wer seine Heimat liebt, muß sie auch verstehen; wer sie aber verstehen will, muh überall in ihre Geschichte zu bringen suchen. Jakob Grimm.
Laßt mir nur »er Heimat Glück.
Geibel.
5. Jahrgang Schlächtern * Mai 1913 Nummer 3
Wer, wenn Las Vaterland in Not ist, einen andern ^bahr ist, was der Volksmun» spricht:
Gedanken als »essen Rettung fühlt, ist nicht wert, Gott vertäht den Deutschen nicht.
in einem freien Staate zu leben. Zrie»r. Max v. Rlinger. Freilich — soll »as Sprichwort passen —
Darf auch er von Gott nicht lassen. Sg. Lang.
Der Heimat zu!
3um Feste der Himmelfahrt Christi geht diesmal unser Heimatblatt hinaus. In blühender Maienzeit redet Himmelfahrt in besonderer Weise von unserm Ziel, von der Heimat am Ende des Erdenwegs. Das Ziel bestimmt in vielen Fällen Weg und Wanderschritt. Wer Keins hat, gerät leicht auf Unrund Abwege. Wer beim Gedanken an den Abend unterwegs nicht herz froh zu werden vermag, dem wird fein Tagewerk noch einmal so sauer. Wer freilich vor St. Materialismus auf den Knien liegt, fragt nicht danach. Man ist eben da, kriecht seine paar Jahre auf der Erde herum und dann in die Erde hinein. Wozu auch nach oben schauen? Ja, wenn große Geldsäcke am Firmament hingen! So aber bietet gar mancher, unterstützt vom Hohngelächter sehr kluger Leute, sein Erbe in der Heimat für ein Geringes aus. Wer's wagt, fein Heimathoffen rückhaltlos zu bekennen, kann's sogar erleben, von fein gebildeten Flegeln mit giftigem Geifer geradezu überschüttet zu werden, weil sie glauben, der Heimatglaube mit seinen „Wechseln aufs Jenseits" störe sie in ihrem gewissenlosen Ausnutzen des Diesseits. Trotz allem kommen wir nicht von der Gewißheit los, daß am Ende unseres Erdenwegs eine Heimat auf uns wartet. Sie sehnen sich ja doch alle danach. Heine singt von einem „Traumland": „O dürft' ich dorthin kommen und dort mein Herz erfreu'n und aller
Qual entronnen und frei und selig sein!" Wäre uns wo hier, wenn jenseits der Grenzpfähle, hinter den Gräbern, nur ein Traumland läge? Dann wäre die Erde eigentlich weiter nichts als ein großes Erbbegräbnis. Dann lebten auch wir nur „noch", und die Unzählbaren, die mit ihrem untilgbaren Verlangen nach Licht und Leben in die Grube steigen, wären grausam Getäuschte. Wie sinnlos wäre dann dies Wandern ohne endlich beglückendes Ziel! Wozu und woher dann dieser Durst nach Leben, der immer ungestillt bliebe? Nein, es muß eine Heimat geben als Ziel. Und es gibt eine. Selbst die Hoffnungslosen schauen danach aus, die der Heimat spotten, und die Phantasten, die sie sich selbst zurechtmachen und sinnlich ausschmücken. Wir stehen beiden fern. Die Brücke, die uns hinüber- trägt, ist gebaut aus Worten dessen, der gesagt, daß er eine Heimstatt bereithalten wolle. W o sie ist und wie sie ist, ist uns verborgen. Wir brauchen darüber nicht zu spekulieren und zu spintisieren. Wir wissen: Kinder werden zum Vater kommen. Ist das nicht genug? In ihren besten Gliedern hat die Menschheit stets nach einer Heimat jenseits des Grabes ausgelugt, aber wenige wissen, wieviel Unheil allezeit daraus erwuchs, daß Menschen heimatlos wurden. Wer die Heimat aufgibt, um schrankenlos hier genießen zu können, gleicht dem, der um einer in der Fremde