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Seite 140 m^vv^m^^^ Unsere kseimat c&^^^^t^^^^ß^^^ Nr. 1/2

könnten. Wenn im ganzen Vaterlande die Jugend­arbeit so einsetzt, dann müssen dich dauernde Se- genswirfungen zeigen ! Und doch : die Alten ! Im Geiste und unter der Leitung vomRoten Kreuz" sind für das Weihnachtsfest von den opferwilligen Frauen des Kreises Schlächtern 4000 Päckcken Lie- besgaben in's Feld geschickt worden. In diesen Ga­ben steckt nicht nur das, was den Tapferen draußen über Hunger, Durst u. Kälte hinweghilft, sondern auch ein reicher Schatz von Liebe undEuttätigkeit", von freundwilliger Arbeit und Opfersreudigkeit. Und auch diese Saaten werden aufgehen und auch! Früchte bringen. Für die von Anfang des Krieges an dauernd geleistete Arbeit und Hülfe imRoten Kreuz" brächte das Christfest von der Oberleitung Hans und- Anerkennung in Gestalt derRolekreuz- Medaille" an die Herren Sanitätsrat Dr. Stern und Kreisausschutzsekretär Schäfer und an die Damen Frau Fabrikant Viktor Wolf und Frau Brauerei - besitzer Wilhelm Thaler.

Die Weihnachtsseiertage selbst hoben sich! in Schlächtern auch burd), ein erfreuliches und allgemein begrüßtes Neue hervor: In zwei Gottesdiensten, am 1. Feiertag Abend und am 2. Feiertag Morgen, sang der vom Herrn Seminarmusiklehrer Gremmels geleitete Kirchenchor die alten und ewig neuen Weih- nachtslieder. Und am Abend des 1. Feiertags zog von 10 Uhr ab der Chor der Oberklasse der Seminar- Uebungsschule durch' einige Straßen der Stadt und sang an verschiedenen Plätzen ein-, zwei- und drei­stimmige Weihnachtslieder. So ist dieKurrende" des Mittelalters, ein lange verschüttetes Kleinod der deutschen Heimat, hier wie auch anderwärts in Hessen, wieder auferstanden. Dieses Kleinod darf nicht wieder der Heimat verloren gehen. Die Lie­der der Kurrende werden gewiß denAlten" besser gefallen als die gemeinen Gassenhauer, die man an den Abenden der Rolfen Feste häufig genug hören mußte, weil nur sehr wenige sich dagegen auf = lehnten; und werden hoffentlich auch-, wenn doch nun alles bei uns besser werden soll, feste und dauer­hafte Freundschaft mit der Jugend schließen. Wer, besonders welcher Heimatbündler, wollte an derEr- haltung dieser schönen, alten Sitte nicht mithelfen? !

Tüchtig geschlachtet hat man in der Heimat natürlich auch-, unb mancher und manche haben gemeint, etwas fetter schlachten zu müssen, um die Sendungen an die Lieben ins Feld nid)! einschränken zu müssen. Nun klingt es natürlich sehr beruhigend, wenn wir hören, daß unsere Kämpfer draußen alles vollauf haben, und daß darum diese Sendungen besser unterbleiben möchten; was natürlich! die mei­sten Mütter doch nicht hindern wird, wenigstens mal eine Wurst oder ein Stück Schinken hinauszusenden, weildas von daheim" schon ganz anders aus- sieht, duftet und fdfmedt als das von der Feldküche gelieferte. Wer das nicht einsieht, der darf nicht dreinreden. Aber Hindenburg unser Hin- benburg! hat ins Volk hineingerufen: Speck, Fett muß heran an die Schwer­arbeiter, an die Munitionsarbeiter, denn die leiden Fettmangel, daß sie ihr Maß Arbeit nicht liefern können!" Damit ist nun jedes Schlacht- schwein und jeder, der eins hat und in seinen Haus­halt schlachtet, eigentlich- in die Reihe der Munitions- Lieferanten gestellt worden und haLs nun mit seinem Gewissen und mit Hindenburg zu tun!

Mit dem Gewissen werden die schlechten Kerle ja nun am leichtesten fertig; ob sie es wagen wo lieg, den NamenHindenburg" noch ohne Scham zu nen­nen ? Bis jetzt war die Ablieferung von einigen Pfund Speck an den Jnnungsmeister Leipold in Schlüchtern eine freiwillige; und da hat sich' tat - sächlich! herausgestellt, daß die von Hindenburg ge­forderte zu bezahlende Lieferung zögernd ge­schah; das Zögern wurde begründet mit dem Ein- wand, auf dem Wege vom Schwein bis zum Ver- zehrer könne das Eintrocknen zu schnell vor sich! gehen, besonders wenn die immer trockenen Hände der Ver­mittler und Uebermittler sich an der Schwarte fett­reiben wollten. Diese Befürchtung hat sich als un­begründet erwiesen. Der bei der Sammelstelle ein­gehende Speck geht unmittelbar an die Haupt- sammelstelle, die dafür sorgt, daß die Verteilung an alle Stellen kommt, wo sie nötig ist. Und so wird' wohl niemand, der am Schlachttage die Fett­wonne genießt, bes bleichen ,mattgewordenen Arbei­ters vergessen wollen, der unserem Hindenburg die Granaten zur Abwehr der Feinde in die Hände legt. Und wenn's bann noch so ist, wie gesagt wird, oaß die Nimmersatten und ©ewiffenDjen auch dann nichts ^ergeben wollen, nun dann brauchen wir zu den vielen Verordnungen eine neue, die diese vom Krieg unberührten Menschen zur Hergabe der winzigen Lei­stung zwingt. Wer möchte sich! zu dieser winzigen Leistung eigentlich' ist's gar keine, denn sie wird bar bezahlt schimpfend zwingen lassen und dem Hindenburgbild an der Wand noch ins Auge zu blicken, ohne schamrot zu werden? Also:Ran an den Speck!"

Freilich; ohne Fett schmeckt das Kohlrabengemüse nicht zart. Ich kenne viele Leute, die es früher alsSäufutter" verächtlich beiseite geschoben haben. Ob die alle sich mit ihm jetzt anfreunben werden? Hoffentlich' ja; denn nachdem wir dasMehlstrecken" im Vorkursus durchgemacht haben, soll jetzt im Win­ter und Frühjahr 1916/17 dasKartoffelstrecken" geübt werben; ein ziemlich einfaches Verfahren für die Hausfrau, dieUnterkohlraben" hat. In der Davidis" (nichtDiphtheritis") braucht nicht nach- gesch'lagen zu werben. Zeitgemäß verändert würde es, wenn's drinst'ände, etwa so lauten :Nimm geschälte und zerstückelte Kohlraben und Kartoffeln zu gleichen Teilen, bringe zuerst die Kohlraben in kochendes Salzwasser, eine halbe Stunde später die Kartoffeln dazu, gib, wenn du hast, einen Eßlöffel gett dazu, laß den Pfeffer weg, weil er zu teuer und ein Gewürz ist, an dem die Engländer schon 2000/0 verdient haben, gib keine Butter, auch' keinen Madeira dazu, besonders, wenn du ihn nicht hast; trage das Gemüse mit einem fröhlichen Gesicht auf den Tisch und im Sinne vaterländischer Arbeit, daran denkend, daß die gelbgrauen tagelang im Granatfeuer nichts als weiße Rüben roh mit Dreck ohne Speck aus dem Erdboden gegessen haben. Stelle den Jungen, der nicht mitessen will, vor die Türe und laß ihn hungern 15 Stunden, bis in ihm das Bewußtsein keimt, daß er seinem Vater im Feld ähnlich werden wolle, wärme das Gemüse zum Abendessen auf, weil sich- durch- das Wärmen aller Gemüse der Wohlgeschmack erhöht: So wirst du mit der Tagesration von 34 Pfund auskommen und dich einrichten lernen, so du das noch nicht ge­konnt hast. Das wird wohl auch ungefähr der