91t. 5 L)(AA(IB)B)-S(Z)(Z)(Z)AtZ)(Z)tZ)(D(A(S(StZ)<S(Z)tZ) Unsere Zeitnot £s^cs®^£9c§><2><2)<2)<2>cs)<s>(2)<2)<2)c2)cs)<s)<2)<2) Seite 43
Unsere Heimat im Jahre 1813.
on der wunderbaren patriotischen Erhebung, welche dem Jahre 1813 seine einzigartige Bedeutung in der deutschen Geschichte gegeben hat, wurde unsere Heimat verhältnismäßig spät ergriffen, erst im Herbste des Jahres 1813. Das war bedingt durch die politischen Verhältnisse.
Bon 1810—1813 war der Kreis Schlächtern ein Bestandteil des Großherzogtums Frankfurt, das Napoleon durch den Vertrag von Paris (16. Februar 1810) gebildet hatte. Das Großherzogtum umfaßte die heutigen Kreise Frankfurt, Hanau, Gelnhausen (abgesehen von den Isenburgischen Landesteilen), Schlächtern, Fulda, Hünfeld, Gersfeld, dazu Teile von Unterfranken (Aschaffenburg, Hammelburg, Brückenau). Es war, wie die übrigen Rheinbundstaaten, ein französischer Vasallenstaat. Der Großherzog Fürstprimas Karl von Dalberg hielt treu zur Sache Napoleons, auch als 1813 das Kriegsglück anfing, sich von Napoleon abzuwenden. Eine Volkserhebung in unserer Heimat hätte also die Spitze gegen die eigene Regierung richten und revolutionären Charakter annehmen müssen. Dazu ist es nicht gekommen. Zwar regte sich auch bei uns die lang unterdrückte Erbitterung gegen die Franzosen, als Napoleons Macht in Rußland zusammengebrochen war. Zu der Neujahrsnacht 1812/13 wurden in Hanau Bivats auf den russischen Kaiser Alexander und den Kurfürsten von Hessen ausgebracht, die französischen Niederlagen in Liedern verhöhnt, französische Wappen und Fahnen von den öffentlichen Gebäuden heruntergeholt. Auch sonst flammte hier und dort im Lande patriotische Begeisterung auf. Bon französischer Seite fürchtete man eine Volkserhebung, wie sie in Preußen bald nach der Tat Parks eingesetzt hatte. Schnell wurde das Großherzogtum von französischen Truppen besetzt, einige angesehene Hanauer Bürger wurden als Gefangene nach Mainz gebracht, und bald war im Lande allenthalben die Bürgerruhe wieder durchgeführt. So kam es, daß, während im Norden und Osten des deutschen Vaterlandes der Freiheitssturm mächtig die Herzen ergriff, die Freiheitsdichter ihre Weifen sangen, alt und jung zu den Fahnen strömte, alles auf dem Altar des Vaterlandes geopfert wurde — bei uns von dem Anbruch der neuen, großen Zeit wenig zu spüren war. Als im Zahre 1796 im Feldzug gegen Österreich die Franzosen plündernd durch den Spessart zogen und dort barbarisch hausten, da hatte Freiherr von Albini den Aschaffenburger Landsturm organisiert, da sang man: „Auf, auf zum Landsturm! — Werdet stark, ihr Bauern auf dem Land! Eh' ihr verlieret Hab' und Gut — so opfert euer deutsches Blut — Für's deutsche Vaterland!" 9m Jahre 1813 war es still im Großherzogtum Frankfurt. Es scheint doch, als ob unter dem jahrelangen französischen Druck unsrer Bevölkerung Mut und Kraft entfallen war. Man glaubte auch jetzt noch an den Stern Napoleons. Schon wurden in Norddeutschland und in Sachsen die Freiheitsschlachten mit wechselndem Glücke geschlagen, da fanden bei uns noch Aushebungen statt, um die französischen Regimenter im Kampf gegen die deutschen Brüder zu verstärken. Am 21. Juli 1813 wurden die letzten 1600 Mann ausgehoben. Freilich, es war eine Truppe, die keine Ehre einlegen konnte: die Mannschaften undiszipliniert,teilweise nicht mehr kampstüchtig, die. Ausrüstung kläglich. Solche Truppen konnten den Niedergang Napoleons nicht aufhalten. —
Die Schlachten an der Katzbach, bei Großbeeren, Kulm, Dennewitz wurden geschlagen. Erst spät erfuhr man bei uns von biefen Siegen der Verbündeten. Die wenigen unter strenger französischer Zensur stehenden Zeitungen des Großherzogtums schwiegen darüber. Trotzdem blieben die französischen Niederlagen nicht verschwiegen. Die von Tag gu Tag sich mehrenden jammervollen Transporte kranker unb verwundeter Franzosen redeten eine deutliche Sprache. Auf der großen, mitten durch unseren Kreis führenden Leipzig-Frankfurter Heeresstraße suchten diese Transporte den Rhein zu erreichen. Um die Hauptstraße und die an ihr gelegenen Städte und Dörfer etwas zu entlasten, hatte man aber auch auf Seitenstraßen einen Transportdienst eingerichtet. So gingen eine Zeit lang die Transporte von Sulba aus über Okerkalbach, Schwarzenfels, Neuengronau, Orb. In den Dörfern, die berührt wurden, mußten Unterkünfte« stätten für nicht mehr transportfähige Kranke von den Behörden zur Verfügung gestellt werden. Die während des Transports auf den Wegen Verstorbenen ließ man an den Straßen liegen, und sie blieben oft tagelang unbeerdigt.
Als der Großherzog Karl von Dalberg sah, wie sich der eiserne Ring um Napoleon enger und enger zusammen- schloß, besonders als er hörte, daß auch Bayern mit den Verbündeten in Unterhandlungen getreten, da gab er die Hoffnung auf einen Sieg Napoleons auf. Am 30. September übertrug er die Regierung seines Landes seinen Ministern und reiste nach Constanz. Er ahnte wohl, daß es mit der Herrlichkeit seines Großherzogtums für immer aus fein würde.
So war unser Land feinen Regenten los. Nun vollzog sich rasch der Zusammenbruch. Bom 17. bis 19. Oktober wurde die Völkerschlacht bei Leipzig geschlagen. Besiegt mußte Napoleon den Rückzug antreten. Unter diesem Rückzug hat unsere Heimat schwer leiden müssen, denn hier in unserer Heimat vollzogen sich die letzten Szenen des Kampfes von 1813. Was unsere Vorfahren damals erlebt, die Retirade und ihre Schrecken, das haben sie zeitlebens nicht wieder vergessen.
Schon am 23. Oktober war bei dem Präfekten von Fulda die Meldung eingegangen, daß feindliche Truppen in der Gegend von Meiningen und Eisenach aufgetaucht seien. Auf diese Meldung hin wurden die aktiven großherzoglichen Soldaten auf Urlaub entlassen, und die französischen Verwundeten, die hier und dort in den Lazaretten lagen, wurden nach Mainz transportiert. Von zwei Seiten her näherten sich die Truppen der Verbündeten den Grenzen des Großherzogtums. Von Nordosten rückten die Hauptmassen der verbündeten Armeen den: geschlagenen Feinde nach, von Süden zog die österreichisch-bayrische Armee unter General Wrede heran, um den Franzosen den Rückzug zu verlegen. Am 27. Oktober erschienen bereite zirka 1500 Mann Kosaken, vermischt mit kleinen Abteilungen preußischer Ulanen, in Fulda, beschlagnahmten die großherzoglichen Kassen, zogen sich dann aber beim Herännahen der französischen Hauptarmee in die zu beiden Seiten der Heeresstraße gelegenen Wälder und Dörfer zurück, indem sie den Präfekten Herquet als Gefangenen Mitnahmen. Während die Kosaken Fulda plünderten, stand Napoleon bereits in Hünfeld, wo er vom 27. zum 28. Oktober übernachtete. Am 28. Oktober morgens ritt er durch