Seite 48 <L>S>S>L>!Z>!D<Z>!S>S>SSSSrZ>SS>SL>!SS>!Z>!D Unstete Heimat <L>SSSS>!Z>!D!D-ScSLSiZW>!I!D!DS!I!SS>-S Nr. 5
genommen, und als er sich beschwerte bei dem Offizier, dieser ihm einen Fußtritt gegeben habe. Ein Kressen- bacher namens Schmidt sollte als Knabe den Franzosen den Weg nach Salz zeigen, er entlief ihnen und verkroch sich in die Hundshütte.
Es kamen aber auch edle Handlungen vor bei Freund und Feind. In Nr. 6 des Heimatblattes von 1909 wurde bereits erzählt, wie ein Steinauer, namens Jakob Denhard, gefangene Preußen aus der Katharinen- Kirche befreite und dafür beinahe in Gelnhausen erschossen worden wäre.
Ferner erzählt man sich, daß im Krieg 1870—71 ein greiser Franzose durchziehende deutsche Soldaten danach gefragt habe, ob keine Steinauer unter ihnen wären. Er wolle denselben vergelten, was im Jahre 1813 die Metzgerfamilie Karl Doll an ihm Gutes getan
hatte. Sie hatte ihn vor den Kosaken verborgen und als Metzgerbursche bis nach dem Krieg behalten.
Auch das lutherische Kirchenbuch erzählt von solchen gelungenenFlucht- und Berbergungsversuchen: Am 10. Nov. 1808 wurde zu Steinau David Pianch aus Westpreußen, welcher als preußischer Soldat aus französischer Gefangenschaft vor zwei Jahren entkommen und sich in Marjoß aufgehalten hat, mit Anna Margarete Lotz kopuliert. Ebenso entrann mit ihm ein Soldat Bolcwsky, der seinen Namen hernach in Marjoß in Bößler verdeutschte.
Noch manche Uniformstücke und andere Erinnerungen aus der Seit vor 100 Jahren sind auf den Hausböden vergraben. Möchten sie hervorgeholt und gesammelt werden nach dem löblichen Beispiel des Heimatblattes, welches der Vergessenheit entreißen und retten will, was noch zu retten ist. jL RönchelS, Pfr.
Heitrag zur Geschichte der französischen Ketirade öurch die Stadt Schlüchtern
Enüe Oktober
mitgeteilt von Kgl. Forstmeister
Donnerstag, dem 28. Oktober 1813, einem trüben, regnerischen Tage, zwischen 3—4 Uhr nachmittags, hielt Napoleon, welcher am Tage vorher sein Hauptquartier in Hünfeld gehabt und zwischen 9 — lOUhr Fulda passiert hatte, inmitten eines glänzenden in Mäntel gehüllten Generalstabes, an dessen Spitze der Fürst v. Wagram, Major-General Alex. Berthier u. a. sich befanden, seinen Einzug in Schlüchtern, welches Städtchen er, der früher für unüberwindlich gehaltene und jetzt auf dem Rückzug befindliche, bei Leipzig gründlich aufs Haupt geschlagene Feldherr mehrmals (1807, 1809 und noch im Sommer 1813) als Sieger durchzogen hatte.
Der in seinen Gesichtszügen keinen Kleinmut verratende Kaiser (hatte er doch in Fulda von dem dortigen Postmeister Oswald ziemlich sicher erfahren, daß der Engpaß im Kinzigtale bei Wirtheim nicht von feindlichen Truppen besetzt sei), unter dessen schlichtem, grauen, offenen Überwurf eine einfache Chasseur- Uniform mit Stern hervorleuchtete, und welcher einen kleinen, dreieckigen, schwarzen Hut mit der Trikolore als Kopfbedeckung trug, begab sich, die Obergasse herkommend, direkt ins Kloster, wo er bei dem Rektor des Gymnasiums, Hasselmann, Wohnung nahm. Das Kloster war schon vorher als ein „feuerfestes" Gebäude mit vieler Vorsicht als Nachtquartier gewählt worden.
Erst wenige Stunden vor dem Einzüge Napoleons hatten die letzten Kosaken die Stadt verlassen; auch konnte man am Morgen dieses Tages österreichische und bayerische Kavallerie und Infanterie über die Gebirgs- Höhen (Hohenzellerberg 2c.) links des Kinzigtales ziehen sehen, welche die Absicht hatten, bei Salmünster aus- zubrechen und die Franzosen abzuschneiden. Um 7 Uhr sprengten die ersten Kosaken in die Stadt, später das ganze fliegende Corps von Czernicheff und Orloff-Denifon, ca. 5000 Mann. Anfangs als Befreier begrüßt, merkte man bald, daß sie noch schlimmer als die Franzosen waren. Dieses undisziplinierte Streifkorps hauste, wo es
Senner in Wolfgang bei Hanau.
hinkam, durch Plündern und Beutemachen sehr übel. In den Speisen waren die Kosaken nicht wählerisch, ihr Verlangen war vorzugsweise auf: „capustri — Sauerkraut" gerichtet, und die Menge des für sie benötigten Branntweins war kaum aufzutreiben; man suchte sich mit einer Mischung von Spiritus, Wasser und reichlich gestoßenem Pfeffer zu helfen, welche gleichwohl das Lob „dowery" — gut — erhielt. Sie ritten auf kleinen struppigen Pferden, mit denen einige einen eigentümlichen Handel trieben; sie verkauften diese z. B. gegen einen „großen Thaler" (Doppelthaler oder Doppelgulden), wußten es aber dann schlauerweise so einzurichten, daß die Pferde von ihren Kameraden den Käufern wieder weggenommen wurden. Viele gefangene Franzosen mußten in vollem Trabe neben den Pferden herlaufen, manche waren auch mit Stricken an die Ringbügel gebunden. Zurückgetriebene wurden mit den langen Lanzen aufgespießt. So saß z. B. auf dem Eckstein an dem dem Rathause gegenüberliegenden Hause (früher Tuchladen des Kaufmann Stern) ein kranker, ganz erschöpfter Franzose, als ein die Obergasse herabsprengender Kosak ihn mit seiner langen Lanze einfach durchbohrte. Gegen Mittag verließen die Kosaken Schlüchtern, nachdem sie oberhalb der Stadt auf der Leipzigerstraße einen Verhau angelegt hatten, um die nachdrängende französische Armee aufzuhalten. Diese drang indessen unaufhaltsam vor, unb nach einigen Stunden schon, nach dem Abzug der Kosaken, kam, wie schon erwähnt, Napoleon an.
In der im Kloster genommenen Wohnung fühlte er sich recht behaglich, da es an nichts fehlte, an allem Überfluß war; dagegen litten die Soldaten an größtem Mangel und suchten sich bei den Bürgern des Städtchens das Erforderliche an Lebensmitteln mit Gewalt zu verschaffen.
Der Fürst von Neufchatel, welcher sein Zimmer auf bem ersten Vorplatz der Klosterwohnung hatte, ging ab und zu; er und der Großstallmeister speisten mit dem Kaiser; für das Gefolge war ein anderes Zimmer bestimmt.
*) Trotz einiger Wiederholungen (Vergleiche Seite 67 des 1. Bandes von „Unsere Heimat") unverkürzt wiedergegeben.