Nr. 6 <2i‘2i<s><2><s>®‘s><s>®‘2>‘s‘s>‘s><s>‘s>‘s>‘s)‘2>‘2>'si‘5>‘s> Unsere Heimat <a<a<3<a®®®<s<3<3®(3<3®<3®®®<a><s<3 Seite 79
Mutterhause Kassel oder eine Landpflegerin aus dem von der Gräfin zur Lippe geleiteten Landpflege- verbande. Auch eine Iohanniterin ist bei uns tätig. In den katholischen Gemeinden ist es durchweg eine barmherzige Schwester vom Heiligen Vinzenz aus dein Mutterhause Fulda, auch Vinzentinerin genannt. Die Schwestern sind stets in der Krankenpflege ausgebildet und haben manchmal auch eine staatliche Prüfung hierin abgelegt. Täglich suchen sie auf regelmäßigen Rundgängen Sie Kranken auf, prüfen, ob der Arzt zugezogen werden muß, und besprechen mit ihm alsbald telephonisch *) das Notwendigste. Alsdann pflegen sie den Kranken unter Leitung des Arztes und wachen darüber, daß seine Vorschriften am Krankenbette auch befolgt werden. Natürlich kann der Arzt da, wo er eine zuverlässige und ge= schickte Krankenschwester tätig weiß, seltener kommen. Manchmal überläßt er dieser schon nach der ersten oder zweiten Untersuchung die ganze Weiterbehandlung. Welche Ersparnis für die Familie des Kranken, denn die Gemeindeschwester übt ihre Tätigkeit unentgeltlich aus!
Noch wichtiger vielleicht ist ihre vorbeugende Wirksamkeit. Bei ihren Besuchen in den Familien oder in den Sprechstunden, die manche von ihnen bei uns eingerichtet haben, bietet sich ihnen unendlich oft Gelegenheit, rechtzeitig den Beginn von Erkrankungen oder Verletzungen festzustellen, die sonst erst bei ernstem schmerzhaftem oder gefährlichem Auftreten des Leidens und dann oft zu spät wahrgenommen worden wären. Wieviele Kranke sind schon durch dies frühzeitige Erkennen rasch wieder gesund oder wenigstens vor Schlimmerem bewahrt geblieben. Wieviele Krank- Heitswochen, Schmerzen, operative Eingriffe sind dadurch vermieden, wie oft ist beut Kranken und auch der Gemeinde die Ueberführung in ein Krankenhaus erspart worden. Wieviel Geld wurde hierdurch schon zusammengehalten, wie oft wurde denen die Arbeitskraft bewahrt, auf welchen die Existenz der ganzen Familie ruhte!
Solche vorbeugende Tätigkeit der Schwestern bewährt sich ganz besonders in einer überwiegend landwirtschaftlichen Bevölkerung, weil diese erfahrungsgemäß infolge ihrer fortwährenden Hantierung mit nicht ungefährlichen Werkzeugen, Gerätschaften und Maschinen der verschiedensten Art sowie durch ihr häufiges Zusammensein mit Zugtieren allen möglichen Unfällen ausgesetzt sind, die anfangs fast immer unbedeutend erscheinen, vernachlässigt, aber leicht Invalidität und gar den Tod hervorrufen. Welch unheimliche Kelle spielen zum Beispiel die zahlreichen Blutvergiftungen auf dem Lande; wie oft hat ein wichtiger Finger der rechten Hand oder selbst der rechte Arm abgenommen werden müssen, um nur das Leben zu erhalten. Eine einzige kleine und sachgemäße Behandlung der Wunde durch die Schwester, und alles Schlimme wäre vermieden worden.
Aber nicht nur die landwirtschaftliche, auch die im Handwerk und in der Industrie tätige Bevölkerung erfährt dauernde Vorteile für Gesundheit und Geldbeutel durch die Wirksamkeit der Gemeindeschwester.
*) Anmerkung: Telephonanlagen besitzen mit Ausnahme von 5 ganz kleinen Dörfchen sämtliche Gemeinden. Eine beträchtliche Anzahl hiervon hat der Kreis bei der Einrichtung des Telephons unterstützt.
Dann das große Heer der Kinderkrankheiten.
Der Würgengel der Kinder, Diphtherie genannt, verliert bekanntlich einen großen Teil seiner verheerenden Macht, wenn er mit der Einspritzung des Heilserums bekämpft wird. Aber frühzeitig muß diese erfolgen und dazu gehört, daß die Krankheit als ffolche schnell erkannt wird. Eine nur einigermaßen geübte Krankenpflegerin ist hierzu unschwer imstande. Sie merkt auch hald, ob ein Kind nur schwächlich aussieht, oder ob es wirklich schwächlich ist. Sie wird mit dem Arzte besprechen, ob es vielleicht mit einer Solbadekur gekräftigt werden kann oder was sonst für das Kind geschehen muß. Gerade auf diese Weise kann die Ausbreitung der schlimmen Volkskrankheit der Tuber- kulofe (Schwindsucht, Auszehrung) werden.
Eine Schwester in unserem Kreise Schlüchern richtete bald nach ihrem Einzüge ins Dorf eine Klein« kinders ch u l e ein, indem sie, wenn es irgend ging, täglich von l l bis ^ Uhr die Kinder vom dritten bis zum schulpflichtigen Lebensjahre in der Gemeindepflegestation um sich scharte. Hier wurde die kleine Gesellschaft mit Spielen unterhalten, aber auch an Ordnung, Gehorsam und Reinlichkeit gewöhnt. Ich habe die 40 Kinder jährlich zweimal gesehen. Als die Kleinkinderschule etwa 2 Jahre bestand, kam ich einmal wieder hin, erstaunte über das auffallend blühende Aussehen der Kleinen und sagte dies der freundlichen Gemeindeschwester. Sie bestätigte mir, daß es der Kinderschar seit einiger Zeit eigentlich bedeutend besser gehe, als zu Anfang ihrer Tätigkeit. Einen Grund dazu wußte sie aber nicht anzugeben. Mittlerweile war die paufe herangekommen und die Schwester rief: „Jetzt wollen wir frühstücken!" Da holten sämtliche Kinder große Flaschen voll Milch hervor und begannen zu schmausen. Ich fragte die Schwester, ob sie das Mitbringen der Milch angeordnet hätte, oder ob die Eltern von selbst auf diesen Gedanken verfallen wären. Da antwortete sie, daß es auf ihren Wunsch geschehen sei, daß es anfangs manche Schwierigkeiten gekostet, daß aber schließlich auch die weniger verständigen Eltern, welche die Milch lieber verkauften, ihrem Zureden Gehör geschenkt hätten. Da sagte ich ihr: „Jetzt weiß ich auch, liebe Schwester, warum die Kinder so gut aussehen, zwei Jahre lang täglich eine große Flasche voll Milch in diesem zarten Alter, das kann man schon merken, das giebt ja später lauter männliche und weibliche Grenadiere! Die Eltern können Ihnen dankbar fein."
Vorbeugen ist noch besser als Heilen: diese Kleinkinderschule, wird viele, viele Krankheiten und Arztbesuche verhüten und viel Kummer, Not und Sorge fernhalten!
Durch die Kinder kommt die Schwester auch in die Häuser, in denen noch keine Krankheit herrscht. Als Freundin des Kindes wird sie auch Freundin der Eltern, denen sie die wichtigsten und notwendigsten Regeln der Gesundheitspflege sagen kann: daß frische Luft im Zimmer noch wichtiger ist als Wärme. Daß man deshalb auch im Winter die Fenster täglich öffnen muß. Daß, wo die Sonne hinkommt, der Arzt nicht hinzugehen braucht, also daß man soviel Sonne in sein Haus hineinlassen soll, als nur irgend hineingeht. Daß auch das Wasser oft und richtig angewandt, ein großer