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wann mer net druffgucke kann, hört mer se schlage" meinte er. Er war ein großes Kind, mit klaren blauen Augen, breiter Stirne, hatte starkes, braunes Haar, das aber niemals in eine Künstlermähne aus- artete. Wer Boehle nicht kannte, konnte glauben, der stiernackige Mann mit der breiten Brust sei ein Fuhrknecht.
Er lebte so einfach und bescheiden wie der Landmann, stellte keine großen Ansprüche an's Leben, aber gute Bücher hatte er sehr gerne. Den Tabak liebte er, und sein kurzes Klötzchen dampfte von früh bis spät. Mit Vorliebe saß er beim Aepfel- wein, in den Heckenwirtschaften Sachsenhausens mit Gärtnern, Fischern und Leuten der harten Arbeit zusammen und plauderte mit ihnen, ganz wie einer von ihrem Schlage. Dabei zeichnete er zuweilen diesen oder jenen Gast, einen Tischnachbar, der ihm durch irgend einen besonders charakteristischen Zug gefiel. Und hier konnte man gewahr werden, welch ein vorzüglicher Karikaturenzeichner auch in ihm steckte.
Aller Zwang, alles Unnatürliche war ihm zuwider. Die Umständlichkeiten des Lebens und der Gesellschaft machte er nicht mit. „En Bauer mit em klare Kopp is mer liewer, als der Herr Stehkraache mit feim üwerzwerche Eebabbel; des Hochdeutsch mag idj net,
da bricht mer sich ja sei Zung im Maul ab. Ich babbel, wie mer der Schnawwel gewachst is". Es lag etwas von einem Einsiedler in seinem Wesen; aus Mangel an Gewandtheit und Schliff war er grao= aus, derb und rauhbürstig, doch innerlich eine gutmütige Natur. „Ich kann mich net in die schee Welt- apothek mit all ihre Schublade un Fächer einordne". Für die Zeiten des Mittelalters mit seinen Rittern und derben Bauern schwärmte Boehle sehr. Und so sehen wir auch in seinen Bildern immer wieder Rittergestalten und Bauersleute dargestellt.
In Emmendingen, im badischen Schwarzwald geboren, war Boehle von 4 Brüdern der älteste. Er lernte im Staedelschen Kunstinstitut zu Frankfurt am Main bei Professor Hasselhorst zeichnen. Der war ein guter Lehrer, der den Schülern in lebendigster und anschaulichster Weise die Freude am Zeichenunterricht erhielt. Hier wurde alles gezeichnet : Köpfe, Figuren, Tiere und Landschaften, ein unbegrenztes Gebiet, so weit und groß, wie das Reich der Kunst selbst. Mit 19 Jahren ging er nach München zu Wilhelm v. Diez, dem Maler, der mit Vorliebe Scenen aus dem dreißigjährigen Krieg malte und hierzu mag er selbst einmal zu Wort kommen. „In MAnche bin ich von Zeit zu Zeit zum Diez gange un hab em ganze Bündel Zaaschnunge
vorgelegt, die ich drauße in der Natur gemacht hab un in Pferdeställ. Der Diez hat e mal zu mer ge- fagt: „ Sie hawe ganz recht, daß Se für sich arweite un net mehr die Akademie besuche wolle, des daucht doch nix fter Ihr Art." Amal hat er mer so en nie messingerne Helm uffgesetzt, so e richtig verbeult Dippe un hat gesagt, Sie sin ja des beste Modell for en Strauchdieb; des war sehr schmeichelhaft für mich, dann so en richtige Stromer hat mer damals schon viel besser gefalle, als so en seiner Olwel mit eme gerollte Oferohr uff em Kopp".
Boehle zeichnete und malte altmeisterlich,, in der Art Albrecht Dürers und Hans Holbeins; klare Formen und sichere feste Umrisse überall. Besonders die Lithographien und Radierungen sind klar gezeichnet und daher im besten Sinne volkstümlich. Die heimatliche Scholle zieht durch alle seine Schöpfungen. So ein Ackersmann, mit dem kräftigen Schlag Pferden vor dem Pflug steht fest auf deutscher Erde, und heimatlicher Grund und Boden ist es. Sie muten uns auf den ersten Blick vertraut an. Mit den weni
gen Linien, die unser Bild mit dem pflügenden Bauer zeigt, ist ein gut Stück deutsches Bauernvolkstum gegeben. Es atmet Natürlichkeit. Hier sind Bauersmann und Pferde kein Vorbild mehr, sondern wirkliches Erlebnis. Boehle hat das alles selbst geschaut, draußen auf den Aeckern und Feldern, hatte selbst seine Freude daran und deshalb konnte er's auch so überzeugend im Bilde darstellen. „En Bauer uff em Feld, des is aach en wahre König".
Von großer Sachlichkeit und ruhevollem Behagen ist unser Bild mit dem alten Schmied. Fuhrmann