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Nr. 1/2 c^^^^c^i^mmc^^c^c^ Unsere fjeimnt ß^ß^ß^ß^ß^ß^^ß^^c^ß^ß^ Seite 147

Eine herzliche Sitte an alle Schulkinder des Kreise# Schlüchtern,

9lun gebt einmal hübsch acht und tut die Ohren und die Herzen auf: Ihr sollt euren Altersgenossen und den kleinen Kindern in den Städten Hanau und Frankfurt eine rechte Freude machen. Daß ihr das gern tut, wissen wir; denn wir kommen ja von Weih­nachten her und ihr alle seid wohl geborgen daheim, und eure Mütter freuen sich noch alle, wenn ihr Hunger habt. Ihr habt ja auch alle durch den Krieg schon gelernt, daß Latwergebrot so gut schmeckt wie Butterbrot und Bohnen- und Erbsensuppe feine Sachen sind. Aber in den großen Städten gibt es viele arme Kinder, die haben nun schon lange ihr Stücklein Brot, für das ja, Gott sei Dank, immer gesorgt werden konnte, ganz trocken essen müssen, und gar manchmal sagen sie:Ja, Mut­ter, wir sind satt, aber, roenns sein müßte, könnten wir schon noch etwas vertragen". Und dann haben sie gehört, daß ihr euer Brot meist so hübschgeschmiert" eßt und in diesem Jahr so reich­lich Aepfelschnißen und Zwetschen habt dörren können, alles Dinge, die, wie ihr ja wißt, den Kindern so gut schmecken, und ihr könnt euch vorstellen, welch' ver­langende Augen sie machen würden, wenn sie euch manchmal zusehen könnten, wie's euch schmeckt und die Mutter euch den Willen tut, wenn ihr bittet: Noch eins!" Ihr wißt ja, daß in den großen Städ­ten bei den armen Kindern gerade das, was euch so gut schmeckt, knapp geworden ist, ja längst fehlt. Wir wollen und mögen jetzt darüber weiter nichts reden; aber ihr glaubt uns schon, wenn wir euch sagen, daß sieverlangende Augen machen". Und wenn ihr das seht, schmeckt's euch sicher nicht mehr recht, wenn ihr nicht ein wenig mit ihnengeteilt" habt; denn es sind ja eure deutschen Brüder und Schwestern. Darum haben wir gedacht, wir sollten euch einmal bitten, nach-

zusehen, ob nicht bei euch daheim allerlei Eßbares, womit ihr armen Kindern in Hanau und Frankfurt eine große Freude machen würdet, doch noch zu ent­behren ist. Ein wenig Latwerge, ein Gläschen Gelee, getrocknete Zwetschen und Aepfel und dergleichen, vielleicht auch anderes von dem Vorrat, den eure Eltern haben behalten dürfen (aber laßt die Mutter zugreifen!), seht, das wäre so was ! Vielleicht wäre hie und da sogar ein wenig Butter oder Fett zu finden, wenn ihr 'mal sucht und bittet oder gar 'mal auf den Brotaufstrich zugunsten der Großstadt­kinder nur für einige Tage verzichtet. Nur ein wenig aus allen Häusern der Dörfer und Städtlein unseres Kreises würde sich, wenn ihr's zusammentragt, schließ­lich gar stattlich ausnehmen. Aber ohne euch, ihr Kinder, geht's nicht. Ihr müßt das machen und zwar an einem Tage, den wir euch durch eure Herrn Lehrer noch mitteilen werden. Diese werden alles gewiß gern sammeln und dann direkt an solche Leute in den Großstädten senden, die ganz sicher alles an's rechte Ziel bringen. Wir bitten euch, auch euern Herrn Lehren zu sagen, daß sie nicht böse darüber sein sollten, daß wir sie nicht vorher benachrichtigt haben; es war keine Zeit mehr dazu da. Also nun 'mal frisch an's Werk! Wenn ihr etwas Ordentliches fertig bringt, gibt's frohe Kinderaugen und dankbare Mutterherzen dort, wo eure Gaben hinkommen, alle guten Menschen werden sich freuen, und in andern Landkreisen werden die Schulkinder eurem Tun sicher nachfolgen. Und die Großstadtkinder können nie sa­gen, ihr hättet sie in den Tagen vergessen, ihre Väter, die draußen mitkämpsen, werden sich über euch freuen. Und unser Vater im Himmel wird euch und 'euren Eltern vergelten durch Heimatfrieden!

Der freimatbund.

<§m Sries aus dem Vereinslazarett 1 in Schtüchtern,

Lieber Freund!

£Zeit meiner Verwundung vor Verdun haft Du von mir nichts mehr gehört. Ein paar Monate find seitdem verflossen! Sei nicht böse, wenn ich erst heute an Dich schreibe; aber Du weißt ja, daß ich mich zu einem längeren Briefe nur schwer entschließe. Erst, wenn ich eine größere, nachhaltigere Reihe von Eindrücken in mich ausgenommen habe, erst dann bietet mir das Schreiben einen Genuß.

Als ich aus dem Lazarettzug an einem herrlichen Mai­abend in Schlüchtern ausstieg, da kam mir wie anderen Ka­meraden zuerst der Gedanke:In welchem Neste bist du denn da gelandet?" Da standen wir, ein Häuflein Verwundeter, beschmutzt von oben bis unten, mit zerfetzten und blutigen Röcken, ausgeschnittenen Langschäften und harrten der kom­menden Dinge. Ein sreundlich aussehender Arzt nahte und musterte uns mit kritischem Blick. Ein Teil der Verwundeten, so hieß es, sollte ins alte, der größere ins neue Krankenhaus kommen. Schon fuhren einige Wagen heran, die uns vom Bahnhof an unser feit Tagen ersehntes Ziel befördern sollten!

Und nun ging es los! Die Fahrstraße bergab zwischen blühenden Bäumen und dort, dort öffnete sich eine Lichtung, dort lag in Ruhe und Frieden, vergoldet von den Strahlen der Abendsonne, lag Schlüchtern, im Tale, umgeben von waldigen Bergen! Bald fuhren wir in die Stadt ein; aus

allen Fenstern grüßten die Einwohner, manch freundlicher Blick aus schöner Iungfräulein Auge fiel auf uns arme Ge­sellen. Jetzt noch eine kurze Biegung und da stieg es stolz vor uns auf: das Heim, das uns für einige Zeit zur Heimat werden sollte, das Kreiskrankenhaus, im Kriege Vereins­lazarett 1!

Ich will Dich damit verschonen, Dir die ersten Stunden des Empfangs zu schildern! Genug, wir wurden nach wie langer Zeit gebadet, gewaschen, für die hungrigen Mägen stand bald in Hülle und Fülle ein feines Nachtmahl bereit. Und dann ging es in die lang entbehrten Betten, in denen man sich endlich ausschlafen konnte.

Am nächsten Tag wurden wir von Herrn Unteroffizier Gutermuth auf Herz und Nieren geprüft, dort wurden wir befragt nach. Nam' und Art, woher der Fahrt! Und dann kamen die Untersuchungen durch Herrn Sanitätsrat Dr. Stern; es nahten schmerzliche Augenblicke, wenn die Sonde des Arztes den Sitz des Geschosses suchte! Wir wurden in das Roent- genziminer gebracht, und bald zeigte Schwester Katharina dem staunenden Blicke eine Photographie, auf der der Bringer bitterer Schmerzen" deutlich zu erkennen war.

Tag um Tag verging, Verbände, Untersuchungen; schließ­lich bekam man eines schönen Vormittagsmal was zn riechen" und als man nach geraumer Zeit die Augen aufschlug,