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Nr. 5/6 ß^^ß^^ßb/^ß^z^ß^ß^ß^^ Unsere Ueimat ß^ß^ß^ß^ß^ß^ß^ß^ß^ß^ß^ß^ Seite 187

Wenn er aus der Aufmerksamkeit der Zuhörer einen Schluß ziehen darf, sind seine Worte nirgenos vergebens gesprochen worden. Eine Autofahrt nach Zuntersbach im Hochsommer muß ganz wun­derbar sein! Im Winter bei Wind und Hätte i;t es vielleicht schöner neben einem warmen Ofen! Das machte aber nichts. Und keiner hat es bereut, daß er mit in Züntersbach war. Der Saal war dicht besetzt, die Darbietungen waren außeroroent- lich schön. Ein Heimatlied ,wie an allen anderen Or­ten auch, leitete den Abend ein. Das Neue, was hier geboten wurde, waren 3 Szenen, die von Herrn Lehrer Agricola eingeübt worden waren und von denen zwei von ihm für den Abend eigens gedichtet worden waren. Die SzeneKinder der Zeit" von dem Dichter Paul Keller zeigt das Verhältnis zwi­schen Stadt und Land in dieser ernsten Zeit und will den Gegensatz zwischen beiden ausgleichen helfen. Die Darstellung war vorzüglich. Man merkte den Kin­dern an, daß sie schon häufig durch die Schule an derartige kleine Vorstellungen gewöhnt waren. Und das ist gut und nachahmenswert. Großen Erfolg hatten auch die beiden anderen SzenenWas die Kleinen sagen" undDie Kriegsanleihe". Letztere wurde im Züntersbacher Dialekt aufgeführt. Ihr Erfolg war weit größer, als der schönste Aufsatz oder die feinste Rede über dieses Thema ^ätte haben können. Eine Nachahmung kann nur dringend em­pfohlen werden. Das GedichtDie gute Frau" zeigte,

wie eine hessische Frau den Kampf in der Heimat führt. - Herr Kantor Freund von Schwarzenfels hatte, wie immer im Osten des Kreises, die Vor­führung der Lichtbilder in liebenswürdiger Weise übernommen. Herr Pfarrer Gockel dankte in einer Schlußansprache allen Gästen und Mitwirkenden, er­mähnte nochmals zu treuester Pflichterfüllung und schloß den Abend mit einem Hoch auf unseren gelieb­ten Kaiser. Der Himmel machte ein sehr böses Gesicht, als nach Breitenbach aufgebrochen wurde. Es regnete in Strömen. Die armen Pferde waren zu bedauern. Der Saal war auch hier dicht besetzt. Herr Pfarrer Frischkorn hielt die Eröffnungs- und Schlußansprache. Leider wollte die Lampe des Licht- bilderapparates hier nicht mittun; Bitten und Drohen halfen nichts; sie streikte. So hatten oie Breitenbacher nichts gesehen, dafür aber das, was in andern Dörfern gesagt worden war, in ebenso dringlicher Form gehört. Hoffentlich ist es auch bei ihnen auf fruchtbaren Boden gefallen.

Die Heimatabende haben gezeigt, wie der Krieg im eignen Lande aussieht, wie ernst die Zeit jetzt ist, wie nur durch treue Pflichterfüllung und Opferwillig­keit unser Ziel, ein siegreiches baldiges Ende des Krieges, erreicht werden kann. Wir wollen hoffen, daß das Ergebnis der Kriegsanleihe und die treue, willige Befolgung der behördlichen notwendigen An- ordungen einen Erfolg der Abende erkennen lassen.

Keller.

was mir geträumt hat

(Wurde auf dem Züntersbacher Heimatabend von einem kleinen Knaben vorgetragen.)

Ihr denkt, ich fei ein kleiner Mann, Der sicher nicht viel sagen kann, Beinahe hättet Ihr schon recht, Doch steht's mit mir noch nicht so schlecht.

Nun denkt Euch, was mir ist passiert, Die letzte Nacht kam anmarschiert, Als ich daheim im Bettchen schlief, Vom lieben Hindenburg ein Brief.

Drin stand, ich konnt es lesen kaum, Denn alles war ja nur ein Traum: Ich danke all' den Kindern klein, Die fleißig Gaben sammeln ein.

Von Züntersbach hat's mich gefreut Und hoff, daß Ihr's recht bald erneut Auch sag' den Jungen klein und groß, Daß ich mich schrecklich freue bloß.

Wenn als Soldaten ich sie krieg, Mit solchen führ' ich gerne Krieg." Auch für die Großen stand was drin Ja, ja! es ist mir noch im Sinn.

Ein roter Strich war an dem Fleck, Ich glaub', er sprach auch von dem Speck Und andern Sachen, die man ißt, Und daß man noch so oft vergißt

Die armen Leute in der Stadt, Von denen keiner jetzt viel hat. Heut abend hab' ich's nun gewagt Und alles dieses Euch gesagt.

Damit Ihr mir nicht böse seid, Das tät mir nämlich schrecklich leid, So sing ein kleines Liebchen jetzt Ich Euch dafür zuallerletzt:

(Nach d. Melodie:Der Kaiser ist ein lieber Mann").

Der Hindenburg gefällt mir sehr, Das ist ein braver Mann, Er fängt von Russen immer mehr, So viel, wie er nur kann.

Wir haben ihn deshalb sehr lieb Und tuen, was er will, Ich nehm' mit wenig Brot vorlieb Und halt' geduldig still. Agricola.

Dörflicher frühting,

Plauderei von Helene Brehm.

früher nennte man die Deutschendas Volk ber Dichter und Denker." Seit Ausbruch ses Krieges weiß jedoch die ganze Welt, daß die DeutschenHunnen" undBarbaren" sind. Neuer­dings wurde sogar in England verkündet, daß zu unterscheiden sei zwischen derNatur des Menschen und der Natur des Deutschen." Neben all der Un­bill, die Deutschland angetan wurde, seit es von

seinen Feinden umstellt ist, wie der Edelhirsch von der blutgierigen Meute, nimmt es derartige Schmäh­ungen auch noch in den Kauf, so zusagen alskleine Zuwag'".

Die Freude am Frühling, an seinem Frühling, läßt sich aber trotz seines Barbarentums kein Deutscher nehmen. Denn im Grunde trägt ein jeder doch sein mehr oder weniger großes Stück Idealismus unb