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Seite 196 ^^^^-^^^^I^^^I^ Unsere Heimat c^e^^^^^^^c^c^ose^ Nr. 576

senbach vernemlich, wie auch zu andern Hohefest- undt Bettag frühe zu rechter Zeit ein Kurtz Zeichen Mi geläut werden als ein losung, wan beydes die Beam- pten undt die ganze Gemein angehen undt anbrechen soll nach! Schlächtern zu gehen zum Gottesdienst, auf das also eine seine Ordnung undt auffmerkens ge­halten werbe von Menniglich, auch damit ein groher Eyfer erweckt werdt, indem einer aufs den andern acht haben kan. - Sonntag sollen auch beide Ee- meinde wieder mit ihren Kindern undt Gesindt gegen Mittag zum Gottesdienst kommen aufs löbliche An­ordnung superiore (höhere) da soll der Schullmeister 2 Zeichen geben. Darauss einen Pjalmum anstimmen mit etlichen gesellen, eine kurtze Vorrede anstellen undt das Sonntäglich Evangelium verlesen mit der Auslegung aus Rullmanni postilla, undt mit Nich­ten aber aus eigenem frechen Mut eine eigene Aus­legung spargiren jedem ministerio (geistl. Amt) zu Hohn. Den ob er schon lesen undt schreiben kan, so ist er doch der qualitet nit confirmato (? als ein bestätigter) zu predigen. Er ist ja nur vom Lein­weber Stul! Und denken solche gesellen sich hernach besser als solche Personen rechtmessig ihre artes et linquas studirt undt sein ordentliche Berufs hat von Gott dem Allmächtigen mit der Christlichen Obrigkeit confirmation Undt der Christlichen Kirche Consen- sion. Undt soll der Paedagogus jedesmal ein stuck des Eatechismi vorlesen aus dem kleinen Cate- chismo den die 5 Hauptstück mit gelassen Fragen Kürtzlich erclärt werden. Soll auch das Eramen einen Sonntag umb den andern vorgenommen wer­den gegen Söhne undt die Töchter, damit eine fein christliche Ordnung gehalten werde. - Letzlich ein Eesatz oder 2 gesungen Undt der Segen verlesen wer­den. Soll alles ordentlich Kürtzlich undt andächtig befielt werden. Die Schull ist auch! mit ernst den El­tern angekündigt worden dazumall . . . ." Wir sehen also, so ganz ohne Ordnung und Zucht ging es nicht zu.

Wir hören dann nichts von Interesse bis zum Juli des nächsten Jahres 1630. Da kommt wieder hoffnungsvolle Kunde aus der großen Welt: „Diese Zeit eine Versammlung des Kaisers Ferdinandi mit seinen adhaerenten Churfürsten in Regenspurg ge­halten worden. Gott der Herr wolle alles zum glück­lichen Ausgang kommen lassen der christlichen refor- mirten Kirchen, dem weltlidfen Regir Slandt uno Hausstandt in allen Zünfsten und in allen Orten des Weltgreis zum Besten aufwenden. Amen. Cor regis in manibus Jehovae." (Des Königs Herz ruht in den Händen Jehovas). Zum Frieden wars noch weit, und mit der Absetzung Wallensteins, die der Fürstentag in Regensburg beschloß, war den Hoff­nungen der Zeitgenossen nicht gedient. Aber jeden­falls verlief das Jahr scheinbar im Hanauer Land ohne direkte Kriegslasten, ohne Truppendurchzüge größeren Stils. Am 22. Dezember läßt sich Fei- linger noch einmal vernehmen. Da hat er eine Freude gehabt:

„Derer Zeit sehr kalt gewesen, undt aufgedawet ist der Schnee sehr verschmolzen. In diesem Monat ist mein lieber Sohn Nicolaus (derselbe, der bei Herzogenbusch „mit undt darbey" war) von Hanaw hierauff verreiset undt hat uns besucht in ehren auch! wiederumb günstig abgezogen."

Auf das ruhigere Jahr folgt wieder ein recht un­ruhiges. Zwar auch das Jahr 1631 beginnt mit

großen Hoffnungen auf einen baldigen Frieden. Am 20. Februar schreibt F. „dieser Zeit ist eine Fürsten- Dersammlung in Leipzig gehalten worden, dahin auch die Reichsständ verreiset. Gott der Groß- mächtigste Herr wolle ihnen in Gnaden beistehen mit vätterlicher Unterweisung. Amen. Nulla sKus bello, pacem te poscimus omnes." (S. oben.) Aber die protestantische Fürstenversammlung in Leipzig brächte nichts zustande. Der Hauptteil des Krieges begann nun erst in Deutschland, denn am 6. Juli des Vorjahres war Gustav Adolf auf der Insel Usedom gelandet und griff nun erst tatkräftig in den Krieg ein. Von diesen Vorgängen, die b ch sicher wie ein Lauffeuer durch das evangelische Deutschland gingen, berichtet F. in unserer Quelle nichts. Nur eigene Erlebnisse, auch! solche ganz per­sönlicher Natur. So schreibt er am 6. März: „derer Zeit bin idj etwas bawfellig gewesen wegen eines flusses, welcher sich von der Rechten Seiten Hufft zer­theilet nach dem Schenkel gezogen, aber durch Gottes Gnad wiederumb zur Linderung angelassen. O passt graviora dabit Deus hisquoque finem." (O ihr, die ihr schweres erduldet habt, Gott wird auch! diesen Leiden ein Ende machen. Citat aus Virgil.) Am 12. April geht's schon wieder aus dem alten Ton: „Diese Zeit ist gar gefährlich gewesen wegen oer Kriegsgefahr," und am 24. April: „Erawsame Kriegsrüstung sich in aller Welt aufgeworfen. Gott der großmächtigste Kriegsfürst wolle alles in allem und bei allen zum gewünschten End und stieben kehren undt wenden." Beruhigend hört sichs dage­gen wieder an, wenn F. am 24. Mai schreibt: Ja­cob Virlen. Dieser Schulmeister hat ein New Haus in Cressenbach zimmern und den 26. Mai aufbawen oder heben lassen gegen der Linden unten am Wasser undt die Mauern mit newen Quatter Steinen fassen lassen auf Viler leut gegebenen Rhat aus Vorsorg." Das? auch in der Gemeinde immer nod? Zucht und Ordnung herrschte, besagt ein Eintrag vom 12. Juni: „Diesen Sonntag nach der frühpredigt sindt die Mannspersonen aus beyden Gemeinden in ihrem Ca- techismo unterwiesen undt durch ein Colloquium (eine Unterredung) probiert worden, ist eine geistliche Mu­sterung gewesen, wie auch! den vorigen Tag die Land­musterung zu Stenaro ingleichen verrichtet worden in Gegenwart des hochwohlgeborenen Grafen und Regierenden Landherrns H. Philips Moritz etc." Nach einem Verzeichnis der wehrhaften Männer in der Grafschaft Hanau aus dem Jahre 1587 hatte Kressenbach 14 Schützen und 9 mit Hellebarden und Spießen Bewaffnete, Breitenbach 16 Schützen und 13 mit Hellebarden und Spießen Bewaffnete. Wie­viele zu der erwähnten Musterung in Steinau 1631 antraten, wissen wir nicht, wohl nicht mehr soviel, denn aus den 23 Haushaltungen Kressenbachs sind von 1617 bis 1623—18 geworden, in Breitenbach waren von den 1617 auf gezählten 36 Haushaltungen noch 31 übrig. — Noch eine Last beschwerte außer der Kriegsnot zu ber Zeit die Herzen. 1631 war wieder ein Pestjahr. Feilinger berichtet darüber an anderer Stelle. In Kressenbach sind anscheinend Todesfälle nicht vorgekommen. Es findet sich nur im Februar schon und noch einmal im August der Stoßseufzer: „Bella fames pestis sunt horrida castra Jehovae Corrigit hisce pios destruit hisce malos." (Krieg, Hunger, Pest sind die furchtbaren Zuchtruten Jeho­vas. Er bessert mit ihnen die Frommen, zerschmel-