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Seite 188 ^^L^L^L^OL^:^^^^ Unsere Heimat r^r^i^r^^^^^c^t^ß^c^ Nr. 5/6

Schwarmgeisterei in sich. Wer des Frühlings An­kunft in Feindesland erleben mu^, wird sehnend des Lenzerwachens daheim gedenken. Wer ihn inner­halb seiner Heimatgrenzen nahen sieht und fühlt, der wird die Reize des Erhofften doppelt empfäng­lich und dankbar auf sich wirken lassen.

Aber seltsam, obwohl es nur einen Frühling gibt, so darf doch kühn behauptet werden, daß ein jeder seinen eigenen Frühling hat, nicht etwa bildlich gesprochen. Je nach dem Geschlecht, dem Alter, der geistigen Veranlagung sind die Gefühle und Empfin­dungen verschieden, mit der der Wonnezrit entgegen­gesehen wird. Wie anders wird der Frühling erlebt von einem Großstadt- und einem Dorftind! x^et zwischen hohen Häuserwänden und Fabrikschornstei-

können. Nun gibt's Arbeit für den Landmann. Da muß gedüngt, gepflügt, gesät und gepflanzt, da müs­sen die Wiesen gereinigt, Maulwurfshügel geebnet werden, und was dergleichen Betätigungen mehr sind.

Aber auch die Sonne hat ihr Tun. Sie trocknet der alten Mutter Erde mit warmen Händen das schneefeuchte Gesicht. Sie guckt und tastet auch an den Hecken herum. Mit gutem Zureden gelingt es ihr, hier und da ein grünes Spitzchen der Erdkrume zu entlocken. Der Haselstrauch steckt krause Blüten - kätzchen an. Bald wagen sich die ersten Schneeglöck­chen hervor. Nicht lange, so liegen auf den Garten­beeten die rosenknospenartigen Köpfchen der Leber­blümchen, bedeutungsvoll „Vorwitzchen" genannt, und

Partie aus Vad Soden-Stolzenberg.

Phot. von C. Zinnall.

nen aufwuchs, hat wohl kaum das Nahen des Lenzes anders beobachten können als bei sonntäglichen Spa- ziergängen, die ihn aus dem Großstadttreiben für einige Stunden ins Freie führten. Das Erwachen der Natur in all seiner Köstlichkeit kann aber nur belauschen, wer das Glück hat, ein Bewohner des Landes zu sein.

Sehnlich war des Winters Ende erwartet worden.

Da kommt endlich der Tauwind vom Mittags- meer herangebraust und verleiht der Winterlandschaft ein verändertes Aussehen. Von den Dächern tropft's und rinnt 's, und mit Wehmut halb, halb mit Befrie­digung bringt die Kinderwelt ihre Schlitten in den sichern Unterstand. Die Dorfstraßen und Aecker aber sind froh, sich des weißen Pelzwerks entledigen zu

liebäugeln mit den Sonnenstrahlen. Dir suchen und suchen, bis sie eine Aurikel entdecken. Aber die hüllt sich mißtrauisch, no^1 in einen dicken Blättermantel und in ein Kleid, das mit dunklem, wärmendem Sammetstreifen besetzt ist.

Die Baumknospen binden ihre braunen Winter­häubchen auf, an den Gartenhecken keimt grünes Le­ben. Der Starmatz ist zurückgekehrt und erzählt von hoher Warte seine Reiseerlebnisse. Ueber den Saat­feldern klettert die Lerche, wie einst ein undeutscher deutscher Dichter sang, der's mit den Franzosen hielt, an ihren bunten Liedern in die blaue Luft. Die Kohlmeise ermuntert den Landmann mit ihrem

„Spitz 'die Schar, spitz' die Schar, Bauer muß an' Acker fahr'".