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Nr. 6 ®®®®®®®®®®®®®®®®®®®®® Unsere Heimat ®®®®®®®®®®®®®®®®®®®®&® Seite 81

Die Gemeindeschwestern, welche die Zeit dazu er­übrigen können, bilden auch 3 ungfrauenverei n e, die sie an einem Abend der Woche zu nützlicher Be­schäftigung in der Station versammeln. Auch hier bietet sich manche Gelegenheit, die Regeln einer ver- nünftigen Gesundheitslehre unter den zukünftigen Hausfrauen zu verbreiten und eingewurzelte Vorurteile zu beseitigen.

Unentbehrlich werden unsere Schwestern bei der planmäßigen Bekämpfung der Tuberkulose sein, welche die Areisverwaltung nach Eröffnung des neuen Schlüchterner Areiskrankenhauses kjugo von Stumm-Stistung zu unternehmen beabsichtigt.

Eine besondere kleine Abteilung dieses pauf es wird tuberkulösen Aranken vorbehalten sein. kfier wird lherr Areisarzt Akedizinalrat Dr. Lauer allen unentgeltlich Rat erteilen, die sich von jener weit­verbreiteten Arankheit bedroht fühlen. Bekanntlich läßt sich gerade die Tuberkulose ziemlich leicht über­winden, wenn man sie frühzeitig erkennt und auf die richtige Weise bekämpft. Nun entschließt sich unsere Bevölkerung meist viel zu spät dazu, den Arzt zu Rate zu ziehen, wenn es etwas kostet. Die Arankenpflege- schwestern, welche in vielen Häusern ein- und aus­gehen, werden am besten und schnellsten diejenigen Personen herausfinden, deren sich die Arankheit zu bemächtigen scheint. Sie werden deshalb rechtzeitig in der Lage sein, solche Leute zu der eben erwähnten kostenlosen Tuberkulose - Beratungsstelle zu schicken. Wird hier wirklich Tuberkulose festgestellt, so ist wiederum die Schwester die einzige, welche die Befolgung der gegebenen Ratschläge überwachen und den Fortschritt oder Rückgang des Leidens beobachten kann. Auch vermag sie, wenn dieses sich allen Be­mühungen zum Trotz verschlimmern sollte, darauf hin­zuwirken, daß der Aranke durch sein Verhalten nicht auch noch seine Angehörigen ansteckt.

Aurzum, die Arankenschwester ist für eine schnelle, sachgemäße und billige Arankenpslege unentbehrlich. Am unentbehrlichsten natürlich da, wo kein Arzt am Orte wohnt. Aber dies ist es nicht allein, was uns die Schwester so wertvoll macht: Wertvoller noch als alle körperliche Gesundheit, die sie be­wahren hilft, und als alles Geld, das sie durch ihre pilfe erspart, ist das gute Bei­spiel, das sie beständig giebt. Erst dieses Beispiel der Selbstverleugnung macht eine Arankenpflegerin zur wahren Gemeinde- s ch weste r.

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Fürsorge für schwächliche Kinder bedürftiger Eltern.

Vorbeugen ist noch besser als heilen! Diese Wahr­heit ist schon an einer anderen Stelle der heutigen Nummer unserer Zeitschrift ausgesprochen worden. Nirgends aber hat sie eine größere Bedeutung als im kindlichen Alter.Das Aind ist der Vater des Aiannes," sagt man wohl zuweilen und will damit ausdrücken, daß der Erwachsene so zu werden pflegt, wie das Aind sich entwickelt. Dies gilt von seinem Lharakter, es gilt aber noch mehr von der Gesund­heit des Aärpers. Deshalb macht sich alle Akühe

und Sorgfalt, die auf eine verständige Ernährung und Abhärtung der Ainder verwandt wird, mit Wucherzinsen bezahlt.

Dennoch wird es immer eine große Zahl von kränklichen Aindern geben, deren Gesundheitszustand sich trotz aller elterlichen Sorgfalt nicht bessern zu wollen scheint.

Weist sind es solche Ainder, welche von vornherein mit schwächlichem Körper aus die Welt kamen. Oder solche, welche nach überstandener schwerer Arankheit, sich nur mühsam wieder erholen können, und deren körperliche Entwicklung infolgedessen stillsteht. Oder schließlich Ainder, welche in lichtlosen oder schlecht­gelüfteten Zimmern schlafen müssen. Aber das sind alles nur Beispiele der bei uns am häufigsten vor- kommenden Ursachen. Solchen kränklichen kleinen Wesen kann manchmal wunderbar durch eine Badekur von mindestens vierwöchiger Dauer in einem Solbadesrt geholfen werden. Wennauch die Wirkung meist eine verschiedene sein wird, so muß man doch manchmal über die Erfolge eines solchen vierwöchigen Badeaufenthaltes staunen. Namentlich dann, wenn die Kur zwei Jahre hinter­einander wiederholt wird. Erfahrungsgemäß ist hierin ein ausgezeichnetes Vorbeugungsmittel gegen die Tuberkulose (Schwindsucht, Auszehrung) gegeben. Denn bekanntlich ergreift diese verheerende Arankheit besonders die geschwächten Körper. Deshalb muß man im Kampf gegen die Tuberkulose wünschen, daß sovielen schwächlichen Aindern als möglich, und zwar so oft es nur angeht, die Wohltat einer Solbadekur zuteil werde.

Aber viele, viele dieser schwächlichen Ainder haben Eltern, welche das Geld dafür nicht allein oder über­haupt nicht erschwingenkönnen. Umsomehr müssen auch hier die öffentliche Wohlfahrtspflege und die christliche Nächstenliebe sich mit jenen vereinigen, um gemeinsam das Ziel zu erreichen.

Im Kreise Schlüchtern entsendet die Areisver­waltung mit pulse des vaterländischen Frauenvereins und des Niännervereins vorn Roten Kreuze alljährlich eine wachsende Anzahl von kurbedürftigen Aindern in die Ainderheilanstalten Bad-Orb und Soden (Salmünster). Hierbei zieht sie die Eltern mit einem Beitrag, der ihren wirtschaftlichen Verhältnissen entspricht und der mit ihnen vereinbart wird, zu den nicht unerheblichen Kosten heran. Diese betragen z. Zt. für jedes Aind ^0 AA. in Bad-Orb und 45 W. in Bad-Soden.

Nachstehende kleine Uebersicht zeigt, wie auch auf diesem Gebiete der Bekämpfung von Arankheiten eine wachsende Leistung zu erkennen ist. Die Zahl dieser Ainder war:

1905 = 7

1906 = 9

1907 = fO 1908= H 1909= 13 1910= 1? 1911 = 31 1912 = 52 1915 = 33 (davon 5 Freistellen in Bad-Orb.)