Seite 82 -s-s-DiDs-s-scsscMi-sÄD-s-s-s-sssA Unsere Heimat sss-s-ss-s-DKssssss-s-sGGrSiSs» Nr. 6
Doch reicht die Zahl von 55 noch lange nicht aus. vor drei Zähren versuchten die Areisverwaltung unb der Areisarzt mit Hilfe der Lehrer, Bürgermeister und Aerzte zu ermitteln, wieviele Rinder im Kreise infolge ihrer Abstammung oder ihrer schwächlichen Aörperbeschaffenheit oder endlich unter der Wirkung ungünstiger Lrnährungs- oder Wohnungs-
verhältniste von der Tuberkulose gefährdet erschienen. Diese Statistik ergab die Zahl von mindestens 50—55. Folglich ist dies die Anzahl von kurbedürftigen Rindern, für welche wir jährlich eine vierwöchige Soolbadekur anstreben müssen. Ts fehlen also noch die Mittel für 20—25 Rinder. Wer hilft, sie anf- zubringen? Lanörat Valentiner.
das Krankenhaus in Steinau. (Nach Photographie von Merz.)
^lm Krankenbett der „^ller".
(€in Vorfbilöchen.)
Es ist am Nachmittag des Sonntags nad) Weihnachten. In Grünzell sind die Leute vor einer Weile aus der Nachnnttags- Kirche gekomnien. Wintersountagsstille liegt über den beschneiten Dächern. Lautlos, aber munter und dicht drängen draußen frische weiße Flocken zur Erde nieder und setzen bem Pumpbrunnen, den Latten des Garteuzaunes und dem Kirchturmknauf schmucke Häubchen unb Kappen auf. Die alte Freyhofbäuerin tappt durch ben Schnee, um Schmiedjost's Großniutter, die schon seit Wochen festliegt und wahrscheinlich nidjt mehr „lange macht", ein wenig die Zeit zu vertreiben, und der Bachpeter strebt dem Wirtshaus zu. Sonst ist von Erwachsenen nichts zu sehen Nur die Sd)id= jugend sanft auf Handschlitteit den Kirchberg herunter, uncrmüb= lich auf Schmiedjost's Haus zu. Dort liegt in der Kammer bie alte, kranke „Aller". In der vorderen Stube ruht ihr Sohn, der Schmiedjoft, selber schon ein Graukopf, im Grohuaterstuhl am wärmenden Ofen und schmaucht mit Behagen seine wohlverdiente Sonntagspfeife. Der Wilhelm, der im Herbst vom Militär heimgekommen ist, bastelt an einem Schnitzrahmen um sein Kompagniebild. Die Magd räumt den Sifd) ab, und die Hausmutter sitzt am Fenster und blättert im Kalender, um nach- zusehen, wie im nächsten Jahre die Christtage fallen, denn diesmal war's etwas reichlich. In der Kammer berichtet die Freyhofbäuerin der kranken „Was" vom Allerneuesten: Des Lehrers Ältester hat heut morgen seinen Vater an der Orgel vertreten, und es ist ein Schaustück, was der Junge kann, Brücken- barthels Christine ist auf Besuch da, denn sie schlachten morgen, unb bei ihr daheim hat sich der Knecht gestern bös ins Bein
gehackt. „Nix besser wie Spinnlappen fürs Blutstillen!" meint ba mit zitternder Stimme die kranke Aller, „bann nach die Doktor nix devo meff wann. Ich brauch känn Dokter!" Das löst ein lehrreiches Hausmittel-Gespräch aus Gern gehen alle darauf ein und repetieren seit Jahrhunderten überlieferte Bolks- weisheit. Da marschieren nun, während's draußen winters, die mit Heilkraft gesegneten Kinder der Dorfflur im Krankenzimmer auf, vorweg die Kamille, die schon der alte Dr. Zinkhan gelobt mit den Worten: „Bor jedem Stäudlein sollte man den Hut abzichen". Ihr folgen „Pfeffermünz" und Meerzwiebel, Fenchel und Heublunien, „Lindebltit"' und „Hollerspetze", „Schafripp" und „Wermete", „Dausendgöllekraut" unb „Spitzwegerich" und all die andere bewährten Helfer gegen Brast und Weh unter Menschen und Vieh. Sie ersparen dem Bauern manche Mark; denn der Arzt ist teuer, weil der Weg von der Kreisstadt in’s Dorf so weit. Daß der Bauer aber auch lieber dem Quacksalber sich anvertraut, der aus dem „Gewässer" das Leiden erkennt, und die Kartenschlägerin braucht gegen das „Abnehmen" — das ist dumm. Aber es ist nun 'mal so. Die 85jährige Aller hat nie im Leben einen Arzt gebraucht, und sie freut sich eigentlich, ben Ihrigen die Doktorkosten sparen zu können. Sie möchte nun auch noch ohne ärztliche Hilfe sterben; denn man weiß vom neuen Doktor noch nicht, ob er „gelinder" ist wie der vorige. Der kam zwar selber zu Fuß, aber seine Rechnung auf Stelzen. Schmerzen hat sie ja nicht. Ihr Lichtlein verlischt ganz regelrecht. Gegen den Tod haben die alten Spillegänger in der Krankenkammer freilich auch kein Kräutlein gefunden. Aber so