Seite 138 ^^^^^^^«^^^L^QS Unsere Freimut ß^ß^ßtfß^ß^ß^ß^ß^ß^ßspßi’ß^ Nr. 1/2
Das ^ahr, die Meinen Zu erlösen, ist gekommen.
V^iebe Kameraden! Ein neues Jahr ist gekom- ^.men. Ein neues Jahr eines unheilvollen Krie
ges ! Wir kennen jetzt diesen Krieg, wir kennen seine Lasten, seine Opfer, seine Aengste unb seine Sorgen. Wir erleiden diesen Krieg schon so lange. Wir haben viel Kraft ausgegeben, wir sind müde geworden. Wer will da das neue Jahr begrüßen? Wer will es wagen, dem Freunde zum neuen Jahr einen Gruß senden? Der Freund wagt es, weil es jetzt heilige Pflicht ist, daß wir uns gegenseitig ermuntern und stärken. Der Freund fängt damit am besten das Jahr gleich an. Wir wagen es, weil wir noch an Gott glauben und weil Gott in den Tagen höchster Not uns immer noch. ein Wort zur Ermunterung gegeben hat, ein Wort des Grußes, der herrliche Verheißungen zum Inhalt hat. So senden wir Euch, den Heimatgenossen draußen, am Jahresanfang zum Gruß das Wort des Propheten Jesaja: „Das Jahr, die Meinen zu erlösen, ist gekommen."
Dieses Wort von unerhörter Kühnheit und unbeschreiblicher Wirkungskraft ist einst gesprochen worden. So überwältigend, wie es selbst, ist das, was der Prophet mit ihm zugleich geschaut hat. Gott hat sich ausgemacht wie ein gewaltiger Niese. Die Feinde seines Volkes will er überwinden. Es ist eine Welt von Feinden. Die allermächtigsten Völker sind darunter. Einer ist dabei, der es allen anderen an Haß zuvor tut, obwohl er aus demselben Vaterhaus stammt. Es ist Edom. Es ist eine Riesenaufgabe, solche Feinde niederzuwerfen, um das Volk zu erlösen. Gott vollbringt diese Arbeit, eine entsetzliche Arbeit, das Kleid trieft ihm dabei von Blut. Der Prophet schauts mit Entsetzen und doch mit Jubel; denn nun weiß er, daß er endlich das Heil verkünden darf. „Das Jahr, die Meinen zu erlösen, ist gekommen."
Dieses Wort, einst dem Volke Israel gegeben, ist heute eine Eottesbotschaft an uns. So fassen wir wenigstens die Worte der Heiligen Schrift auf. Wir kommen auch nicht mehr los von diesem Wort, wenn wir es erst einmal gehört haben. Es ist doch wunderbar, daß wir fast in der gleichen Lage sind. Es ist doch wunderbar, daß wir nach einem solchen Wort ein sehnliches Verlangen tragen. Wir brauchen diese Frohbotschaft, darum gilt sie uns auch.
Eilt sie uns wirklich? Wir trauen unsren Ohren nicht, daß sie uns gelten soll. Wir sind doch nicht Propheten, welche die Zukunft bestimmt und klar vorausschauen und die Vollmacht haben, die Stunde der Erlösung so bestimmt vorauszusagen. Wie gerne möchten wir diese Frohbotschaft als ganz gewiß annehmen. Es sollte uns vor dem, neuen Jahre nicht grauen. Das Jahr der Erlösung von diesem furchtbaren Krieg sollte für uns das schönste unsres Lebens werden. Wir wollten mutig und geduldig den Rest des Krieges noch ertragen. Aber ach, die Gewißheit, daß in diesem Jahre dieser Krieg zu Ende geht, kann uns dieses Wort nicht geben. Gewiß, aber doch kann es uns den Glauben an unsre Erlösung stärken. Gewiß, und doch. Hat grade heute das Wort für das neue Jahr sein Recht. Wir grüßen Euch ja damit unter dem noch frischen Eindruck des herrlichen, bedeutungsvollen Sieges über Rumänien, unter dem Eindruck der kraftvollen Haltung des griechischen Königs und seines treuen Volkes, unter dem Eindruck des Erlebens unsrer Feinde und ihrer Ministerkrisen, unter dem Eindruck der siegreich abgeschlagenen übermächtigen feindlichen Angriffe in Ost und West und
nicht zuletzt unter dem Eindruck des so begeistert aus- und angenommenen Zivildienstpflichtgesetzes und — des Friedens angebotes. Aeden diese Tatsachen nicht laut genug ? Künden sie nicht die endliche Erlösung ? Dürfen wir das neue Jahr nicht beginnen mit dem Zuruf: „Das Jahr, die Meinen zu erlösen, ist gekommen?"
Freilich, wir haben uns daran gewöhnt, mit dem Worte Erlösung einen ganz besonderen Sinn zu verbinden. Erlösung in diesem Sinne ist die Erlösung von Sünde. Sünde ist nicht bloß die ausgesprochene Schlechtigkeit wie z. B. der Wucher. Sünde ist jetzt all das, was unser Volk träge und mißmutig macht, all das, was uns hindern will, mit kraftvoller, rücksichtsloser Hingabe den Sieg zu erringen. Diese Sünde, im Grunde genommen Selbstsucht, klebt uns aus vergangenen Tagen noc^ zu fest an und hat die Seele des deutschen Volkes in Fesseln geschlagen. Aber nun endlich sollen diese elenden Sklavensesseln gesprengt werden. Gott der Herr will unter dem Zwang und der Gewalt gesteigerter Not diese Fesseln lösen. Jakobskötter hat in seinen Tagebuchblättern eines Daheimgebliebenen unter dem 27. September davon in trefflicher Weise also geschrieben: „Ich fühle es, eine neue Wendung will und muß sich, durchsetzen. Der neue Geist, der neue Charakter will und muß wachsen! Die Wendung zum Heroismus, der heroische Geist muß kommen ! Jetzt muß der heroische Funke unter uns zünden !
Wir haben in Flammen der Begeisterung gestanden im Anfang des Krieges, unsre Wangen haben geglüht unter der Hochglut größten geschichtlichen Werdens und unter dem Feuerschein größter Siege! Wir haben uns in der Zeit des Wartens und Durchhaltens schmieden lassen zu Männern! Jetzt aber muß der heroische Funke zünden und in Hellem Brand aus- schlagen!
Denn das ist gewiß, diese jetzige Zeit wird die tonangebende, wird die charakterbildende, wird die geschichtsbildende Epoche sein! Jetzt will sich, der neue Ton, der neue Charakter, die neue Geschichte des künftigen Deutschland bilden!"
Wir aber sagen mit freudigem Erbeben: Das Jahr, die Meinen zu erlösen, ist gekommen.
Ja, wenn das geschieht, dann ist das Jahr unsrer Erlösung gekommen, dann wird das neue Jahr werden ein Jahr deutscher Kraftentfaltung, ein Jahr heiligen deutschen Grassens drinnen und draußen, ein Jahr neuer großer Taten, ein Jahr neuer gewaltiger Siege, die unsre Erlösung verbürgen. Dann wirb's auch im Blick auf die äußere Not heißen: Das Jahr, die Meinen zu erlösen, ist gekommen.
Und dann kommt noch eine andre Erlösung hinzu. Ein in der Not geläutertes Volk, ein in der selbstlosen, opferbereiten Hingabe an das Vaterland er- starktes Volk wird das schwer heimgesuchte Heimatland schöner und besser wieder aufbauen, es wird einen Frieden schaffen, in dem es sich besser leben läßt als in bem vorigen. Dann erst erleben wir die volle Wahrheit des Wortes: Das Jahr, die Meinen zu erlösen, ist gekommen.
Liebe Kameraden ! Wir halten uns an dieses wunderbare Wort. Es sei die Losung für's neue Jahr, für Euch draußen und für uns daheim. Im Glauben an dieses Wort rufen wir Euch, und uns zu:
Vorwärts in dem Kampf, vorwärts zum Siege! Vorwärts mit Gott für König und Vaterland! —
Salmünster. Pfarrer Kurz.