Nr. 5 &&‘&®‘s&&&&<2><s><s>‘s>&&&&&<2>®&<s> Unsere Heimat iSiSiScsÄnSiDSiSiSSiSrs-AssiSSLSss Seite 45
armen Ortschaften auf viele Jahre hindurch zu Grunde gerichtet sind. Wir haben vergangene Woche drei Tage hintereinander über 10 000 Mann, worunter sich zwei Regimenter Reiter befanden, verpflegt, wobei nicht bloß unser Borrat an ausgedroschener Frucht gänzlich aufgezehrt, sondern auch das ungedroschene Getreide fouragiert ist, und wodurch sich ein großer Teil der hiesigen Untertanen schon seit mehreren Tagen ohne Brot für sich und ohne Nahrung für sein Vieh befindet. Doch alle diese ü belauften Leiden würden noch mit Ergebung getragen und diese schweren Opfer willig dargebracht worden sein, wenn wir nicht noch in täglicher und stündlicher Gefahr schweben müßten, durch herumschweifende Nachzügler unseres letzten Eigentums und selbst unseres Lebens beraubt zu werden. Schon haben mehrere hiesige Untertanen durch Schrecken ihren Tod gefunden, und ein bösartiges Fieber macht hier, durch Schrecken und Angst genährt, reißende Fortschritte. Getränke, Wein, Branntwein sind hier um keinen Preis mehr zu haben, da auch die Borräte der hiesigen Wirte ein Opfer des allgemeinen Unglücks geworden find. ZuEw. hochgräflichen Exzellenz nahen wir uns in unseren bedrängten Umständen, von denen ich nur ein schwaches Bild entworfen habe, mit der flehendlichsten Bitte, Hochdieselben möchten doch dero vielgeltendes Borwort anwenden, um eine Erleichterung und vorzüglich Schutz und Sicherheit für unsere Person und Eigentum gnädigst zu erwirken, da ein gemeinschaftliches Gesuch der in hiesiger Gegend angestellten Beamten an seine hochfürstliche Durchlaucht, den Fürsten Schwarzenberg, um Schutz und Sicherheit für unsere Gegend bisher
ohne Erfolg blieb. Meines gnädigsten Grafen und Herrn untertänigster Diener Kreuter.
In dem letzten Brief wird erwähnt, daß die Wirte alle ihre Borräte hergeben mußten. Der Vollmerzer herrschaftliche Wirt Erasmus Fink wurde am 30. Oktober, an dem 5000 Kosaken Bollmerz passierten, alles los, und nicht nur das Eß- und Trinkbare, auch seine Fässer, seine schön gedeckelten Krüge, sein Weißzeug. Er berechnet seinen Schaden auf 212 Gulden. Der der Gemeinde Bollmerz erwachsene Berlust wurde auf 3600 Gulden taxiert.
Als die französischen Heere den deutschen Boden verlassen, war es auch mit bem Großherzogtum Frankfurt zu Ende. Am 2. Dezember 1813 wurden die ehemals kurhessischen Landesteile dem Kurfürsten von Hessen zurückgegeben. Waren unsere Vorfahren nur gezwungen den französischen Fahnen gefolgt, jetzt, wo es gegen Napoleon ging, den seitherigen Bedrücker, erwachte auch hier in unserer Heimat eine heilige patriotische Begeisterung. Viele eilten freiwillig zu den Fahnen. Einer Aushebung bedurfte es nicht. Im Zeitraum eines Vierteljahres stellte das ehemalige Großherzogtum 3 Bataillone Linieninfanterie, 3 Bataillone Landwehr, 2 Compagnieen Jäger zu Fuß und 1 Compagnie Jäger zu Pferd ins Feld. Bei der Belagerung von Grenoble und Belfort zeichneten sich diese Hessen aus. Auf den Erinnerungstafeln in unseren Kirchen stehen die Namen dieser Freiheitskämpfer eingetragen, und der frische grüne Kranz um die schlichte Tafel soll es bezeugen, daß wir nicht vergessen haben, was wir ihnen verdanken: ein freies deutsches
Vaterland. pfr. Zreunö-Kamholz.
Um 1813 in Steinau.
es in Steinau den Einwohnern vor 100 I Jahren ergangen ist und was sie erlebten, möchte man gern wissen; denn die Erinnerung an die Vergangenheit ist durch die Jahreszahl 1913 so lebendig geworden und noch lebendiger dadurch, daß allenthalben Jahrhundertfeiern gehalten werden. Aber von den alten Steinauern aus jener Zeit lebt keiner mehr, und leider hat auch keiner derselben seine Erlebnisse dem Papier anvertraut. Das wäre für die Steinauer von heute nicht bloß von großem Interesse gewesen, sondern auch von einem großen Nutzen, denn man würde daraus erkennen, wieviel besser man unter dem Schutz einer starken Regierung und eines schlagfertigen Heeres heutzutage lebt gegenüber der Unsicherheit und Gefahr für Gut und Leben in jener Zeit. Nur einer, auf den die Steinauer stolz sind und der seine Jugendzeit zum Teil in Steinau zugebracht hat, Ludwig Emil Srimm in seinen Erinnerungen, erzählt recht lebendig S. 51 des Buchs von Professor A. Stoll: In den französischen Revolutionszeiten wurde es auch bei uns in Steinau unruhig. Es kamen immerwährende Durch- züge, bald die Franzosen, bald Österreicher, Holländer, Preußen, Mainzer und Hessen; da gab es denn immer etwas für uns zu sehen, und wir waren am Fenster; die gute Mutter war in großer Angst und ließ uns nicht in die Schule und auf die Straße, die Nachzügler von den Regimentern waren meist betrunken, ritten an die Bäckerläden, spießten mit ihren Säbeln das Brot oder bei den Metzgern das Fleisch und ritten schreiend
und galoppierend weiter. Die gefürchteten österreichischen Rotmäntel verkauften gestohlene und geplünderte Sachen aller Art, die feinsten Tischzeuge, Silbergeschirr, Bücher, Porzellan, Becher, Vorhänge und tausend andere Sachen. Abends konnten wir aus unseren Fenstern Hunderte von Wachtfeuern auf der Mauerwiese und in unserem Bienengarten brennen sehen. Die durchziehenden Soldaten hatten geschlachtete Hühner, Gänse, welsche Hahnen, Schinken, Würste, Rindfleisch, Siegenlämmer auf ihren Tornistern hängen und Frauenhalstücher um, und an die Pferdeschwänze waren durchlöcherte Laibe Brot geknüpft. Ganze Wagen voll geschlachteter Ochsen, Schweine, Kälber fuhren nach, die Soldaten marschierten meist in der größten Unordnung. In jeder Nebengasse liefen sie aus dem Regiment heraus, um etwas zu stehlen: kein Offizier kümmerte sich darum; die Holländer waren am ärgsten, die Franzosen am ordentlichsten, alle Brunnen waren mit Durststillenden besetzt und alle Wirtshäuser mit Branntweinverlangenden, die nicht bezahlten. Oft gab es Schlägereien mit den Bürgern und den Soldaten unter sich. Eine Frau hat einem Soldaten, der ihr mit dem Ladestock einen Schlag gegeben, mit einer Wagenkette so auf den Kopf geschlagen, daß er auf der Stelle tot blieb.
Ich entsinne mich vieler französischer Regimenter, die mit klingendem Spiel durchzogen, die Mannschaften aber so zerrissen und zerlumpt waren, daß sie gar keinem Soldaten ähnlich sahen; die meisten hatten keine Schuhe niehr und gingen barfuß, fangen aber und waren lustig. Viele