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Wemeimmtzige Machrichtett.

Kühe, Schafe und Ziegen des Winters zu erhalten, dasselbe im Frühjahr, Sommer und Herbst durch­dringen können. Davon reden sie aber nicht, auf welche Weise und in welchem Zustande sie das Vieh erhalten. Sie krauten und hüten zwischen dem Eigenthum Anderer und nehmen es nicht so genau, wenn von den Erzeugnissen des Feldes eines Anderen zur Nahrung ihres Viehes gereichen muß. Es wird das Vieh zum großen Theil durch Frevel erhalten-! Wenn solche Leute nun durch die Verkoppelung ge­nöthigt werden, ihren Viehstand zu ermäßigen, so halten sie sich für beeinträchtigt, während sie doch recht gut in den Stand gesetzt werden, das eine ober andere Stück viel besser zu ernähren, wenn sie durch geeigneten Futterbau dasselbe zu unterhalten suchen. Sie erhalten einen entschieden höheren Ertrag, wenn sie eine Kuh kräftig füttern, als wenn sie bei der jetzigen Wirthschaft zwei, drei und mehr Kühe halten, diese auf Kosten Anderer ernähren uno bei dem unaufhörlichen Weidegaug des Düngers ver­lustig werden.

Aber abgesehen von dem Allen ist die Verkoppe­lung als eine wirthschaftliche Nothwendigkeit einzu­sehen. Bei Allem was mau treibt muß berechnet werden, ob es rentirt, d. h., ob der Reinertrag mit Mühe, Arbeit, Anlage- und Betriebskapital in Ver­hältniß steht. Durch Vermehrung und Verbesserung der Kommunikationsmittel sind sämmtliche Produkte der Landwirthschaft Gegenstand des größeren Handels­verkehrs geworden und übt daher auch auf sie die Konkurrenz einen erheblichen Einfluß.

Es muß daher jeder Landwirth alle Erzeugnisse so billig als möglich und dabei doch zu einem sol­chen Preise zu stellen suchen, daß er dabei bestehen kann Dies ist bei unserm dermaligen Wirthschafts­verhältniß, abgesehen von den größeren Oekonomen, welche auf mehr zusammenliegenden Eomplexen wirth­schaften, kaum noch möglich. Die kleineren Bauern im benachtbarten Westphalen, welche ursprünglich der Einführung der von ihnen gefürchteten Verkop­pelung der Art widerstrebten, daß dieselbe an vielen Orten mit Gewalt durchgesetzt werden mußte, haben sich erfahrungsmäßig mit der neuen Einrichtung ausgesöhnt.

Aus den heftigsten Gegneren der Verkoppelung sind sie jetzt Freunde und Lobredner derselben ge­worden.

Und war es denn anders möglich? Denn jetzt und seitdem sie auf verkoppelten Grundstücken Land­wirthschaft treiben, sind sie vermöge der Ersparnisse an Auspannvieh und Arbeitslohn, der Möglichkeit, nach Belieben Verbesserungen einzuführen, der nickt mehr "verkommenden Schmälerung ihrer Erträge, der möglichen beliebigen Fruchtfolgen, des größeren Futterbaues rc. entschieden im Stande ihrer Früchte 8KP/o billiger zu liefern, als unsere Bauern.

Verkoppelung.

(Schluß.)

Nur der Frevler, der bisher auf anderer Leute Kosten sich bereichert hat, leidet materiellen Nach­theil, weil sein Geschäft erheblich erschwert wird.

Vielseitig, und namentlich auch im Kreise Hof­geismar, werden der Verkoppelung die Bedenken entgegengesetzt, daß sie sich bei der Mannigfaltigkeit der Lage, Beschaffenheit und Güte der Grundstücke gar nicht durchführen lasse, daß durch die Zusam­menlegung die Staatsgrundstücke, deren an mehreren Orten sehr viele vorhanden sind, in solchen Größen zusammengelegt würden, daß die kleineren Landwirthe sich nicht mehr im Stande befänden, sie zu pachten, und deshalb genöthigt seien, ihre Wirthschaft auf- zugeben, und daß endlich ein großer Theil der Viehhalter genöthigt wäre, sein Vieh abzuschaffen, weil eS auf der Weide nicht mehr ernährt werden könn/. Auch diese Bedenken sind nicht' stichhaltig. Eine Gemarkung mag so mannigfaltig in ihrer Be­schaffenheit sein, wie sie will, eS wird der Kommission stets und eben so gut gelingen, jede einzelne Fläche nach ihrer Güte zu schätzen, als dies zum Zwecke der Versteuerung möglich gewesen ist. Was die Zu­sammenlegung der Staatöländereien anlangt, so werden diese allerdings mehr und mehr zusammen- gerückt werden, allein es ist damit noch keineswegs gesagt, daß sie in solcher Größe zusammen zu liegen kommen, daß die Pachtung für den kleineren Land­wirth unmöglich wird. Sollte dies aber demunge- achtet geschehen, so mögen viele der Pächter von sog. Meierhöfen nur bedenken, wie sie seither be­standen, ob sie mehr als Mühe und Last gehabt haben, ob es überhaupt noch möglich ist, zu bestehen, Steuern und Lasten zu bezahlen. Ein großer Theil würde' klüger Handeln, wenn er, so lauge es noch Zeit ist, -sich nach anderen Beschäftigung umsähe und sich mit Bestellung der ihm gehörigen wenigen Länder begnügte. Uebrigenè wird auch eine um­sichtige Verkoppelung darauf Bedacht nehmen, daß für jede Gemeinde als solche eine entsprechende Grundfläche vorbehalten bleibe, mittelst deren für die ärmere Einwohnerklasse die Erwerbung von Land, sei es durch Kaus, sei es durch Pacht, ermög­licht bleibt.

Auch die Besorgniß, daß viele Leute genöthigt seien, ihr Vieh wegen, mangelnder, ungenügender Hute abzuschaffen, ist bei genauerer Erwägung nicht begründet. Es ist allerdings richtig, daß jetzt viele Leute, welche kaum so viel Futter besitzen, um ihre