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Seite 198 ^L^-^^^^^^^^^-^s Unsere Heimat f^^^^^^^^r^r^ß^e^ Nr. 8/6

Dann findet sich nichts mehr aus diesem Jahr, und doch wissen wir aus andern Quellen, daß geraoe in dieser Zeit unsere Heimat Furchtbares auszuhal- ten hatte, daß die Kaiserlichen unter Jsolani und Philipp von Mansfeld vom September ab schrecklich darin hausten, daß der Pfarrer Feilinger selbst in Schlüchtern auf dem Weg nach Kressenbach von den Kroaten mißhandeli und bös zugerichtet wurde. Lr hat an anderer Stelle davon erzählt. Im Kressen- bacher Kirchenbuch, steht von dem allen nichts mehr, und unter diesen Umständen ist ja auch das Schwei­gen beredt genug.

Erst im Januar wieder eine kurze Notiz: „6. Jan. 1635 Artus (nämlich der Taufe) in Schlüchtern verricht worden propter pericula bellica (wegen Kriegsgefahr). Gott errett uns Christen aus aller Not. Amen." Es folgen 2 Taufeinträge vom Februar und März mit fast demselben Inhalt.

Was aber waren schließlich die Kriegsnöte im Vergleich zu der Pest, die jetzt wieder fürchterlicher als je zu wüten begann! „1635 mense Junio bt der ehrbare Jost Dammerling, Schulmeister in Kres­senbach, mit den Seinen nach Schlüchtern verreiset unbt daselbsten in seinem Vatterlandt nit ohne son­derliche Regierung Gottes mit Weib unbt Kindern sehliglich von dieser Welt Peste (durch die Pest) abgefordert worden." In den ersten Tagen des Juli stürben und wurden begraben 8 Personen, die Fei­linger mit Namen nennt, und andere, deren Namen schien, wohl alle Opfer der Pest. Trotz alledem heißt es am 5. Juli: „Nach der frühpredigt v. Trin. 6. ist in seinem Heyrat und Ehstand ehrlich bestätigt Jörg Scheffer Becker Handwerks mit Elifa- bethe weyland Bartholomaei von Niederzell hinter­lassener Wittib. Dieser lebt im 3. Ghstandt." Und am 9. Juli „hilt seinen ehrlichen Kirchgang und hoch­zeitlichen Ehrentag Johann Lonradt Schuch wirt von Urb mit Latharina des ehrbaren Mitnachbarn zu Cresfenbach Merz Leippolts efyeleiblid)er Tochrer. Connubia sunt fatalia. Es lebt sich wunderb arlich in der Welt."

Ja, alter Chronist, „es lebt sich wunderbarlich in der Welt." Die einen sterben hin wie die Fliegen, und die Kriegszeit will und will nicht enden. Jeder Tag bringt neue Angst und Ungewißheit. Und

dennoch werfen die andern, die noch frisches Leben haben, alle Warnung und Hemmung hinter sich und tun, wozu die Natur sie treibt, freien und lassen sich freien und gründen neue Geschlechter, die die allen Wege immer wieder so oder so neu gehen müssen, und die doch in ihrer Gesamtheit noch nie klug ge­worden sind durch die bösen Erfahrungen der Alten.

Wir sind damit nun am Ende. „Es lebt sich wunderbarlich in der Welt", war des Pfarrers Fei­linger letzte Niederschrift für die „Posterität"" die sich im Kressenbacher Kirchenbuch findet. Die Pest raffte immer mehr Menschen dahin in jenem Jahr, und im Oktober fiel ihr auch der Chronist zum Opfer. Die kläglichsten jammervollsten Zeiten des endlosen Kriegs kamen nun erst eigentlich. Er hat sie nicht mehr erlebt und viele seiner Kressenbacher Pfarrkinder auch nicht mehr. Noch ein nüchterner und erschütternder Eintrag aus späterer Zeit von anderer Hand steht da: „Weile Anno 1635 das landsterben eingefallen unbt der leut wenig worden, als sindt die getauften Kinder und Eheleut von folgenden Jahren im Schlüchterner Protocoil zu finden."

Die friedtfossUnde.

Sie steht schon viele Jahre

Am stillen Friedhof Wacht, Und schon gar manche Bahre Hat man ihr hingebracht.

Dem Greise wünscht sie Frieden

Auf dem ersehnten Gang Und singt dem Lebensmüden Den letzten Grabgesang.

Und wird der Mensch entnommen Der Mitte seiner Bahn, Dann rauscht sie schmerzbeklommen: Auch das ist wohlgetan.

Senkt man zu ew'gem Schlummer Unaufgeblühte Pracht, Dann klagt sie still den Kummer Dem, der sie einst erdacht.

F. Schädel-Oberdorfelden.

flus der Geschichte unserer östlichen Kreidhälfte,

Von Rektor G. Maldfeld, Steinau.

Fortsetzung.

'“5^-ucs) der Name Motgers zeigt noch heute den ursprünglichen Dativcharakter; auch er ist / eine Kollisionsform und durch Anwachsen, durch Prothesis, des „m" aus dem Artikel bezw. der Präposition „zum" an Otekares (zum OtekaresZ, m - Otekares, Motekares und:— nachdem die bei­den ,,e" synkopiert oder ausgeworfen waren, Mot- kars entstauben. Schon 1355 tritt der Name als Motkars auf; 1358 finden wir ihn als Motgars und Mutgers ; 1364 und 1391 wieder als Motkars ;

') „zum Otenkars"; vergl. Schuttes, „diplomatische Ge­schichte des gräfl. Hauses Henneberg" (Hildburghausen 1788-1791), II, S. 35.

1453 als motgars; 1470 als mutgars; 1602 als Mutigers; 1604 und 1607 als Mutgers, und noch, 1778 schreibt Engelhard in seiner „Erdbeschreibung der Hessischen Lande Casselischen Antheiles", 2. Teil, S. 875 : „Mutgers" oder „Motgers". Die letzte Form ist dann nach und nad) in der Schriftsprache herrschend geworden. Es kann also keinem Zweifel unterliegen, daß Mottgers und Otekares gleiche Namensformen sind und üls identisch ang eseh en werden müs­se n. Vilmar hat dies bereits im Jahre 1837 aus­gesprochen 2) und andere noch, viel früher.

2) Vergl. dessen Abhandlung „die Ortsnamen in Kur-