedrichs des Großen, oder richtiger, es war von England, dem Bundesgenossen Preußens, in Sold genommen und wurde schon bald nach Kriegsausbruch von den