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Heimat L^^^^^L^^^/^^-^)^ Leite 191

^c^^c^^c^c^t^c^^^^ Unsere

Nr. 5/6

zeit für diese Berichte nun doch einen ganz andern Maßstab als früher, da noch Friede war, und sind in ganz anderer Weise jetzt in der Lage, sie richtig und gebührend einzuschätzen als früher, wo noch so viel Ariegsromantit in unsern Köpfen steckte. Was Feilinger aus jenen fernen unb doch heute wieder so nahegerückten Zeiten mitteilt, das genügt zu ber &in= ficht: Wir heutigen Kressenbacher, Schlüchte.ner und Hessen insgesamt, wir Daheimgebliebenen wenig­stens, dürfen wirklich noch lange nicht daran denken trotz aller Not unserer Zeit, unser Leben mit oem unserer Vorfahren zu vergleichen, was Unsicherheil, Not und schreckliches Elend anlangt. Und das ist's, woran w i r uns zu halten haben. Seit 21/2 Jahren geschahen und geschehen in den Gegenden, wo oer Krieg tobt, freilich Dinge ,die allen Graus jener Tage noch weit hinter sich lassen. Aber uns hier geht's doch immer noch gut, so sehr auch der Zuschnitt un­seres Lebens anders geworden ist als in Friedens - Zeiten.

Martin Feilinger war im Jahr 1605 Pfarrer des Kirchspiels Elm-Breitenbach-Kressenbach geworden, hatte als solcher seinen eigentlichen Wohnsitz in Schlächtern, seinem „gelibten Vatterlandt", wie er es nennt aber in den Dörfern seines Sprengels ein „Quartier", in dem er je nach Bedarf bleiben konnte. Seine Mitteilungen aus der Zeit vor dem großen Krieg sind noch spärlich!. Begonnen hat er fein Kirchenbuch 1611 mit düsterer Kunde: „Anno 1611. Pestis hat dominirt er Dei omnipotentis dis- positione," (hat geherrscht auf Anordnung des ill- mächtigen Gottes.) „Dieses 1611. Jahr feindt jung undt alt umb 32 Personen durch die Rute des Herrn von dieser Welt abgefordert worden. Gott gebe, das sie Christlich undt sehlig in dem Herrn abgeschie­den seyen. Amen." In den folgenden Jahren weiß er von mancher Taufe und daran sich anschließender „Zech" M berichten, von Gängen in seinem weit aus­gedehnten Kirchspiel, die oft mühsam waren durch Hochwasser und tiefen Schnee, von Mißhelligkeiten mit Gemeindegliedern, von ^Sauarbeiten an der Kref- senbacher Kirche, von einem Unglücksfall, auch! von eigenem schweren Leid. „Den 13. Juli 1617, als auf Margareten Tag, ist meine liebe Hausfraw Marga- reta, nachdem sie Gott zuvor gnädiglich entbunden ihrer Leibesfrucht und uns gesegnet mit einem jun­gen Sohn selig gegen Abend umb 6 Uhr in dem Herrn entschlafen und den 14. ebrlich zur begräbnus geleitet und nach gehaltener Predigt ist bas liebe Kindt getauft und Johannes genannt wor­den. Darnach! ist auch die Mutter seligen mein lie­bes Gemahl ehrlich zur Erden bestattet undt begraben warben in der Hoffnung der fröhlichen Auferstehung an Jenem Tag. Derer Seelen von Gott bem Höch­sten Herrn in dem Himmel erfrewet wirbt in großer Gnaden. Non interfui convivio sed rebus erpeditis er munere vocationis bamum confestim me recepi ab meos relictos liberos", (am Leichenmahl nahm ich! nicht teil, sondern begab mich! nach vollzogener Amts­handlung sogleich nach Hause zu meinen verlassenen Kindern.)

Im selben Jahr gibt er Listen der Familien in Kressenbach! und Breitenbach: „Aus sonderlicher Be- denknus sindt im Jahr nach der sehligen Geburt undt Menschwerdung Jesu Christi 1617 der inwonenden eheleute in Cressenbach! Namen unb geschlecht der posteritet (Stai^tommen^aft) zur trewen nachrich-

tung eingeschrieben warben den 18. Julii." Er zählt im ganzen 23 Haushaltungen und ein „Gemeinhaus". Es finden sich die Namen: Spilmann, Staff (6 mal), Weltmann, Kraut, Elsesser, Scheffer, Feylen, Brüll, Creß (2 mal), Schultes, Schrimpff. Breiten- bach hatte nach ber entsprechenden Liste 36 Haus - Haltungen. Namen sind: Creß (9 mal), Lotz (5 mal), Richter, Flach, Klaib (4 mal), Gaull (2 mal), Deckart, Weismandell, Zinckan (2 mal), Leippolo, Heill, Boges, Hohmann (2 mal), Rüffer, Ochs, Rhod, Spon (2 mal) Scheffer, Möller.

Das war also unmittelbar vor Beginn des großen Krieges. Ein Jahr darauf, 1618, begannen die Verwicklungen, einstweilen ja noch in weiter Ferne. Und in unserm Kirchenbuch findet sich auch in den ersten Jahren noch keine Andeutung des Furchtbaren, das bevorstand und immer näher zog. 1620 schreibt F. nur von einem schweren Winter : „29. Nov. g ir großer Schnee und Kält. Den Sonntag zuvor hab ich auch zu Oberkalbach müssen predigen, weil R. D. Nikolaus Hornius verstorben. Ein gar gefährliche Reis wegen des Schnees", und wenig später im 17. Dez. „Fritz Brülle eine Tochter getauft. Und hat dieser Johan Stasen Hausfraw Elisabeth zur Gevatterin ersucht undt angesprochen, welche von Steinaw bürdig, aber doch keinen Beistand bannen hero gehabt wegen der gefährlichen Zeit und auch wegen der turnen Tagzeit." Ob da bei „gefährliche Zeit" über den schweren Winter hinaus schon an Die drohenden Kriegswirren gedacht ist? Denn wenig später, im Anfang bes Jahres 1621 beginnen aucy in unserer Heimat größere Truppendurchzüge.

Nach der Gelehrtensitte der Zeit hat Feilinger, wie auch seine Prosa mit lateinischen Wörtern und Sätzen gespickt ist, auch eine ganze Anzahl lateinischer Ge­dichte verfertigt, die er natürlich, sie sind alle from­men, beschaulichen Inhalts, seinem Kirchenbuch! ein- verleibte. So tunbigt er auch den Krieg in einem solchen Gedicht an :

„Mars martis marti martern mortemque minatur O Mars Marie tuo res male capta perit Si deus est ex partibus electorum credas (spondaicus versus)

Quod sors sit felix conditioque bona ? Tutius est residere domi propriisque vacare Martis quam castris semper adesse malis : Martia tela nocent et martis proelia pacem Resiiiuunt populis ruraque firma probant.

Die 6 januarii anni 1621 inier strepitus Martiales.“

(Mars droht mit Krieg und Tod. — O Mars, durch! deinen Krieg geht aller Besitz,vom Verderben erfaßt, zugrunde. Wenn aber Gott aufseiten seiner Auserwählten ist, glaubst du denn nicht, daß iyr Schicksal doch, glücklich ist und ihre Lage gut? — Sicherer ists zuhaus bleiben und ohne Besitz sein, als im Feldlager des Mars immer den Uebeln ausge­setzt. Des Mars Geschosse tun Schaden, aber nach den Schlachten kehrt der Friede den Völkern zurück, und feste Rechte bestätigen ihn. Am 6. Tage des Januar 1621 unter kriegerischem Lärm.) Immer - hin war es mit dem kriegerischen Lärm auch, in die­sem Jahr noch nicht so schlimm. Die folgenden Ein­tragungen wissen nichts vom Krieg. Im März stirbt ein Kirchenschöffe „und der Kirchen Baumann", Con- rad Staff, und wird feierlich, in seines Vaters Grab