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Seite 160 i^c^c^t^i^si^!^!^ Unsere Heimat c^^^^c^c^c^^c^c^c^ßs Nr. 3/4

haben mittlerweile gehört, welche große Freude unsre Sendungen in den Städten gemacht haben, und im nächsten Blatt soll auch davon die Rede sein. Daß keine ungeschmälerte Freude diese Sache begleiten wird, ist vorauszusehen, und zu erwarten, daß man von irgend einer Seite auf sie einspuckt. Wir s'nd sogar neugierig, zu erfahren, wer diesmal Gegner sein wird. Denn es lastet in dieser wirren Zeit auf allen guten Absichten das Mißtrauen, die Verdäch- tigung wie ein Fluch. So kann's z. B. kommen, daß plötzlich auf einmal einer meint und seine Meinung sogar nod) in das Mäntelchen der Barmherzigkeit mit den Allernächsten hüllt:Ist es nicht eigentlich unvorsichtig oder gar unrecht, soviel Lebensmittel aus dem Kreise hinauszuschicken?" Dabei weiß er ganz genau, daß es in den Städten naturgemäß heute viel schwerer sein muß, die Massen dur-chgu- bringen, die keine Scholle Land ihr eigen nennen. Es ist aber auch nicht unmöglich, daß auf der andern Seite der Herr Neiding oder die Frau Niedertracht folgern:Da sieht man's, wo noch Vorräte stecken, die nichterfaßt" sind." Dessenungeachtet wissen die beiden ganz genau, daß unser Kreis nicht zu den reichen gehört und unsere Kinder alles sozusagen handvollweise" zusammengetragen haben. Das alles soll uns aber nicht irr machen, sondern nur an­stacheln, unser Sammeln, wenn's sein muß, auf dem Gipfel der Not des 3. Kriegsjahres noch einmal zu wiederholen, weil wir frohe, dankende Kinveraugen sehen, die alles Verdrossenwerden überWiderliches" hinwegleuchten. Und wenn wir verhungern müß­ten, was Gott verhüten wird, so wollten wir auch dann unser letztes Stücklein Brot erst noch schnell mit dem kranken Nachbar teilen; weils besser ist, so in die Ewigkeit zu gehen als wenn man das letzte Stück nur sich selber gegönnt hat. Der Teufel" aber sollte, anstatt den Menschen das biß- chen Ueberschuß an MitsüZen, das zwischen seinem Unkraut in dieser Zeit ausgewachsen ist, zu verder­ben, lieber das verwünschte Mißtrauen holen, das alles vergisten will und in jedem Menschen und jeder Tat nur Böses wittert. Dadurch wird ja alles Schöne mit Schmutz beworfen, alles Gute verhunzt, Großes heruntergezerrt, Wohltunsogar unmöglich ge­macht. Es ist zum Toltwerden, was die Mäkelsucht alles anrichtet! Da ist z. B. ein Reicher, der in dieser Notzeit sich als ein Wohltäter rechter Art zeigt und große Summen wirklich opfert. Doch weckt das nicht schuldige Dankbarkeit, sondern nur oas kühle Echo :Er hats ja dazu! Wer weiß, warum er's tut ?" Tut er aber nichts, so soll einer den Geifer sehen ! Was soll denn nun solch' ein Unglücks­mensch eigentlich tun? So hat's a so daheim während der beiden Berichtsmonate wenig Neues gegeben. Unter den Zeitsorgen hat die Kohlenfrage während der Kälteperiode im Vordergründe gestan­den, und die ist gewichen, als auch das Seminar schloß und die Stadt dessen Vorräte für die All­gemeinheit übernahm und für Braunkohlenlieferung aus dem Eimer Bergwerk sorgte. - Es ist recht still daheim.; alles lauscht auf den Schritt der Welt- geschtchle, Der von ferne her bis in unsern Bergwin­kel hallt. Mit Hast greift alles nach der neuesten Kunde von den Kampfplätzen und aus den Diplo - matenstuben. Die 6. Kriegsanleihe ist unterwegs; wir dürfen nicht daran zweifeln, daß sie denselben Erfolg haben wird, wie ihre Vorgängerinnen. Es

wäre Narrheit und noch Schlimmeres, zu zau­dern, wenn sie naht. Von Zeit zu Zeit ruft der Landrat die Männer aus dem Kreise zusammen, auf welchen die Verantwortung für die einzelnen Gemein­wesen lastet, um mit ihnen zu besprechen, was die nächste Zukunft von der Heimat an neuer Arbeit, Umschau und Vorbereitung fordert. Das Vereins­leben der Friedenszeit ist fast völlig eingeschlafen. Anderes ist an seine Stelle getreten. Rotes Kreuz,, Vaterländischer Frauenverein leisten wichtige Arbeit. Der eifrige Kolonialverein verunstaltete eine zweite gut besuchte Versammlung. Im Auftrag des Hei­matbundes hält Herr Straßenmeister Lüders, von eigenem Erleben berichtend, wirkungsvolle Vorträge überOstpreußens Not" in allen Teilen des Kreises, der ja dieKriegspatenschaft" von Stallupönen übernommen hat. Doch hatt! Fast hätte ich ver­gessen, etwas zu bemerken, was unbedingt auch ein­mal gesagt werden muß. Es soll eine Warnung sein vor - allzugroßem Vertrauen in die Lei- stungsfähigleit der Stadt- und Kreisverwaltung. Wie ich das meine, möchte ich an einem Beisp'el klar machen und nehme als solches die Kohlenver- sorgung im Winter. Als viele Einzelne alles ver­braucht hatten, sorgte die Stadt. Das war schön, sehr schön sogar! Aber es liegt auch eine Gefahr darin verborgen, die sich auswirken wird und muß, wenn etwa nun im kommenden Sommer eine größere Anzahl von Familien, die sich seither selbst für ihren Winterbedarf sorgte, diese Sorge in Zukunft auf die Stadt werfen würde. Auf den Gedanken, das zu tun, könnten vielleicht in Verärgerung gerade solche kom­men, die von ihrem schönen Vorrat in den Tagen des Mangels haben hergeben müssen. Wenn das aber geschehen würde, würde der Stadtverwaltung eine Aufgabe zugewiesen, der sie nicht gewachsen ist, ja es würde dann selbst ihre Hilfe inNohällen in Frage gestellt. Geradezu ein Verbrechen bei den gegen­wärtigen Zeitläuften würde es auch sein, wenn je­mand den Kartoffelanbau einschränken würde, von dem Gedanken geleitet:Der Kreis sorgt schon für das Fehlende, wenn ich auch! diesmal nur meinen eigenen Bedarf erziele." Was das für Folgen haben würde, kann sich ein einigermaßen Einsichtiger wohl selbst klar machen. Möge man darauf achten, daß Heuer kein Acker brach liegen bleibt! Es darf nicht sein! Wenn morgen der Friede käme, würde ein Einschwenken in die alten Geleise noch lange un­möglich sein! Und mit gar manchem wird das le­bende Geschlecht wohl nie wieder in dasselbe kom­men. 1917 wird die Entscheidung bringen. Sie kann nur gut ausfallen, wenn die durchs die blutende Mauer umhegte Heimat auch! das Ihre tut. Es besteht darin, das Verbrauchen auf das äußerste ein- zuschränken und das Erzielen des Bodenertrags auf das höchste zu steigern. Flg. fest ins finge blicken sollen wir der großen Zeit, ihre Furchtbarkeit und ihre Herrlichkeit sollen wir verstehen, damit wir uns zu ihrer Höhe erheben und ihren heiligen willen voll­bringen können.

<Z 7N. firnbt

(Geist der Zeit 111.)