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Wenn uns ein solches Geschöpf gleichsam schützend mit seinen Armen umschlingt, dann vergißt man aLeg, da lauscht man nur dem Geläut des Herzens".
Ein paar Tage später am Neujahrsabend: „Man putzt mich heraus mit Gold und Diamanten, und Lena, die prächtig schöne Jungfrau, schmückt mich mit Blumen, mit himmlischen, unverwelklichen. Ich mußte Punsch aus ihrem Glase trinken; dann drehte sie es herum, um da zu schlürfen, wo mein Mund geheftet. Es war mitten in einer zahlreichen Gesellschaft, wo man sich- wohl den Blicken und Ohren entziehen kann, doch nur bis auf einen gewissen Punkt. Allein das schien sie wenig zu kümmern. Es schien, als ob sie es selbst vor Zeugen getan haben würde. Als man sich trennte, gab idj ihrer Mutter den Arm, sie an den Wagen zu führen. Lena hing sich an meinen anderen Arm, und als sie einstiegen, zuerst die Mutter, da sagte diese: „felice notte, Monsieur Lotti!" dann Bettina (Lena's Schwester): „notte felice, Lotti!" dann Magdalena flüsternd: „addio, carissimo, addio!" unb sie drückte mir die Hand. Darauf stieg ich langsam die Treppe wieder hinauf, seufzend unter der Last Glückseligkeit. —
.... „Großer Ball bei uns. Mehr als 150 Personen. Lena, Bettina und die Marchese Mozzi waren die Göttinnen. Vier Säle strahlten in Licht und Glanz. Herr Leblanc hatte eine Menge Engländer und wenige Engländerinnen geladen. Letztere zeichneten sich durch ihre barocke Toilette aus, erstere durch ihre Gefräßigkeit und Sauferei während des warmen Soupers, welches um Mitternacht serviert wurde. Champagner, Marsala verschwand in Hülle und Fülle vor den Albionssöhnen. Nach dem Souper ward von neuem getanzt. Ich hatte Magda- lena eine Rose gegeben. Bald bemerkte ich ihr Fehlen. „Wo ist die Rose?" „Ich fürchtete, sie zu verlieren, und da habe ich sie gegessen". Als ich ungläubig den Kopf schüttelte, rief sie: „Bei Gort! Ich habe sie gegessen".
Einige Tage darauf brächte mir Lena die Weise, nach welcher wir zusammen getanzt hatten. „Ich habe sie aufgesetzt, damit du sie zuweilen spielen kannst. Dann denke an mich! Ich werde an dich denken, wenn ich traurig sein werde, ach! und traurig werde ich immer sein". Die Tränen standen ihr in ■ en lieben Augen, als sie das sagte. —
Das Verhältnis Lotich's zu Magdalena Coppi war mehr als eine flüchtige Tändelei. Lotich verkehrte viel in dem befreundeten Hause. Er wurde von den Eltern ausgezeichnet. Man scheint auch eine Verbindung erwogen zu haben. Aber das Erwägen warf Schatten auf das junge Glück. Sollte Lotich dauernd in Italien bleiben? oder sollte Magdalena ihm nach Deutschland folgen? Man sah wohl auf beiden Seiten die Schwierigkeiten, die sich einer Verbindung entgegenstellten. Aber bitterschwer ward's den Liebenden, sich- in den Verzicht auf einander zu finden. Man kann das aus folgender Aufzeichnung herauslesen :
„Ich nahm Anhand, Lena zu besuchen. Sie ließ mich aber so oft und so dringend bitten, daß ich hinging. Sie flog mir entgegen, schloß mich in ihre Arme und hielt mich fest. Die Mutter und Schwestern kamen, und jede setzte sich, um je an einem Hemde zu arbeiten. Ich flüsterte ihr zu, ob solches nicht zu fein sei für ein so kaltes Land, „unglücklicher", fuhr sie wie in Flammen auf und stieß
mir tief ihre Nähnadel in den Arm, daß das Blut hervorquoll. Sie sog mein Blut mit dem Munde, als wollte sie ihre lechzenden Lippen kühlen, und sie verband die Wunde mit einer Sorgfalt, als wäre sie lebensgefährlich. Und dabei rollten ihr die Tränen die Wangen herab".
Florenz im Mai: „Gern", so erzählte sie, „speisten wir bei Kleiber (Compagnon Leblanc's, Mit- pächter der Florenzer Tabakregie). Da kamen Sänger, den Mai zu besingen, wie es hier gebräuchlich ist. Kleiber gab einem derselben auf, von einer toscanischen Jungfrau zu singen, die bald ein Pole heimführen werde. Der Sänger beschrieb nun die Schönheit unseres Landes, die Schauer des Nordens, die Trennung. Ich konnte nicht mehr zuhören, wandte mich ab. Mein Vater schluchzte. Der Sänger selbst schien ergriffen, denn sein Gesicht war blaß, und das Feuer seines Sanges war wie eine Flamme, die über die Fluren schlägt, vom Sturme getrieben. Seitdem befinde ich mich nicht wohl."
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Dr. Philipp Leonhard Marios Lotich.
.....Ich führte sie nach Belvedere. Nie lag schöner das Land umher. Die Sonne ging unter. „Wie glühen", rief sie, „die Fenster, in denen du zu stehen pflegst, wenn du in die Herrlichkeit meiner Heimat schaust. Welche Flammen, die in die Schatten meines Herzens schlagen!" Und sie schlang ihren Arm um mich und atmete lang an meiner Brust. „Siehst du dort Lucreto?", hub sie nach einer Weile an, als ihre Schwestern kamen. .Dort ist unsere Villa, Wir werden morgen dahin ziehen." Da wirst bu uns besuchen. „Ja, ja" sagten die Schwestern „da besucht du uns, lieber Lotti! Versprich es uns!" Und ich mußte die Finger empor halten, und da sagten sie mir feierlich den Eidschwur vor. Ich sprach ihn nach Wort für Wort. Ich begleitete sie nach Hause. Sie wohnen in Borgo Pinti, ziemlich weit von hier. Ich- hätte gewünscht, daß sie noch tausendmal weiter wohnren. (Fortsetzung folgt.)