Nr. 5 SXSSSSrDSSSrD-ScScSSS-SSS-S-SiD-S Unsere Heimat ®@@®®s>®®si®®(ä>®®®0®®®®® Seife 49
Der Kaiser unterhielt sich auch eine geraume Zeit mit seinem Wirt, dem Rektor Hasselmann. „Welche Stelle bekleiden Sie?" fragte er den Eintretenden; „lesen Sie die Messe? Wie lange ist das Kloster schon aufgehoben? Wie viel Besoldung bekommen Sie? und woher erhalten Sie solche?" Der Rektor antwortete, daß der Gehalt zu seinem Lebensunterhalte nicht ausreiche und er sich durch Erziehung junger Leute noch etwas zu verdienen suche. Napoleon erkundigte sich ferner nach der Zahl der Zöglinge, nach den Lehrgegenständen und nach der Zahl der Professoren. „Ist das Volk mit dem Fürsten zufrieden?" fuhr der Kaiser fort. Antwort: Das Volk wünscht allgemein den Frieden. Napoleon: Gut, aber ich frage, ob das Volk den jetzigen oder den vorigen Fürsten lieber wünscht? Rektor Hasselmann: Ich rede mit Freimütigkeit, Sire, die allgemeine Stimmung ist für den vorigen Fürsten. Napoleon mit Verwunderung zu dem Groß- stallmeister Containcourt sich wendend: Hat das Volk etwa mehr Abgaben? — Nun erkundigte er sich noch nach der Stärke der vormittags durchpassierten Kosaken, nach dem Inhalt der neuesten Zeitungen und besonders wollte er Kunde haben über den Marsch der Bayern; er entließ den Rektor und befahl, den Postmeister vor- zubescheiden, welcher auch alsbald erschien und über die Ankunft des letzten Kuriers und besonders über die Beschaffenheit der Straße nach Gelnhausen berichten mußte. Am Freitag den 29. Oktober, früh zwischen 7—7^2 Uhr, verließ der Kaiser Schlüchtern; er reifte mit eigenen Pferden und wurde von zwei reitenden Postillonen begleitet.
Während des Aufenthaltes Napoleons in Schlüchtern biwakierte der Hauptteil der französischen Armee, darunter auch die Kaiserliche Garde, zirka 50—60 000 Mann, in der Stadt und ihrer nächsten Umgebung; im Klosterhof, Mauerwiese und in sämtlichen Straßen lagerten die Truppen. Mit Gewalt wurden alle Wohnungen und Nebengebäude eingenommen.
Unsäglich hatten die armen, geängstigten Bürger Schlüchterns zu leiden, groß waren die Opfer an Geld, Lieferungen, Einquartierungen, Vorspann usw.
Hunderte von Wach- und Biwakfeuern loderten in allen Straßen empor; auch inmitten der Zimmer und Scheunen günbeten die Soldaten große Feuer an; an manchen Stellen brachen zwar Brände aus, doch ohne wesentlichen Schaden anzurichten, da es zum Glück oft und viel regnete.
Vier Tage im ganzen dauerte der Durchzug der französischen Armee. Betäubend war das kolossale Geräusch, welches die vielen Kanonen-, Munitions- und Bagagewagen verursachten und welches vom frühen Morgen bis in die tiefe Nacht hinein währte.
Unter diesen trostlosen Umständen, da man bei den rohen Horden keinen Augenblick sicher war, auch an Lebensmitteln großer Mangel herrschte, verließen viele Einwohner, die es einigermaßen ermöglichen konnten, die Stadt und flüchteten in die Wälder und abseits gelegenen Dörfer. Auch der Urgroßvater des Verfassers, mütterlicherseits, der Apothekenbesitzer Zinkhan, dein es in seiner Apotheke besonders übel ergangen war, flüchtete mit Weib und Kind nach Neuengronau. Er hat darüber, wie es vor 100 Jahren bei der großen Retiradc in Schlüchtern zuging, handschriftlich in einer in unserem Besitz befindlichen Familienchronik Aufzeichnungen hinterlassen, die wir nadjftetjenb wörtlich wiedergeben.
1813. „Dieses Jahr war ein trauriges und schrecken- volles Jahr für unsere Stadt und umliegende Gegend gewesen, denn nach allen ausgestandenen Kriegslasten erfolgte zuletzt der 25., 26., 27. Oktober, wo die ganze französische Armee etwa 150 000 Mann hierdurch unsere Stadt retirirte; den 28ten kamen die Kosaken und plünderten uns bis gegen Mittag, wo allsdann die Kosaken wieder abzogen, und die ganze französische Armee mit dem Kayser Napoleon hier eintrafen. Bei diesen fürchterlichen Aussichten ging ich und meine Frau, und meine 3 Söhne und Schnur Mine von hier, von hier weg und ließen Haus unb Hof alles im Stich und flüchteten uns 3 Stunden von hier nach Neuengronau zu dem dazumaligen Herrn Pfarrer Buh, ein guter Freund und naher Anverwandter von uns; wir blieben in Neuengronau oom 28. Oktober bis den 9. November, wo in dieser Zwischenzeit die Kayserliche Preußische und Russische Armee von 300 000 Mann, denen Franzosen auf dem Fuße nachmarschirten, und das Ganze, was die Franzosen noch zurückgelassen hatten, alles noch aufzehrten und mit Gewalt Mitnahmen. Den 9. November gingen wir von Neuengronau wieder nach Haus, fanden aber alles in der traurigsten Lage. Mein Keller war ganz ausgeplündert an Oel, Wein und Branntwein, ein Schaden von wenigstens 1000 Reichsgulden erlitten. In meinem Haus waren die Thüren und alle Schränke eingeschlagen, Kleider, Weißzeug, Betten und Waren- artikel nieistens ruinirt und das beste mit fortgenommen. Doch hat uns der liebe Gott unser Haus und Hof für Feuer bewahret, und wir doch wieder unter unser Obdach goljen konnten, wie wohl es im Kloster die ganze Scheuer abgebrannt und auch in der Stadt fast in einem jeden Haus gebrannt hat, und doch hat der liebe Gott bem Feuer Einhalt gethan. Nachdem wir nach Haus gekommen waren, fehlte es an den meisten Nahrungsmitteln, so daß man fast für baares Geld nichts haben konnte und dabei beständige Einquartirung, und was das traurigste noch war, so wüthete das pestartige Faul- und Nervenfieber, woher in der Stadt und auf dem Lande viele Hunderte in kurzer Zeit starben. Doch hat uns der liebe Gott bei diesem traurigen Schicksal gesund erhalten unb leben lassen, wie wohl meine beiden Söhne Peter und Moritz auch krank waren, doch gottlob wieder gesund geworden sind.
Nach biefem wurde alle junge wehrhafte Mannschaft zum Kriegsdienst aufgerufen, um das Vaterland zu befreien. Bei diesem Aufruf ist mein 2ter Sohn Moritz mit zu Felde gezogen als freiwilliger hessischer reitender Jäger. Ich habe meinen Sohn, um das Vaterland zu verteidigen auf meine eigene Kosten ausgerüstet, mit Pferd, Sattel und Zeug und ganze Armetur Summa alles, was ein Cavalerist zum Kriege nötig hat, so daß mich die ganze Kriegsausrüstung über 1000 fl. gekostet hat. Mein Sohn hat den ganzen Feldzug mitgemacht doch gottlob wieder gesund und grabe wieder in sein Vaterland zurückgekommen.
1814. Den 30. März haben die verbündeten Armeen die Stadt Paris erobert und eingenommen und nach diesem ist Friede geworden, wo wir aber nach dem Rückzüge, von der Russischen und Preußischen Armee wieder burct) Einquartirung erstaunlich gelitten haben, so daß wir fast täglich hohe Offiziers und Generale mit vielen Bedienten im Quartir gehabt haben."
Wenn ein Mann, ein auf Gott vertrauender Patriot wie Apotheker Zinkhan in Schlüchtern, nach so