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Seite 142 i^iM^^^^^S^^^ Unsere Heimat c^c^^c^^^^^^c^^i^ Nr. 1/2

nur ehrbare und gewissenhafte Männer erwählen soll, die selbst als tüchtige Landwirte bekannt sind. Die­se Männer werden heute allgemein Preisrichter ge­nannt. Weitzel hatte ihnen nodj. andere Pflichten als die ihnen heute obliegenden zugedacht. Er wollte, daß in jedem Jahr auch ein Preis ausgesetzt würde für Verbesserungen in der heimischen Landwirtschaft, auch für gute Vorschläge und Funde auf dem Gebiete des Ackerbaus. Dadurch wollte er anspornen, den­kend zu arbeiten, weiterzustreben. Und die Prüfer, Berater und Förderer der Heranwachsenden uno selbständigen Landwirte, die auch 'mal draußen sich nach dem Fortschritt umfähen und der Heimat ver­mittelten, sollten seine Landbauältesten sein. Doch da fällt mir eine Bemerkung ein, die ich. beim besten Willen nicht unterdrücken kann. Sie bezieht sich' auf die geistige und fachliche Weiterbildung der jugend­lichen Landwirte gerade in der Kreishauptstaot. Jedes Dorf in Hessenland hat heute seine landwirt­schaftliche Fortbildungsschule, Schlüchtern eine ge­werbliche ; den Nachwuchs unserer Landwirte im Städtlein scheint man aber ganz vergessen zu haben Wenn das der alte Weitzel wußt'! Wodurch' ist doch Dänemark zum ersten Ackerbaustaat der Erde gewor­den ? Durch seine Volkshochschulen. An der Tat­sache beißt keine Maus ein Fädlein ab und auch, kein Unbelehrbarer, der das nicht erkennen kann, was ihm und' seinen Kindern heilsam ist.

Artikel 29 spricht vonpräparierter C i ch 0 r i e und Dinkel." 5 Gulden soll jährlich der haben, der die beste Cichorie, und ein gleiches, welcher von meisten gewandelten Dinkel verdebetirel hat." Wei­tzel scheint die Einführung oder den gesteigerten An­bau dieser beiden Erzeugnisse des holländischen Ackers in der Heimat beabsichtigt zu haben. Es mag oa- neben gelungen sein, denn selbst der heute zweiund- achtzigjährige Simon in der Wassergasse kann sich nicht erinnern, haft in Schlüchtern jemals Dinkel (Spelz) nicht zu verwechseln mit dem sich' häufiger findenden Dünkel gebaut worden ist, Cichorie erst recht nicht. Die Behauptung Weitzels, Dinkel sei nahrhafter und leichter verdaulich' als der ost- indische Reis, ist sicher richtig; aber seine Bemerkung, sein lieblicher Geschmack sei wohlbekannt", scheint mir ein wenig schalkhaft gemeint zu sein. Mir wenig­stens waren in meiner Kindheit die Dinkelsuppen- Zeiten Tage mit Gewitterneigung. Cichorie, die reichlich verbraucht wurde, erhielt ich damals in Jungs oder in derLuthrischul" auf den geäußerten Wunsch nacheinem Päckchen Deutschen". Sogar für Ci­chorie gab's aber auch damals mitten im Frieden schonErsatzmittel".Geschnitzelte Kohl", inKathrm- dorthe Backofen fein gedörrt, wurden in einem Mör­ser zu seinem Pulver zerstampft. Das gab dann mit demDeutschen" zusammen Kaffee. Ob sonst noch etwas dazu gemischt wurde, weiß ich. nicht, glaube auch nicht an die Ergründung solcher Geheimnisse. DerKaffee" schmeckte Ende der 70er und anfangs der 80er Jahre ungefähr so wie die staatlich zugelas­sene und veranlaßte Kriegs-Kasfeemischung von heute, und diese wiederum kommt mir besser vor wie die dem Küchenregiment überlassene Friedens - Mischung der letzten Zeit, die sehr wechselnd, war. Ich' sage das nur, bei allem Respekt vor meiner Schwä­gerin, um einen Beitrag zu liefern zu dem Guten, das der Krieg gebracht hat. Doch ich muß, ehe wir das Kapitel verlassen, unsern Alten noch einmal sel­ber reden lassen. Er meint:Unter der Regierung

vom Kaiser Napoleon kostete das Pfund Kaffee­bohnen in Amsterdam 2 Gulden. Das konnte nie­mand bezahlen. Da wurde Kunstkaffee gemacht von allerlei Art. Jeder erprobte etwas anderes. Es ist zuviel, um es aufzunennen, bis man endlich auf die kleinen weißen Bohnen kam. Die wurden braun gebrannt, zermahlen und mit Cichorie gemischt. Das gab einen guten Kaffee, einen kleinen Zuckerlöffel voll auf die Person gerechnet. Und gesünder ist er auch, denn die oft- und westindische Bohne hat eine hitzige Natur ,die das Geblüt wallig und dick macht. In der Provinz Friesland im Holländischen wird die Cichorienwurzel häufig gebaut, präpariert und in Amsterdam in kleinen pacetjes zu 2 Kreuzern ver­kauft. Das könnte in Schlüchtern auch getan werden. Ach, würden das doch' die Deutschen begreifen! Ueber eine Million Gulden jährlich blieben in Deutschland, die alle ins Ausland gehen. Nach eigener Bekannt­machung haben Antwerpen und Amsterdam im Jahre 1828 42 Millionen Pfund Kaffeebohnen nach Deutschland geschickt. Und dann der chinesische Tee, den wir doch, gewiß nicht nötig haben; denn daheim wachsen genug Kräuter wild, die einen Tee geben, der die Gesundheit mehr fördert und lieblicher schmeckt. Daß das nicht wahr sei, ist nur eine Einbildung. Man muß es nur probieren und dabei bleiben. Die Engländer liefern auch für viele Millionen Pfund Waren nach' Deutschland. Und dann noch die Fran­zosen mit ihrer verderblichen Modekrämerei! Aber was fragen die französisch geputzten Deutschen da­nach, daß dadurch so wenig Geld daheim bleibt, daß man die Tagelöhner nicht einmal ordentlich, be­zahlen kann. Sie haben ein ganz abscheuliches Sprich­wort, das heißt: Es ist nicht weit her! Das heißt doch': In Deutschland wächst nichts Gutes, Künste und' Wissenschaften verstehen wir nicht. Es ist ein Elend'! Möchten doch' die deutschen Landesregie­rungen solches bemerken. Ihnen wäre es ein Leich­tes, Gutes fördern zu helfen und Schädliches abzu- wehren."

Artikel 29. Vom Dinkel und der Cichorie springt unser Weitzel zur Musik. Neun Gulden be­stimmt er für Jünglinge, die mit dem Herrn Cantor fleißig Musik machen. Mäntel sollen sie dafür erhalten. Cantor und Organist sollen jeder jährlich vor Ostern 6 Gulden empfangen. Dafür sollen beide ihm aber einenHerzgefallen" tun, nämlich ein Lied daheim einbürgern, das am Geburtsfest des Heilan­desGott und dem Welterlöser zu Ehren immer uno immer gesungen werde möge." Er hat's in Holland zuerst gehört, hört's jährlich mit Tränen und schreibt's auf. Obwohl's Latein und Deutsch mische, sei es doch' so schön, daßman's immer wieder singen kann". Es ist Nr. 39 in unserem Gesangbuch. (In dulci jubilo.) Während seiner Schulzeit sei für den Gesangunterricht eine Stunde wöchentlich bestimmt gewesen, diese aber sehr unordentlich erteilt worden. Weitzels Anweisungen, wie man Singen lehren müsse, zeugen davon, daß er sich' um der Heimat willen auch auf diesem Gebiete umgetan. Er bittet drin­gend, daheim mehr dafür zu tun, Damit der Kirchen- gesang immerlieblicher" werde. Auch, die Mäd­chen möge man nicht vergessen. Auch Volkslieder seien zu empfehlen, wenn sie gute Sitte förderten. Man müsse Volkslieder schaffen, meint er, die Bauernar­beit und Kindertreue rühmen, und diefauligen Gesänge" meiden lehren, indem man zeige, daß das Reine auch am schönsten sei.