Seite 74 s>!DS>s>rZ>s>cD-L><Z>s<Z>s>Ä>s>ss>s>s>L>s>s) Unsere Heimat ®®®®®®®®®®®®®®®®®®®®®® Nr. 6
Bauernhaus aus Fachwerk, welches der letzte Eigentümer mit der Bestimmung letztwillig vermacht hatte, daß darin alten Leuten der Lebensabend verschönt werden sollte. Da hierin nur etwa ein Dutzend Personen untergebracht werden konnte, so stand der Kreis vor der Notwendigkeit, weitere Gebäude zu beschaffen. Zunächst wurde das der Stadt Salmünster gehörige Armenhospital auf den Kreis übernommen und ebenso wie das Siechenhaus in Eckardroth für feine erweiterten Zwecke hergerichtet. Ein drittes Krankenhaus wurde in der Stadt Steinau neu erbaut und eine vierte Anstalt durch Amnietung des städtischen Hospitals in Schlächtern gewonnen. Ein fünftes Haus war für Sterbfritz vorgesehen, doch entschloß sich der Kreistag schließlich zum Neubau eines Kreiskrankenhauses in der Kreisstadt unter Wiederaufgabe des von der städtischen Verwaltung angemieteten Spitals.
Diese außerordentliche Anstrengungen vollzogen sich in rascher Folge von 1891—1897.
Die verhehlte sich nicht, daß eine
solche Dezentralisation der Krankenhauspflege eine gewisse Zersplitterung der Kräfte in sich bergen mochte. Doch sagte sie sich andererseits, daß hierdurch eine schnellere und leichtere, in unserem Bergland doppelt willkommene Unterbringung von Kranken in Anstalis- pflege ermöglicht werde, als wenn man an einer Stelle des Kreises ein großes, für die Kranken aus allen Gemeinden bestimmtes Haus errichtete. Auch wollte man den der hiesigen Bevölkerung nicht gerade leicht fallenden Entschluß, ein Krankenhaus aufzu- suchen, fördern. Sicherlich durfte man eine größere Bereitwilligkeit erwarten, wenn die Krankenanstalten so nahe dem heimatlichen Dorfe blieben, daß die Angehörigen sich zu läufigen Besuchen einfinden konnten.
Die Organisation der Kreisarmenpflege war also im Fahre 1897 fürs erste beendet.
Die Zahl der von 1892 bis 1912 vom Kreise versorgten Armen und ihre Verteilung auf die verschiedenen Arten der Kreisarmenpflege ergiebt sich aus der nachstehenden Übersicht.
Kreisarme:
1.
Jahr
2.
Gesamt- zahl (Jahresschluß)
3.
Davon waren gebrach in Kreis- in aus- kranken- wärtiaen
unter-
Privatpflege
Häusern
Anstalt.
1912
87
28
38
21
1911
88
26
38
24
1910
98
35
38
16
1909
91
31
35
25
1908
86
26
34
26
1907
89
26
35
28
1906
98
29
38
26
1905
96
31
33
32
1904
90
82
32
26
1903
83
32
31
20
1902
81
30
30
21
1901
82
27
27
28
1900
88
34
25
29
1899
77
24
22
31
1898
88
34
22
32
1897
82
38
18
26
1896
85
36
17
32
1895
92
38
19
25
Kreis arme:
1.
Jahr
2.
Gesamtzahl (Jahresschluß)
Davon
in Kreiskrankenhäusern
3.
waren gebracht in ans- märtigen Anstalt.
unter-
Prioat- pflege
1894
88
42
16
30
1893
78
42
16
20
1892
63
29
18
21
Man sieht aus dieser Übersicht, daß die Zahl der Kreisarmen aller Art von anfänglich 63 bei einer Einwohnerzahl von rund 28 500 zuerst rasch, dann langsamer stieg und im Fahre 1905 (Einwohnerzahl 29 600) mit 96 den Höchstbestand erreichte, daß sie dann allmählich und schwankend bis auf 87 im letzten Fahre (1912 Einwohnerzahl 32 000) sank. Gewiß wird man die Ursache der Verminderung der Kreisarmen trotz der Zunahme der Bevölkerung gu einem Teil in der Wirkung der sozialen Versicherungsgesetzgebung des Reiches suchen müssen. Denn der Besitz einer Fnvalidea- oder Altersrente wird gar manchen vor der Hilfs- bedürftigkeit bewahrt haben. Vielleicht ist man auch berechtigt, jenes langsame Sinken zu einem weiteren Teil auf die Besserung der Erwerbsverhältnisse in den letzten 7—8 Fahren zurückzuführen. Vielleicht aber auch nicht. Die Gelegenheit zu höherem Verdienst im Kreise ist zwar unleugbar vorhanden. Wenn man aber bedenkt, daß im laufenden Jahre 1913 die Zahl der Kreisarmen wieder beträchtlich steigen wird, und wenn man die Schwankungen aus den Fahren 1909 mit 91 und 1910 mit 93 dazunimmt, so scheint es wahrscheinlicher, daß gerade die erhöhte Steuerkraft mancher Gemeinden den Gemeindebehörden den Antrag auf Übernahme eines Ortsangehörigen in Kreisarmenpflege erleichtert! Und, da die wirtschaftlichen Zustände sich im Kreise hoffentlich noch weiter verbessern werden, (z. B. durch die zunehmende „Verkoppelung", durch die Bekämpfung der Güterschlächterei, durch Meliorationen u. a. m.), und wohl auch die Einwohnerzahl weiter zunehmen wird, so wird man also auch in Zukunft die Zahl der jährlich zu versorgenden Kreisarmen als mindestens gleichbleibend ansehen müssen.
Nicht ganz ausgeschlossen wäre auch, daß das Gefühl, den Armen und Schwachen verpflichtet zu sein, (das sogenannte „soziale Empfinden") bei unseren heutigen Gemeindebehörden hier und da schon stärker entwickelt ist, als bei ihren einstigen Vorgängern im Amte.
Aus der Übersicht geht weiter hervor, daß die Zahl der in den Kreiskrankenhäusern und in Privatpflege versorgten Hilfsbedürftigen auffallend unverändert geblieben ist. Mithin ist das Mehr der Kreisarmen gegen 1892 hauptsächlich in auswärtigen „Spezialan stalten" untergebracht worden. Diese Erscheinung entspricht durchaus bem Zuge der Zeit nach spezia- listischer Behandlung, die wohl mit der außerordentlichen Vervollkommnung der letzteren ursächlich zu- sammenhängt.
Nun dürfte aber auch sehr interessieren, wie sich die Kosten dieser neuen freiwillig übernommenen Kreis last gestaltet haben. Das zeigt die Entwicklung, wie aus der nachstehenden Tabelle II hervorgeht, ein ganz anders Bild.