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Menschenfreund ist, daß aber beispielsweise das Wasser von vielen Brunnen ungesunder ist als das aus der staatlich geprüften Wasserleitung so bequem fließende Hag*). Daß man mit der (Quacksalberei nicht weit kommt. Daß dem Aranken nicht gerade Sauerkraut und Bohnenbrei mit Bauchlappen, sondern nur leicht verdauliches Essen verabreicht werden darf. Dazu noch vieles andere 'mehr.
Und wenn dann wirklich die Krankheit mit dem knochigen Finger an die bisher verschonte Türe pocht, dann wird vertrauensvoll sogleich die Schwester gerufen. Sie weiß, wie man den Kranken ohne Beschwerden umbettet, wie man verhindert, daß er sich wund liegt, sie wäscht und kämmt ihn behutsam. Kurz, sie weiß sehr bald die vom Kranken so tief empfundene Wohltat einer geordneten Pflege um sich zu verbreiten. Sie ruft, wenn nötig, den Arzt herbei, und, wenn dieser die Aufnahme des Patienten in ein Krankenhaus für unvermeidlich erklärt, weil vielleicht eine Operation vorgenommen werden muß, erweist sich die Schwester abermals nützlich, denn sie sorgt für eine möglichst schmerzlose Ueberführung und bleibt dem Kranken zur Seite, öamit es ihm an nichts mangelt und auf daß er sich nicht verlassen fühlt.
Trost zusprechen ist überhaupt etwas, was die Gemeindeschwester oft tun muß. Denn auch sie sieht ja gar manches Mal, wie wenig menschliche Kraft und Wisfen ausrichten können. Dann sagt sich die echte Krankenschwester, daß sie wenigstens aufri chten muß. Und gerade auch aus diesem Grunde erscheint uns die Anwesenheit einer Schwester in jeder Ge- meinde so wichtig und notwendig. Fragt doch die Alten, die auf ihrem letzten Schmerzenslager dem irdischen Ende entgegensehen, und denen ein gütiges Geschick und eine einsichtige Gemeindeverwaltung eine Gemeindepflegerin mit dem rechten Perzen ins Dorf geschickt hat, fragt sie, ob sie wohl die Stunden gemeinsamer Andacht und Erhebung missen möchten, die sie jener verdanken!
Darum müßte schon jedes mittelgroße Dorf seine Gemeindepflegestation besitzen, oder, wie es in den katholischen Teilen des Kreises zu sein pflegt, Schwestern Niederlassungen müßten in den großen Ortschaften in genügender Anzahl vorhanden sein, um alle umliegenden Dörfer versorgen zu können.
Dies Ziel ist anzustreben. Wir sind im Kreise Schlüchtern immer noch ziemlich weit davon entfernt. Wennschon wir von allen Kreisen der Provinz jedenfalls im Verhältnis zur Bevölkerungszahl die meisten Krankenpflegestationen besitzen, so sind es deren doch erst f 6. Sie versorgen von 5^ Ortschaften 27, also gerade die lfälfte davon, mit einer geordneten Krankenpflege. Diese 27 Ortschaften umfassen aber etwa 3/< der gesamten Einwohnerschaft des Kreises, sodaß sich das Bild doch nicht so ungünstig darstellt. Auch wäre es möglich, manchen Gemeindepflegerinnen noch die eine oder andere Nachbargemeinde als Wirkungskreis zuzuweisen. Wir vermeiden dies aber, weil es zur Ueberbürdung der Schwestern führen kann Uebrigens aber lehnt feine Schwester es ab, in
*) Von 54 Ortschaften besitzen bereits 45 eine für die Gesundheitspflege so wichtige zentrale Hochdruckwasserversorgung. Vier weitere Gemeinden werden binnen kurzem gleichfalls eine solche erhalten. Die übrig bleibenden sind mit 2 Ausnahmen ganz kleine Dörfer.
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dringenden Fällen auch außerhalb ihres eigentlichen Bereiches zu wirken.
Zu diesen f6 Stationen treten im Jahre f9f^ die siebenzehnte und achtzehnte hinzu. Eine weitere und zwar eine Schwesterniederlassung zur Versorgung von 6 Ortschaften wird seit Zahren vorbereitet.
Den Gemeinden ist es heute recht leicht gemacht. Die erste Einrichtung einer Gemeindepflegestation übernimmt von vornherein der vaterländische Frauenverein mit lfilfe des Kreises, des Männer- vereins vom Koten Kreuze und der vereine für innere Mission. Sie kostet 750 Mark.
Zur dauernden Unterhaltung tragen alljährlich bei
der Bezirksverband in Eassel .
die Versicherungsanstalt für Alter und Znvalidität in Eassel die Kreiskrankenkasse in Schlüchtern.......
die landwirtschaftliche Unfall- Beruf s g e n 0 s s ensch aftSektion Schlüchtern.......
die Raiffeisen genossenschaften
die K ö n i g l i ch e E i s e n bahnver - walt u n g vereinzelt ....
Fabrikunternehmungen .... der verein zur Bekämpfung der Schwindsucht.......
Außerdem spenden gelegentliche Jahresbeiträge:
Die vereine für innere Mission . Mk. 50—75
Der vaterländische Frauenverein . „ 30—75
Der Männerverein vom Roten Kreuz „ 30—50
Alles in allem fließen den Gemeinden auf diesen Wegen — meist durch Vermittelung der Kreisverwaltung oder des vaterländischen Frauenvereins — jährlich 4 bis 500 Mk. zu, auf die sie bestimmt rechnen können. Manchmal erhalten sie bis zu 600 Mk. Beihülfen. Bei solcher Unterstützung kann es nicht allzu schwer fallen, eine Gemeindepflegestation ins Leben zu rufen. Denn deren Unkosten belaufen sich bei normaler Besetzung mit einer Schwester auf 800—900 Mk. jährlich, einschließlich der Miete für die der Schwester zu stellenden Räume. Ueberdies läßt der Kreis gerade den einsichtigen und opferbereiten Gemeinden auch auf anderen Gebieten gern Beihülfen zukommen.
Die evangelischen Stationen sind meist in gemieteten Wohnungen untergebracht, nur wenige Gemeinden besitzen bereits eigene Gemeindehäuser für diese und andere Wohlfahrtszwecke. Unter ihnen die Dörfer Sterbfritz, Oberzell, Marjoß — dieses lfaus ist über dem Aufsatz im Bilde dargestellt — und Ramholz. Die Station im letztgenannten Dorfe ist völlig auf Kosten der Frau Baronin von Stumm-Ramholz erbaut und eingerichtet worden und wird auch von ihr unterhalten. Die katholischen Schwestern - Niederlassungen haben ihr lfeim entweder in den Krankenhäusern oder im Anschlüsse an andere wohltätige Anstalten gefunden.