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Seite 168 ^^^^^i^^^^^i^^ Unsere

Heimat ^^^^^t^r^^^^^ß^

Nr. 3 4

bedrängt wurde, floh er nach Kärnten, wo er tm Jahre darauf, ohne sein Bistum wieder gesehen zu haben, starb.

Schließlich. ist noch eines ausländischen Herrschers zu gedenken und biesmal eines Italieners. Es ist Herzog Cosimo II. von Toscana (16091620), der Dierte Herrscher dieses Gros;Herzogtums aus dem berühmten Florentiner Hause der Medici. In stolzer, fast herausfordernder Haltung, vollständig gerüstet und die Zackenkrone auf dem Haupte, erblicken wir seine Haibfigur auf der Münze. Seine Wirksamkeit erstreckte sich besonders auf die See, wo er der ros- canischen Flagge überall Achtung zu verschaffen wuß­te ; doch blühten auch, wie bei seinen Vorfahren, unter ihm Künste unb Wissenschaften. Im Jahre 1737 erlosch das berühmte Florentiner Geschlecht. Das Herzogtum Toscana fiel an den Herzog Franz Stephan von Lothringen, den Gemahl der Kaiserin Maria Theresia von Oesterreich unb späteren Kaiser Franz I. Der Hausorden der Herzöge von Toskana war der am 15. März 1561 von Cosimo I. zur Be­kämpfung der Seeräuber und Verteidigung des Glaubens gestiftete Orden des heil. Stephan. Er bestand in einem 8spitzigen Kreuz mit Krone und Lilien in den Winkeln und wurde am Halse getragen.

Wir sind am Ende unserer Ausführungen, die nur den Zweck verfolgen, den Lesern dieses Blattes

von dem Funde der alten Münzen im heimatlichen Boden Mitteilung zu machen und sie ihnen durch Beschreibung und Erklärung etwas näher zu bringen. Sind sie doch dadurch, daß sie fast 300 Jahre lang in der heimatlichen Erde geschlummert haben, trotz ihrer Herkunft aus allerlei Landen zu kleinen Denk­mälern unserer Heimat geworden. Wenn einzelnes ihrer Umschriften unb manche andere Kleinigkeit noch unaufgeklärt haben bleiben müssen, so bittet Schrei­ber dieses, es damit entschuldigen zu wollen, daß er, bevor ihm dieser Münzfund vor die -Augen gekom­men ist, säum je eine alte Münze in den Fingern ge­habt hat und daß ihm nur wenige geschichtliche Schriften aus dem eignen Bücherschrank und der Weitzelschen Büchersammlung als Hilfsmittel für die Deutung der Münzen zur Verfügung gestanden haben. Um so dankbarer ist er daher für einige wertvolle Winke gewesen, die ihm Sammler von Münzen in Frankfurt a. M. und Gelnhausen in. freundlichster Weise haben zu teil werden lassen.

Sollte einer oder der andere Leser dieses Blattes in der Lage sein, die noch bestehenden Lücken in der Auflösung der Umschriften der Münzen auszufüllen oder falsche Auffassungen zu berichtigen, so sollen seine Mitteilungen jederzeit dankbar entgegen - genommen und in einem späteren Nachtrag verwer­tet werden.

Die mistet

'YTXenn wir jetzt an einem schönen Wintertage, wenn Wald und Fluh schlafen und von dem großen weißen Tuch bedeckt sind, die Breitenbacher Straße entlang gehen und uns dabei die umgebende Natur etwas ansehen, werden wir auf einigen Apfelbäumen die kleinen grünen Büsche der Mistel (Viscum album L.) unter der Schneedecke heroorlugen sehen. Und wenn wir dann oberhalb der Eisenbahn den ersten Weg links einschlagen, werden wir zwei alte Apfelbäume finden, die 10 und noch mehr große und kleine Mistelpflanzen tragen. Wir werden staunen über das zarte Grün der Blätter und Zweige und das durchscheinende Weiß der Früchte, über die Abwechslung, welche die Misteln in die tote Natur hinein­bringen, und werden uns darüber freuen.

Die Besitzer der Apfelbäume werden mit anderen Gefühlen die Mistelsträucher betrachten! Wissen sie doch, daß die Mistel eine Schmarotzerpflanze ist, die den Aesten der Bäume Nahrung entzieht und sie sogar zum Absterben bringen kann. Es lohnt sich vielleicht, das Leben und die Entwick­lung dieser eigenartigen Pflanze näher kennen zu lernen.

Erst im Winter, im Monat November oder Dezember, reifen die weißen, erbsengroßen Beeren. Sie sind im Innern außerodentlich klebrig und schleimig und dienen unseren Vögeln, besonders Drosseln, von denen eine Art deshalb sogar den Namen Misteldrossel bekommen hat, gerne als Nahrung. Jede Beere enthält meist einen Samen. Dieser wird von dem Vogel, da er unverdaulich ist, durch den Schnabel wieder ausge- worsen oder er verläßt in noch keimfähigem Zustande den Verdauungskanal oder er wird beim Abwetzen der klebrigen Beerenteile mit dem Schnabel an Zweige geschmiert, wo er haften bleibt. Eine zerrissene Beere kann auch am Gefieder des Vogels kleben bleiben und kann von diesem beim Durch- schlllpfen zwischen den Aesten an diesen abgestreift werden. Ist der Samen auf diese Weise auf den Ast eines Baumes übertragen und durch den schnell eintrocknenden Schleim be­festigt worden, beginnt er, wenn Licht und Wärme vorhanden find, zu keimen. Das klebrige und am Ende verbreiterte Keimwürzelchen legt sich fest an die Baumrinde an und treibt eine Senkerwurzel, welche bis in den Holzkörper des Zweiges eindringt. Im nächsten Jahre entspringen rechtwinklich der Senkerwurzel eine oder mehrere grüne Wurzelstränge, welche in und unter der Rinde des Nährastes verlaufen und deshalb Rindenwurzeln genannt werden. Diese entwickeln auch wieder senkrecht nach unten kleine Senkerwurzeln, denen wiederum Rindenwurzeln seitlich entspringen. Da die Mistel Wasser und Nährsalze ihrer Wirtspflanze entzieht, wird der mistel-

tragende Ast nach und nach verkümmern, eintrocknen und sein Laub verlieren. Solange sie jedoch in nicht zu großer Zahl auftritt, ist der Schaden kein erheblicher, den sie anrichten kann. Deshalb soll man sie nicht zwecklos vertilgen und ihr auch ein bescheidenes Plätzchen gönnen.

Gleichzeitig mit der Entwicklung der Wurzeln geht auch die die Blätter und Zweige vor sich. Beide sind grün. Die Pflanze kann demnach, wie die anderen grünen Pflanzen, die zu ihrer Entwicklung nötigen Baustoffe selbst bilden. Die Zweige teilen sich mehrfach gabelig, sodaß schließlich ein kugelig gestalteter Busch entsteht, der bis zu 1 Mtr. Durch­messer erreichen kann. An den Enden der Zweige sitzen paarweise die grünen, kahlen, ledrigen, länglichverkehrteiför­migen bis breitzungenförmigen, überwinternden Blätter. Zwischen den obersten Astgabeln erscheinen im Frühjahr zu drei bis fünf die kleinen, unscheinbaren Blüten. Die Mistel ist zweihäufig: auf der einen Pflanze sind nur Blüten mit Staubblättern (männliche Blüten), auf der anderen nur solche mit Fruchtknoten und Narben (weibliche Blüten), vorhanden. Die Uebertragung des Blütenstaubes auf die Narben, die Befruchtung, erfolgt im Herbst durch Insekten. Männliche und weibliche Blüten enthalten Honigdrüsen und locken durch ihren orangenartigen Geruch Fliegen an, die die stacheligen Staubkörner zu den weiblichen Blüten übertragen. Jetzt kann sich die Frucht, diese weiße Beere, entwickeln.

Die Mistel gehört bei uns, in Deutschland, wie soviele andre Pflanzen, zu den aussterbenden Pflanzen. Der Mensch hält sie für schädlich und duldet sie deshalb nicht mehr. Und er hat auch heraus gefunden, daß sie sich zu Geld machen läßt, daß dervornehme" Großstädter die englische Sitte, am Weihnachtsfeste Mistelbüsche an die Stubendecke und über die Türen zu hängen, schnell nachmacht und diese deshalb gut bezahlt. Im Kreise Schlüchtern ist die Mistel noch überall auf Obstbäumen, besonders Apfelbäumen, anzutreffen, besonders in der Nähe der Wälder. Hoffentlich bleibt diese Pflanze, die wie jede andre ihre Daseinsberechtigung hat,, auch dem Kreise erhalten.

Die Mistel spielt infolge ihrer eigenartigen, höchst wun­derbaren Lebensweise in der Sagenwelt der alten Römer, der Kelten und unserer Vorfahren, der alten Germanen, eine große Rolle. Nur mit Hilfe eines goldenen Reises, das er mitten im Walde hoch auf den Bäumen suchen muß, kannAeneas in die Unterwelt eindringen. Bei den Kelten galten die Misteln als hochheilig. Sie wurden um die Zeit der Sonnen­wende eingesammelt. Ein weißgekleideter Priester (Druide)