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Nr. s 4 /^^^^^^t^^^^ß^^ Unsere fjeimnt c^^^c^^c^c^^e^^ Seite 175

zunächst ein Unternehmen her Kriegsfürsorgevereinigung, die das erforderliche Geld für Weihnachtsliebesgaben an Sodener Krieger im Felde aufzubringen hatte, im Vordergrund der Aufmerksamkeit stand, wurde das Anerbieten des Herrn Dr. Strünckmann, durch Herrn Direktor Becker vorn Rhein- Mainischen Verband einen Lichtbildervortrag über Ostpreußen halten zu lassen, für den genannten Zweck dankbar ange­nommen. Die sehr gut besuchte Veranstaltung am 14. Dez., bei der noch der Musikverein Soden-Salmünster in dankenswerter Weise mitwirkte, krachte einen reichen Ertrag, mit Einschluß einer Nachmittagsvorstellung für Kinder. In Wort und Bild wurde den Besuchern Ostpreußens Not beim Einfall der Russen in deutlicher Weise vor Augen geführt, der Sinn geöffnet für die Schrecken des Kriegs, wenn der Feind ins Land kommt, und Herz und Hand aufgetan für den Dank an die Tapferen draußen, die uns, — die Heimat schützen, für ihr Weihnachten im Felde.

Anfang Januar entschlossen sich die Mitglieder des Heimatbundes zu engerem selbstständigen Zusammenschluß. In einer Sitzung am 6. Januar kam Vorstandswahl zustande, die das folgende Ergebnis hatte:

Vorsitzender: Herr Bürgermeister Radke, Stellvertreter: Herr Hauptmann Berta, Kassenwart: Herr Privatier Jockei,

Schriftwart: Helferin H. Walther,

Beisitzer: Herr Pfarrer Schulz,

„ Herr Dr. Salditt,

• „ Herr Dr. Strünckmann.

Die Gründungsversammlung stimmte dem Antrag zu, nicht regelmäßig an bestimmten Tagen zusammenzukommen, sondern, dem Bedürfnis entsprechend, jeweils vom Vorstand Einladungen ergehen zu lassen. Im Mittelpunkte einer Zu­sammenkunft soll ein belehrender oder unterhaltender Vortrag stehen. Für die nächste sagte Herr Hauptmann Berta einen solchen über die Geschichte Sodens in dankenswerter Weise zu. Weiter wurde angeregt, Sodener Heimatbundarbeit nach Möglichkeit in der Heimatpresse zu veröffentlichen und mit der Werbearbeit für neue Mitglieder und die Bestrebungen des H.-B. kräftig einzusetzen. Zur Zeit beträgt die Mit­gliederzahl 21.

Der 7.^Ianuar brächte der Bürgerschaft bereits eine Darbietung im Sinne des Heimatbundes in einem Vaterl. Unterhaltungsabend, vorbereitet nnd veranftaltet von Frl. Lehrerin Creß, Herrn Bürgermeister Radke und Herrn Dr. Strünckmann. Der Abend wurde ausgefüllt durch einen

längeren ausgezeichneten und zu Herzen gehenden Vortrag von Frl. Lehrerin Creß über „Die Pflichten der deutschen Frau im Kriege", unterbrochen durch Gedichte mit ent­sprechendem Inhalt, von Schülerinnen ausdrucksvoll vorge­tragen, dazwischen ein lebendes Bild und Gesänge, und mit packenden Ansprachen der beiden genannten Herren mit Bezug auf Heimatliebe, Liebe zur Scholle, zur deutschen Heimaterde und auf unsere Ernährung im Kriege unter Hinweis auf die Pflichten der Nächstenliebe. Sonntag den 14. Januar fanden unter Mitwirkung des Rhein-Mainischen Verbandes zwei Lichtbildervorstellungen statt, nachmittags für Kinder Bilder zu einigen der schönsten Grimmschen Märchen, die von „Großmütterchen" mit Brille und Häub­chen und großem Umschlagetuch, einer Franks. Künstlerin, klar und deutlich dazu erzählt wurden, abends hielt Herr Lehrer Spehnkuch aus Offenbach einen volkstümlichen Vor­trag an Hand ausgezeichneter gut gewählter Lichtbilder über „Unsere Flotte, besonders die U-Boote", nachdem er zuvor einen äußerst fesselnden Ueberblick über das Werden unsrer deutschen Seemacht im scharfen Konkurrenzkampf mit dem neidischen doppelzüngigen Nachbar England, zum Schutze unseres Ueberseehandels, gegeben hatte. Zu musikalischen Darbietungen hatte sich wiederum der Musikverein Soden- Salmünster zur Verfügung gestellt. Auch diese Veranstaltung fand dankbaren Beifall.

Am Sonntag, den 28., hatte die Kriegsfürsorgeoereinigung zur Feier von Kaisers Geburtstag zu einem Vaterländischen Abend eingeladen, der so besucht war, daß Saal und Kasse reichlich gefüllt wurden. In das Verdienst um das Gelingen teilen sich die Herren Privatier Jockei und Lehrer Ditzel, in deren bewährten Händen die Leitung lag, und die sich, wie alle Beteiligten, in der Mehrzahl junge Mädchen aus der Bürgerschaft, mit Eifer und Begeisterung der Sache Hin­gaben. Herr Bürgermeister Radke brächte nach erhebender Ansprache das Kaiser-Hoch aus. Die Vortragssolge zeigte abwechselnd musikalische und schauspielerische Darbietungen, von denen mehrere Violinduette mit Klavierbegleitung, der Mädchenchor mit seinen „AltniedeUändischen Volksliedern", und ein Vaterl. Zeitbild „Unser Flüchtling" besonders her- vorzuheben sind. —

Donnerstag, d. 1. Februar findet die 2. Mitgliederver­sammlung statt, Tagesordnung: Vortrag des Herrn Haupt­mann Berta über Sodens Geschichte.

Soden, den 28. Januar 1917.

Die Ortsgruppe Soden des Heimatbundes: I. A. : H. Walther.

«G»

flus der Geschichte unserer östlichen Rreisstälfte.

Von Rektor G. MaldfeId, Steinau.

I.

Ueber den Namen des Dorfes Mottgers.

nter den Ortsnamen des Kreises Schlächtern nimmt der Name des Dorfes Mottgers bei Schwarzenfels unser Interesse in ganz be­

sonderem Matze in Anspruch, und zwar nicht nur seiner äußeren Form und seines Inhalts wegen, sondern auch der Folgerungen halber, die er uns zu ziehen gestattet und die dazu angetan sind, Licht auf verschiedene bisher noch nicht ganz geklärte Ab­schnitte der Heimat geschichte zu werfen.

Bekanntlich tritt uns dieser Name in doppelter Gestalt entgegen: nämlich als Mottgers, wie er heute lautet, und als Otekares, wie er ehedem geschrieben wurde. H

Man könnte aus diesem Umstände schließen, daß ein Wechsel in der Benennung des Dorfes eingetreten sei, zumal solche Namensänderungen ja bei geogra­phischen Gegenständen und Oertlichkeiten und nament­lich bei Siedelungen nicht selten sind und noch bis zum heutigen Tage stattfinden. Die Lüneburger

*) Vergl. die Urkunde aus dem Jahre 1167 bei Reimer, „Hanauer Urkundenbuch", I, 101.

Heide z. B. hieß im Altertum Magetheide, die In­sel Helgoland Fositeland, Neumünster in Hol­stein Faldera, Annaberg in Sachsen Neustadt am Schreckenberge, Wilhelmsthal bei Kassel Amelgotzen (= Amalgozeshusum), Seligenstadt am Main Ober- mühlheim, Windecken bei Hanau Tetzelnheim, So­den bei Salmünster Stolzenthal, Brückenau Sin- nau, u. s. f. Ja noch in der jüngsten Vergangen­heit hat ein Vorort Berlins seinen seitherigen Namen Rirdorf mit Neuköln vertauscht.

Allein bei Mottgers-Olekares liegt eine Namens­änderung nicht vor. Vielmehr sind beide Namens­formen, so verschieden sie auch im Klang und Schrift­bild erscheinen, im Grunde genommen gleich; denn, wie Herr Pfarrer Noll zu Hofbieber bereits früher in diesem Blatt mitzuteilen die Güte hatte 2), hat sich die jüngere Form Mottgers aus der älteren Ot- kares organisch herausgebildet.

Allerdings stellt die Namensform Olekares eigent­lich nicht den vollständigen alten Namen dar. Dieser lautete vielmehr Otekaresdorf. Wir wissen dies aus einer Urkunde, nach welcher im Oktober des

g Jahrgang 1911, Nr. 14, S. 137.