Einzelbild herunterladen
 

Seite 174 ^o^c^^^x^s^^^^^ Unsere hfeimat ^^^^^r^^^c^^n^ß^ Nr. 3/4

merkung:Bald bin ich von Frankfurt, bald von Fulda, je nach den Leuten, mit denen ich, zu tun habe, denn wer weiß, wo Schlüchtern liegt? Und da bin ich denn gleich«, wenn ich z. B. Welt- oder Ordens­geistlichen sage, das; ich« von Fulda bin, ein gemachter Mann, ja sogar ein gefeierter. Da fragt man nicht, welches Glaubens ich« bin; da versteht es sich« von selbst, daft ich katholisch bin und daß ich eine Reliquie vom heiligen Bonifatius bei mir trage, und daft ich von den guten Aebten von Fulda den Segen be­kommen habe."

Die Rückreise von Wien ging über ben Gemmering, Mürzzuschlag, Eraz, Planina, Adelsberg, Triest. In Triest beabsichtigte Leblanc dem Paten seines Sohnes Felix, dem Fürsten Bacciocchi, Schwager Na- poleon's I., seine Aufwartung zu machen. Der Fürst war abwesend. Doch« konnten die Reisenden sein Besitztum besichtigen.

Die Villa des Fürsten (Campo Märze genannt) liegt «auf einer Anhöhe, nicht weit von der Villa des Exkönigs von Westfalen, Hieronymus, und« bietet einen prächtigen Blick auf Stadt, Hafen, Meer und Gebirge. Im Innern des Hauses erinnert alles an Napoleon. Zahlreiche Porträts, Statuen, Büsten, Bilder und Souvenirs der Napoleoniden. In der Kapelle die Gruft der 1820 verstorbenen ältesten Schwester Napoleons I., Maria Anna Elisa, Fürstin von Lucca und Piornbino, Eroftherzogin von Tos- cana, der Gemahlin des Fürsten Bacciocchi".

Da Leblanc hörte, daß der Fürst auf seiner Herr­schaft Canale am Isonzo, 4 Stunden oberhalb Görz in den Iulischen Alpen, weile, beschlotz er ih«n dort aufzusuchen.

Ausführlich« betreibt Lotich die Fahrt dorthin durch die zerklüftete Karstlandschaft nach Monfalcone und von dort den Isonzo hinauf nach Görz. Da, wo seit Kriegsbeginn die Kanonen donnern und eine blühende Landsch«aft in einen Schutt- und Trümmer­haufen verwandelt haben, schwelgte unser Landsmann vor 100 Jahren im Genusse all' der Naturschönheiten. Die Ortsnamen, die durch« die Kriegsberichte in unser «aller Mund waren und sind, kehren in seinem friedlichen Reisebericht häufig wieder, oft in einer politischen Perspektive, die zeigt, wie er nicht nur ein offenes Auge für die landschaftliche Schönheit, sondern auch einen klaren Blick für politisch,e Zu- kunftsgestaltung hatte.

Görz ist ein rechtes Grenzstädtchen, wo sich Deut- sches, Slawisch«es und Italienisches berührt und ge­sellt. Unweit von Görz kommt der Isonzo aus den Alpen hervor. Der Eingang des Tales, in das er hineinströmt, wirb von zwei hochragenden Bergen flankiert. Zwischen denselben fuhren wir hinauf nach, Canale. Wo die Bergzüge nur Platz für den Fluft lassen und die schmale Strafte, ist alles schroff und wild. Wo sie sich aber ein wenig zurückziehen und

eine Talweite entsteht, bald mehr, bald minder, Da ist auch die italienische Flur da, nur modifiziert durch die Verschiedenheit der Rasse, die darin wohnt und sie cultiviert. Die Ortschaften tragen lauter slavi- sche Namen, mitunter solche, wie man ähnlich,e weit im Norden und im Osten auf der Landkarte findet. Bei ihrem Schalle stellt sich« einem eher das Bild des Kaisers von Ruftland als das des Kaisers von Oestreich vor's Auge. Daft die Slaven bis an den Spiegel der Adria und bis auf die Terrassen ber großen italienischen Ebene ihre Sitze aufschlugen, ist auch« für die Zukunft beachtenswert, und wer weift, was einmal nolch alles daraus werden kann!

Der Marktplatz von Canale liegt unten am Isonzo am Berghange, hoch droben, liegt das Schlaft des Fürsten, welches früher den Coronini *) gehörte. Wir wurden sehr freundlich ausgenommen. Der Fürst pflegt mit seiner Umgebung hier den heiftesten Teil des Sommers zuzubringen. Das Schloft ist grade nicht prächtig, aber sehr romantisch. Die Herrschaft erstreckt sich weit und breit und zählt ca. 10 000 See­len. Das Hoheitsverhältnis ist natürlich ein feudali­stisches, aber noch lange kein dynastisches. Grund­zinsen, Fronen muft der Bauer entrichten und« ver­richten. Er ist aber Eigentümer seines Grunds und Bod«ens und kann nur dann gezwungen werden, seinen Hinteren «aus die Bank zum Schlagen zu legen, wenn er sich vergangen hat, und nach, Urteil und Recht.

D«er Neffe des Fürsten führte mich, auf den köst­lichen Terrassen der Bergwand herum, die von- grünben, Sturzbächen, Wäldchen unterbrochen wer­den. Allenthalben überhängende Felsen, Höhlen und Grotten. Dazwischen Rebpflanzungen, herrliche Nuft-, Aepfel- und Birnbäume. Kultur und Wildnis durch­einander. Mich hat das alles außerordentlich ent- 3üdt, nicht zum mindesten die malerisch, dazwischen zerstreut liegenden Slavenhütten. Wir blieben zur Nacht. Bis nach, Mitternacht unterhielt ich, mich, mit Herrn Hofer, dem Zeichenlehrer, der ein Steiermär- ker ist und mir daher eine Fülle Topographisches mitteilen sonnte. Auch den anderen Tag, an dem mir die Tochter des Fürsten, Prinzessin Napoleone, viel von ihren Reisen erzählte, blieben wir noch. Es hatte viel Zuredens gekostet von feiten des Für­sten, daft wir noch einen Tag zugaben. Herr Leblanc hatte es wieder einmal eilig. Eilig hat er es näm- lich immer, wenn der Reisewagen sich herumgedreht hat und« die Deidjfel heimzu steht. Der Fürst be­gleitete uns auf der Weiterreise bis nach« Villa Vicentina bei Aquileja, seiner zweiten Besitzung im Isonzotal."

Am 12. Oktober kamen die Reisenden wieder in Florenz an.

Fortsetzung folgt.

y Römisches Adelsgeschlecht.

Von den Ortsgruppen des Helmatdundes. - Bericht aus Bad Soden.

nachdem im Oktober 1916 auf Antrag durch Magistrats­beschluß die Stadt Soden dem Heimatbund beigetreten war und einige Mitglieder an der am 5. Nov. stattgefundenen Versammlung des Heimatbundes in Schlüchtern teilgenommen hatten, wurde in den Monaten Dezember und Januar dem Beschluß dieser Tagung, Kriegsheimatabende zur Gesinnungs- pflege an der Bevölkerung in ernster Zeit abzuhalten, auf verschiedene Weise Folge gegeben.

Herr Bürgermeister Radke unternahm es mit bestem Erfolg an Sonntagnachmittagen mit Männern und Frauen im Kurhause kriegswirtschaftliche Fragen in aufklärender Weise zu besprechen.

Herr Dr. Strünckmann krachte dem Gedanken der Zu­sammenkünfte wärmstes Interesse entgegen und schlug die Mitwirkung des Volksbildungsvereins, Rhein-Mainischer Verband, zu größeren Veranstaltungen vor. Da in Soden.