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Seite 46 ®®®®®®®®®®®®®®®®®®®®® Unsere Heimat ®®®®®®®®®®®®®®®®®®&®®® Nr. 5

hatten zahme Eichhörnchen auf dem Tornister sitzen oder Elstern, Raben u. dergl. Sie marschierten schnell, weil sie auf der Flucht vor dem Erzherzog Karl waren. Ganze Herden Kühe, Schweine, Schafe usw. folgten den Regimentern. Die Leute wurden gezwungen, Heu und Stroh herzugeben, sie schleppten Holz, Stühle, Bänke u. dergl. auf die Wiese, um Wachtfeuer anzu- machen; in unserem Bienengarten hatten sie ein Geländer verbrannt.

Viele hatten Bauernpferde, und manche hatten Bauern­mützen auf; dann und wann sah man auch Gefesselte mit zerlumpten Kleidern, die Hände mit Ketten oder Stricken auf den Rücken befestigt, zwischen den Re- gimentern mitmaschieren; die Leute sagten, es seien gefangene Spione. Viele Soldaten trugen ihre Arme in Binden oder Tücher um ihre verwundeten Köpfe, viele Wagen voll Verwundeter und Sterbender folgten. Das Zusehen

beim Vorüberfahren machte uns besonders viel Vergnügen; da waren oft vor eine Kanone zehn Bauernpferde gespannt, worauf geschlagen wurde, um schneller fortzukommen. Bei den Durchzügen fing schon eine Viehseuche an, und nach­her ging beinahe alles Vieh darauf.

Das waren die ersten Truppendurchmärsche und Drangsale, die Steinau erlebte, sie begannen schon im Jahre 1792 und hörten vorm Jahr 1794 nicht mehr auf. Infolge des Ankaufes der Ernte für die Armee stiegen die Preise ins Ungeheuere; das gemeine Volk wußte nicht mehr, woher das Geld nehmen für das täg­liche Brot. Und als im Frieden zu Basel eine durch das Deutsche Reich gehende Grenzlinie fest­gesetzt wurde, hatten die Ein­wohner von den ewigen Kontributionen viel zu leiden.

Maire Lotich.

Es erging ihnen, wie es in der Bibel steht: Die wilden Horden bedeckten wie Heuschrecken das Land und fraßen alles Kraut und alle Früchte auf den Bäumen und ließen nichts Grünes übrig im ganzen Land.

Im Jahre 1796 standen die Rhönbauern auf und fegten die Feinde zum Lande hinaus. Aber, als General . Bonaparte aus Ägqpten zurückkehrte und sich am 9. November 1799 in Paris auf 8 Jahre zum Konsul der französischen Republik wählen ließ, da ging es wie ein Donnerwetter über die deutschen Länder los. Aus dieser.napoleonischen Seit, die ganze 14 Kriegs- jahre währte, können nicht mehr Menschen, aber alte Häuser in Steinau erzählen. Da ist zuerst das gräflich hanauische Schloß, das fdjon die Seiten des 30 jährigen Krieges mitgemacht hat und es sich jetzt gefallen lassen muhte, zeitweise als Staatsgefängnis zu dienen unb dementsprechend sein Aussehen im Seitenflügel zu verändern. Da sind ferner die Katharinenkirche und die Reinhardskirche, welche so oft Truppen einquartiert sahen, daß gar kein Gottesdienst gehalten werden konnte.

Unter actum Steinau 7. August 1814 zeigten die Herrn lutherischen Kirchenvorsteher an, dah, da durch die Fran­zosen das Altartuch sei mitgenommen, so bäten sie den Pfarrer Sommer, deshalb dem Fürstlichen Konsistorium zu berichten und um Erlaubnis zur Anschaffung eines neuen Altartuches zu bitten. Und der reformierte Pfarrer Schlemmer schreibt: 3m Oktober des Jahres 1813 erfolgte der schreckliche Rückzug der Franzosen nach der Schlacht bei Leipzig. Das ganze Pfarrhaus wurde ausgeplündert, die zwei silbernen Abendmahlskelche geraubt, worauf ich zwei andere zinnerne für 4 fl. mußte kommen lassen.

Wie es da den Einwohnern ergangen ist, soll ein anderes Haus erzählen. 3 m Hause Nr. 47 lebten zwei alte Leute Creutz. Er war ein starker Mann. Als kinderlose Leute hatten sie zwei Kinder angenommen, deren Eltern, Kaspar Schien und Elisabeth geb. Creutz, am 20. November 1813 in einer Stunde in der Retirade

umgebommen sind. Wie? verschweigt das Totenbuch. Diese Eheleute Creutz l)allen 300 fl. unter dem Krautfaß vergraben, aber es kamen 7 Franzosen, die plünderten das Haus, fanden das Geld und schändeten die Frau. Der angenommene 14 jährige Schien hatte sich auf dem Boden hinter Dem Hanf ver­steckt und war, als die Franzosen ihn entdeckten, durch einen Sprung nach der Bodentreppe entkommen. Ein Pallaschhieb, der ihm gegolten, traf die Bodentreppe und hinterließ eine tiefe Spur. Als der alte Creutz dazu kam, er­schlug er alle 7 und flüchtete hernach in den Eisenberg.

Vor seinem Tode lieh sich der alte Schien, der ein geschickter Küfer war und am Heidel­berger Faß mitgearbeitet hatte, noch einmal die Stelle zeigen, wo er dem Todeshieb ent-

gangen war. Auch auf dem Krugbau wurden plünbernbe Franzosen von den Söhnen des Besitzers, die über das raubende Gesinde! empört waren, erschlagen. Vor den Toren der Stadt liegt mancher Soldat begraben, der an seiner Wunde gestorben ist oder von ben Kosaken mit der Lanze getötet wurde. 3m letzten Herbst stieß man bei Legung einer Wasserleitung auf ein Skelett, und alsbald erinnerten sich die älteren Leute, von ihren Eltern gehört zu haben, daß hier ein feindliches Lager sich befunden und die Toten an Ort und Stelle eingescharrt worden seien. Bewunderungswürdiges muß der damalige Bürgermeister Pauli geleistet haben, denn er mußte die Befehle der Befehlshaber ausführen und ihre Wünsche erfüllen, er muhte auch seine Steinauer nach Möglichkeit schützen. Aus seiner beschwerlichen Amtszeit finb auf dem Rathaus noch Akten vorhanden, die über die Einquartierungslast Licht verbreiten. Ein Aktenstück lautet: Rechnung über das Brot aus dem Steinauer Magazin de anno 1805 und 1806. Es waren im Dezember 1805 und im Januar 1806 einquartiert in