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einem Auswandererschiffe, dem von Liverpool nach Philadelphia bestimmen „Tuscarora", diirchgesetzt, daß die deutschen Passagiere, welche ihre Ueberfahrt auf diesem Schiffe bedungen hatten, dasselbe verlassen mußten. Die Flußpolizei erwies sich außer Stande, der Gewalt zu steuern und die Gerichte, an welche die Deutschen sich in ihrer Noth um Beistand wandten, hatten nur den Trost, für sie einschreiten zu wollen, falls das Schiff den Mersey noch nicht verlassen habe.
Ob wohl die deutsche Presse ihre Schuldigkeit endlich erkennen und in Folge dieser Brutalität einstimmig und eindringlich vor der Auswanderung Deutscher über englische Häfen warnen wird? Soll sich der Deutsche auch noch von dem weit unter ihm stehenden Irländer drangsaliren lassen? —
Aber nicht dies allein', sondern auch die schlechte Verpflegung und die Ueberfüllung der Schiffe läßt eS als eine Pflicht erscheinen, AnswandcrungSlustige dringend vor englischen Passagierschiffen zu warnen. Zum Beweise hierfür drucken wir die folgende, uns so eben von der „Deutschen Gesellschaft zu Newhork" zugekommene Warn u u g ab:
„ Die vielen und stets wiederholten Klagen hier ankommender deutscher Auswanderer über die Behandlung und Verpflegung, welche ihnen auf den englischen und insbesondere auf den der National Steam Navigation Comp. zugehörenden Dampfschiffen zu Theil wird, veranlaßt uns, diese Beschwerden hierdurch zur öffentlichen Kenntniß zu bringen.
Dieselben erstrecken sich hauptsächlich auf die folgende Punkte:
Mangel an Raum und frischer Luft;
Unreinlichkeit der Schlafstätten und der Plätze für die Verrichtung natürlicher Bedürfnisse; mangelhaf tes Zubereiten der Speisen, sowie . unregelmäßige und ungleichmäßige Vertheilung derselben; grobe Behandlung von Seiten der Schiffsmannschaft, unter deren unmittelbarer Beaufsichtigung die Zwischendeckpassagiere sich befinden, und Chicânen und Beleidigungen, welche an den Deutschen von den Passagieren anderer Nationalitäten verübt werden.
Hierzu kommt, daß durch das Ueberfüllen dieser Schiffe mit Passagieren und in Folge der dadurch auf denselben herrschenden Unreinlichkeit sehr häufig ansteckende Krankheiten, z. B. Cholera, Typhus, Schiffsfieber und Pocken entstehen, und daß, um die Verbreitung dieser Krankheiten zu verhüten, die Auswanderer genöthigt werden, nach ihrer Ankunft im hiesigen Hafen oft mehrere Wochen in den Qua- vantaineanstalten zu verbringen.
Der einzige' anscheinende Vortheil, welcher den Reisenden von den von England aus abgehenden Dampfschiffen geboten wird, ist der etwas geringere Preis.
Unter diesen Umständen halten wir es für unsere Pflicht, unseren Landsleuten abzurathen, sich den Unannehmlichkeiten und Gefahren auszusetzen, welche
nach Aussage der kürzlich hier angekommenen deutschen Auswanderer mit der Reise auf englischen Dampfschiffen verknüpft sind.
Wir warnen sie, sich durch interessirte Agenten und Mäkler verlocken zu lassen, zur Ersparnis einiger Thaler die Reise über England zu machen, nnd wir empfehlen denselben, bei dem Ankauf ihrer Reisebillette darauf zu sehen, daß dieselben für die direct von Bremen oder Hamburg nach Newyork abfahrenden Dampfschiffe bestimmt sind. Diese Vorsicht ist nöthig, weil Agenten Auswanderern, welche von Hamburg oder Bremen aus abreisen wollen, häufig Billette geben, welche sie allerdings nach jenen Seehäfen bringen, aber mir, um sie auf kleinen Dampfböten nach englischen Häfen zur Weiterbeförderung zu überliefern.
Newyork, 4. Mai 1866.
Die Deutsche Gesellschaft der Stadt Newyork."
(Ztg. f. Nordd.)
New-Uork, 12. Juni. Die Erwartung ist allgemein, daß in Folge Der Kriegsaspekten in Europa die diesjährige Einwanderung sehr stark, die der nächsten Jahre aber, falls der Krieg losbricht, sehr schwach sein werde, weil alsdann Die Zerrüttung der Valuten in Europa die Realisirung kleiner Vermögen zum Zweck der Auswanderung unmöglich machen werde. Sei dem, wie ihm wolle, jetzt ist jedenfalls die Einwanderung noch sehr stark, beson- vers aus Deutschlanv. Und leider gibt es noch immer Tausende von Thoren, die den mörderischen Weg über Liverpool dem über deutsche Häfen vorziehen. Die Folgen sind gräßlich. Während auf den von deutschen Häfen kommenden Dampfschiffen, selbst wenn (wie vor acht Tagen auf der „Atlantic") die Zahl der Passagiere nahe an 1200 beträgt, der vortrefflichste Gesundheitszustand herrscht, sind auf den von Liverpool kommenden Dampfern, besonders unter dentschen, der elenden Kost ungewohnten und überdies von irischen Mitreisenden um ihre geringen Rationen bestohlenen Passagieren Seuchen ausgebrochen, welche von den habgierigen Rhedern für Cholera ausgegeben werden In Folge dessen werden die Dampfer in Quarantaine gehalten. Ah er von den Schrecknissen dieser Qnarantaine macht man sich drüben keinen Begriff. Die Sonderstaaterei und die brutale Krähwinkelei der Küstenbewohner von New Jersey und Long Island hahcn eS unmöglich gemacht eine Lokalität für eine Qnarantaine an Land zu erhalten, und es müssen daher einige in der untern Bay vor Anker liegende Schiffe anstatt eines QuarantainegebändeS dienen. Dort liegen die Kranken in wo möglich noch engern, noch schlechter ventilirten Räumen, wie. auf den Schiffen, die sie hcrübergebracht haben, und wer noch auf der Fahrt der Seuche entgangen ist, unterliegt ihr da,
(Schluß folgt.)