Seite 50 iDsssssssiD-ssss-scD-s-sssss Unsere Zeitnot rs-sss-s-scDcscD-s-ssiSLD-s-sss-Dss-D Nr. 5
grossen burd) den Krieg erlittenen Verlusten noch so große Vaterlandsliebe besaß, daß er mit bedeutenden Geldopfern (1000 Gulden würde nach dem jetzigen Geldwert etwa 3—4000 Mk. entsprechen) einen Sohn ausrüstete unb zur Verteidigung seines Vaterlandes freiwillig hingab, so ersehen wir, daß es vor 100 Jahren auch in unserem Hessenlande an Opfermut, Hingabe von ®ut und Blut für die Befreiung des Vaterlandes von schmachvoller Fremdherrschaft nicht gefehlt hat und dem würdig zur Seite steht, was auch in Preußen zu jener Zeit dargebracht wurde. Das dankerfüllte Herz des Urenkels treibt ihn dazu, auch der ein- zelneu Personen zu gedenken, die sich damals durch Opfermut besonders auszeichneten, wozu er mit berech- tigtem Stolz auf feinen Urgroßvater zählen kann. —
Wir schließen mit den Worten unseres Kaisers unb Königs, die er bei seiner jüngsten Anwesenheit in Bremen an den dortigen Oberbürgermeister richtete: „Wie damals ist heute unserem Volke die Aufgabe gestellt, seine Wehr- Haftigkeit zu stärken, seine Wehrkraft auszubauen unb es den Vorfahren vor 100 Jahren gleichzutun an patriotischer Opferfreudigkeit und Opferwilligkeit."
Bemerkungen: 1. Die Zinkhan'sche Apotheke befand sich damals in dem jetzt Adlerschen Hause, Brückenauer- straße Nr. 1.
2. Moritz Zinkhan war damals stud. med. in Würzburg j er war geboren 26 /5. 1793 und starb am 13. April 1851 als Kreisphysikus und sehr gesuchter und beliebter Arzt im sog. Schlößchen in Schlächtern.
/lus den Pfarreichroniken von Nottgers, Marjoß und Schlüchtern.
er Pfarrer von Mattgers schreibt: Die damalige Seit brächte außerordentliche Ereignisse hervor und regte in den Völkern die bisher schlummernden oder unterdrückten Kräfte gewaltsam auf. Soviel wir auch früher gelitten hatten, so freue ich mich doch, in dieser Zeit gelebt 311 haben. Seit dem Anfang der französischen Revolution waren ungewöhnliche Begebenheiten Schlag auf Schlag, gleich als in einer laterna magica, vor unseren Augen vor- übergegangen und hatten uns zum Teil hart berührt. Ihre Quellen waren meist trübe und ihre Wirkungen traurig: doch wurden auch dadurch Ideen in Umlauf gebracht, welche früher oder später der Menschheit heilsam sein müssen. So war es auch eine Folge des durch sie hervorgebrachten Drucks, daß das religiöse Bedürfnis unter den besiegten Völkern erwachte und der Gedanke an Gott die Herzen wieder erwärmte. Man konnte es nicht verkennen, es war der von so manchen verlachte fromme Glaube, der den Mut der Verzagten erhob und ihre gesunkenen Arme stärkte. Er tat fast Wunder und weckte eine Begeisterung, die weder die Befehle der Fürsten iwd) der gewöhnliche Ehrgeiz der Armeen früher hatte Hervorbringen können. — — — —
Am zweiten Weihnachtstage 1813 versammelte ich in der Kirche zu Weichersbach sämtliche Soldaten und zum Dienst gezogenen Rekruten meiner Pfarrei und reichte ihnen, in Gegenwart ihrer Eltern und Verwandten und einer großen Menge Zuhörer, vor ihrem Ausmarsch gegen den gemeinschaftlichen Feind das hl. Abendmahl. Zugleich predigte ich über 1. Ioh. 3, 16 mit dem Thema: Wie Jesus sein Leben ließ für die Brüder, so sollen auch wir bereit sein, es für sie hinzugeben, wenn es die Pflicht fordert, und suchte den Wegziehenden noch manche gute Lehre mitzugeben. Ich durfte hier freier sprechen, da mein eignet Sohn den Feldzug freiwillig mitmachte. - Bei ihrer Zu- rückkunft aus Frankreich empfingen sie in eben der Kirche das heilige Mahl wiederum gemeinschaftlich, und beide Feierlichkeiten verfehlten den beabsichtigten Eindruck nicht. — Es blieben 7 Mann aus meiner Pfarrei in diesem Feldzug -vor dem Feind, mehrere wurden verwundet und andere stürben an Krankheiten. Für die
Kranken und Verwundeten verunstaltete ich nur Pfingsten 1814 eine Kollekte in meinen Gemeinden, welche von den dortigen Lazarettdirektionen ausgeteilt wurde und wovon es einem ungefähr 5 fl trug. —--
Am 1. März 1814 wurde wegen der Einnahme der Stadt Paris ein zweites Dankfest gefeiert, wobei 511= gleich, nach ergangener Verordnung, Tafeln, worauf die Namen sämtlicher aus der Pfarrei gebürtiger Vaterlandsverteidiger ausgezeichnet waren, zu ihrem Andenken in den Kirchen aufgehangen wurden. Nach geendigter Predigt wurden diese Tafeln unter dem Ge- läute der Glocken von den Ortsvorständen unb einer beträchtlichen Zahl junger Mädchen, den Schwestern oder nächsten Anverwandtinnen der Soldaten, aus dem Pfarrhause abgeholt unb auf dem Altar niedergelegt. Hierauf wurde von mir noch eine Rede gehalten und die Namen der Soldaten abgelesen, sodann aber die Tafeln den Vorständen wieder übergeben und von ben= selben in den verschiedenen Ortskirchen aufgehangen. Die Schwestern der noch lebenden Soldaten trugen bei dieser Gelegenheit bunte Kränze / diejenigen aber, deren Brüder geblieben oder an Krankheit gestorben waren, waren in Trauerkleidung mit schwarzen Kränzen. Ein Mädchen von hier, dessen Bruder tot war, fiel beim Verlesen seines Namens neben dein Altar in epileptischen Zuckungen nieder, was auf der einen Seite eine unangenehme Störung verursachte, auf der andern aber auch tiefe Teilname bei dieser traurigen Wirkung der Geschwisterliebe erregte. — — — —
Bei dem Rückzug der Franzosen aus Rußland verbreitete sich fast an allen Orten, die sie berührten, das Nervenfieber und auch die hiesige Gegend blieb nicht verschont. Es war so bösartig, daß sich Kurfürst!. Konsistorium dadurch bewogen fand, alle öffentlichen Leichen und alle Feierlichkeiten dabei, unter dem 18. Dez. 1813, zu untersagen, um die Gefahr der Ansteckung 311 mindern. Jedoch konnte diese Perordnung unter dem 21. September 1814 wieder aufgehoben werden. — — — —
Das Schlüchterner Kirchenbuch meldet aus den Jahren 1806—1813 nur sehr wenig Außergewöhnliches, da Pfarrer Eberhard mit seinen Aufzeichnungen über