Seite 194 idt^C^l^l^C^^C^^ Unsere Heimat Nr. 5/8
gnädig ab, es ist im weiteren Verlauf des Jahres keine Rede mehr von „Kriegsbeschwerungen."
Feilingers Familie wuchs damals wieder. Die 3. Frau bescherte ihm ein Söhnlein: „10. Oktobris ist auch unser Söhnlein der kleine Jacobus in eil ge- tauffet worden. Gott der Herr segne die alten und deren Kinder in Gnaden Solang wir hier sein sollen im Gnadenreich, bis wir entließ erhoben werden zum ewigen Himmelreich in Christo zubereitet. Herr Herr das werde wahr." — Statt des abgewendeten Kriegsschreckens aber kommt ein anderer wieder : die Pest. „1625 mense Novembris sind des Erbaren Hans Kressen Schulteisen (in Breitenbach) und Baw- meister der Kirchen peste correpti (durch die Pest hm- geraffte )Kinder ehrlich zur Erde bestattet worden als mit Namen (fehlen). Die anzündung ist nach Gottes freundlicher Regierung daher in dieses Haus gekommen: Denn es war obgemelker Söhne einer, dienent bei Nikolaus Gerling, in seiner Schwiegern haus peste correptus gestorben. Da sind die Mutter unK Geschwister hinübergegangen zur Begräbnus, haben auch seines des verstorbenen Kleider abgeholst dadurch die eigene Behausung betrübt. Er der Mann ist damals krank und geschwollen gewesen." Weiteren Umfang scheint die Seuche damals nicht angenommen zu haben, denn andere Fälle werden nicht mitgeteilt.
Das Jahr 1626 brächte wieder Kriegslasten: Trup- pendurchzüge und lange Einquartierungen in unserer Heimat. Feilinger vermerkt davon nur sehr wenig, dagegen z. B. die für ihn scheinbar sehr wichtige Tatsache: „3 Martis 1623. In dieser Reis ist der Weg zwischen den Aeckern in Breitenbach! mit Steinen belegt, weil es sogar tief und grundlos daselben, wenn es ein wenig regnet, me praefente et promooente (in meiner Gegenwart und unter meinem Beistand) durch Jakob Virlen (den Schulmeister) und Joh. Stufen alias der Kleiner genannt. Den 30. April wieder ein Wunsch nach Frieden: „Par optata ut reddatur er Dei gratia omnibus sanctis anrie contendendum. Tum, demum nostra aggressimus bona, turn .... quae in nostra potestate fuerint, amiserimus." Daß der erwünschte Friede aus göttlicher Gnade wieder geschenkt werde, danach, müssen alle Frommen ernstlich streben. Dann erst werden wir unserer Güter inne, wenn wir verloren haben, was wir im Besitz hatten. )
Es folgt ein weiterer Eintrag, der uns sagt, daß es auch! in Kressenbach! damals — keinen vaterländischen Hilfsdienst, — aber einen harten Frondienst gab : „22. Maii Hans Buligern ein Tochter getaufft. .... Weil der Kindsvatter aber langsam ankommen und dessen Hausfraw nach Steinaw auf unserer Gn. Herrschaft Flachsbrecherei hat müssen gehen neben andern in frondiensten, als hat Ihre Mutter Die Stätte in ihrem Namen vertretten..... Diesen Monat durch grausames Rapfen mit grimmiger Kält Korn Wein Aepfel Birn Kirsen Erbes Hirse Pflan- tzen auch des Gruß in Schlächtern auf dem Elm unot hin undt wieder an vielen Orten undt Landen nach Gottes sonderlicher Verwaltung großen Schaden genommen. Item Gerste, Hafern an etlichen Orten. Viel durchreisent Kriegsvolk hin und wieder graw- same Beschwerunge erregt und eingeführet." Und gerade vom selben Jahr findet sich im Elmer Kirchenbuch (vgl. Schl. Heimatbote 1917 : Aus der Geschichte der Gemeinde Elm) eine Stelle, die von herrlichem Stand der Saaten berichtet. Das war vielleicht wenige Tage zuvor geschrieben. — Den
5. Juli „Grausame Kriegsrüstung in aller Welt gewesen. Ach Gott wend solch großen Jammer und Elend. Piifruuntur summa felicitate in vita aeterna (Die Frommen genießen höchste Seligkeit im ewigen Leben). Esaj. 49 v. 10. Sie werden hungern noch dürsten, sie wird kein Hitz noch Kalt stechen."
Im August teilt F. noch einen Regierungswechsel in Hanau mit, dann nichts mehr für dieses Jahr.
Das neue Jahr 1627 verlief in seinem größeren Teil scheinbar viel ruhiger. Wir hören auch, nur ganz wenig. Am 29. Oktober sehen wir folgendes friedliche Bild: „29. Oktobris ist der oberste Weyer im Namen von Gn. Herrschaft als eine stattlicher Zucht- weyer durch die Fischer von Hanaw mit einem langen Garn gefischet worden. Fui praesens spectator at frigore immenso correptus cito me bomum contul:." (Ich war gegenwärtig als Zuschauer, doch begab ich mich bei der riesigen Kälte schleunigst wieder nach Haus zurück.) Wirklich ein hübsches Bildchen: der würdige pastor bei eilt, sich das seltene Schauspiel anzusehen, kriegt aber gewaltig kalte Füße beim langen Stehen und die Nase wird immer röter, bis er schließlich klappernd vor Frost nachhause läuft und dieses Erlebnis eilend der Posterität zum Gedächtnis aufschreibt. 2 Tage später hatte er dann etwas Aufregendes aufzuschreiben. Am 31. Oktober wurde in Kressenbach ein fremder „Reuter" bei einem Tumult tödlich verwundet: ihm „das Hirn- schettel zerschmettert." Er wurde „nach Gewohnheit der Kriegsleut mit schießen" auf dem Kirchhof bestattet. Er hatte in Niederzell im Quartier gelegen und seinen in. Kressenbach einquartierten Bruder dort besucht. „Were er daselbst (in Niederzell) blieben, so were es vielleicht nit geschehen", bemerkt Feilinger dazu. Wogegen sich denn nichts einwenden läßt. - Die nächsten Monate verliefen weiter unter Kriegsdruck. Am Weihnachtsabend schreibt er nur die Worte ein : „Nach grawsamer Kriegsgefahr". Und ein anderer undatierter aber vielleicht auch! in diese Zeit fallender Eintrag aus diesem Jahr lautet: „Ach DEUS in quae tu servasti tempora servos. (Ach Gott für was für Zeiten hast du deine Knechte aufgespart). Noch zur Zeit grawsame Landbeschwerunge eingerissen mit der inquartirung des geworbenen undt noch! täglich aufftreibenden Kriegsvolks."
In diesem Tone geht es auch im ganzen nächsten Jahr 1628 weiter. „Den 15. Martii ist der Erbare Hans Sepien Möller in Eressenbach ehrlich begraben worden. Die Kriegslast hat diesen frommen Mann auch ausgebracht mit grawsamer Sorg wie auch anders, als das wohl zu achten, es werde noch, mancher auch auffgemahnet werden, mag auch, gar leichtlich ein Sturmwind kommen. Die baum fallen, weil sie durch tegliche Bekümmernis ausgemattet gar läck stehen."
„19. Aprilis wurde ein Soldat von Cöln Johann Bek (?) mit Hen Dresners hinterlassener Tochter Katharina eingesegnet." F. schreibt dazu: „Lucae 3. cap., vers 14. Da fragten ihn auch die Kriegsleute undt sprechen: Was sollen denn wir thun, undt Johannes sprach! zu ihnen: Thut niemand gemalt noch Unrecht undt lasset euch begnügen mit ewrem Sold. Das halten aber Viele nicht undt denken, aus- beuten streiffen undt Rauben oder ausblindern f^abe nit. Jamoll, ihnen trägt es ein, andern aber ab mit höchster bekummernis undt beschwerung." Alte Gin-