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Seite 42 ®®®®®®®®®®®®®®®®®®®®@® Unsere Heimat ®®®®®®®®®®®®®®®®®®®s® Nr. 5

Ein Wort zum Seöantag 1913»

aebermorgen ist Geb an tag! Der kerndeutsche Ernst Moritz Arndt gab seinem Volk in Bezug auf den Siegestag von Leipzig einst den Rat: „Versammelt euch an jenem Tag abends am Feuer, und die Väter, die alsdann kommen, foUcn’s den Jungen erzählen, was einst geschehen, damit sie's nicht vergessen, sondern damit das Gedächtnis fortgehe von Geschlecht zu Geschlecht, und man allzeit bereit sei, Gut und Blut zu opfern für das Vaterland!" Leipzig ist überholt von Sedan, und für diesen Namen, der an eine schwere und doch herrliche Zeit unseres Volkes erinnert, nehmen wir jenes Wort in Anspruch. Damit sie’s nicht vergessen! Fremd­geistigen Führern laufen Ungezählte in unsrem Volk nach. Wo weht er denn noch, der kraftvolle, frohe, fromme, deutsche Geist? — Gerade deshalb wollen wir an dem Tage nicht stillschweigend vorübergehen, der wie kein anderer mahnt an die nationale Erhebung von 1870, an die Wiedervereinigung der deutschen Stämme und an die Aufrichtung des Reichs unter einem Kaiser. Drängt sich doch gerade in diesem Jahre der Vergleich mit dem Deutschland auf, das vor 100 Jahren aus tiefen Wunden blutend, dem französischen Eroberer zu Füßen lag, und dann, sich auf die Quellen seiner Kraft besinnend, sich aufraffte und frei madjte. Männer, deutsch, wahr und fromm, fäeten damals fdjon Saat, deren Aehren erst nach Sedan heimgebracht wurden. Deutsche Männer sangen und pflanzten wieder und wieder das Sehnen, das 1870 zur Frucht reifte, in die deutschen Herzen hinein, und trotz Wetter und Raupenfraß reifte die Ernte. Das heißt auch uns heut hoffen und — säen. Könnten denn die Tage überhaupt vergessen werden, in denen errungen wurde, was uns in den Schoß fiel? Und wenn alle im Taumel des Sichauslebens und bei der Hetzjagd nach dem Gold blind und taub würden für wirkliche deutsche Größe, so wollen wir festhalten an den Idealen der großen Tage unsers Volks, nicht mit Hurra, sondern in stillem Ernst.

Bor allem eins: Einen grünen Kranz dankbaren Gedenkens den Brüdern aufs Grab, die Frankreichs Erde deckt oder die mit dem Todeskeim in der Brust heim- kehrten. Wo sie auch dem Tag des großen Appells entgegenschlummern, auch wenn sie ohne Kreuz auf der Brust heimgekehrt sind und vielleicht nicht einmal ein hölzernes auf dem vergessenen Grabhügel haben, ihnen gilt deutscher Dank vor allem! Die Lorbeerkränze beim Heimgang ernteten die Lebenden; sie, die ihr Leben opferten, werden so oft vergessen, wenn man die Siege bei Bier und Braten feiert. Doch, was schadet's? Gott vergißt nicht!

Immer weniger werden derer, die einst in jenen Tagen „mit dabei" sein durften oder mußten. Immer zahlreicher lösen sich die Veteranen aus den Reihen der Lebenden und folgen den Führern von damals, die schon lange schlummern, auf dem Weg, den ja alles, was atmet, gehen muß. Aber man hat das Gefühl, daß, je breiter die Kluft zwischen heut und damals wird, um so breiter auch die Gräben werden, die durch unser Volk hindurch­gehen und reich und arm, vornehm und gering, oben und unten in feindliche Lager spalten. Klagt nicht das gemeinsam vergossene Blut der Glieder aller Stände die Kinder unserer Tage an? Standen nicht Edelmann und Bauer, Fabrikherr unb Arbeiter vor demselben Feind? Ist Deutschland nicht unser aller Mutter? Warum

stehen sie nicht zusammen in Friedenszeiten, die Kinder unseres Volkes? Ist es recht, daß Bildungsweg und Besitz, Titel und Kleid die in Friedenszeiten trennen können, die in Zeiten der Not Schulter an Schulter Kämpfen müssen für eine Heimat, ein Vaterland! Ja, es ist wahr; ,,D i e Selbstsucht oben und unten, links und rechts, ist das Hindernis einer völligen Einigung unseres Volkes!" Einen Riesenkampf wird es noch mit dieser Macht durchkämpfen müssen. Wir aber sollen dem kommenden Geschlecht den Sieg vorbereiten. Sun wir das?

Wer aber könnte am Sedantag des Ewigen vergessen? Es geht wirklich nicht. Es klingt noch zu deutlich zu uns herüber: ,,Der Herr hat Großes an uns getan!" Man erzählt, daß bamals viele willig gewesen wären, auch Gott in ihrem Leben zum Wort kommen zu lassen. Es war die große Gefahr, die fast in jedem Hause geahnt wurde, die alle bedrückte und klein machte. Man wußte ja zuerst gar nicht, ob es gelingen würde, den Feind von deutschem Boden fern zu halten, und hatte den nötig, der Mauern bauen kann um Bedrängte. Und als dann Schlag auf Schlag die Nachrichten von blutigen Kämpfen kamen, da bangte gar manches Herz, wenn im Westen die Abendsonne sank, daß ihre letzten Strahlen vielleicht die brechenden Augen des Sohnes oder Bruders träfen, der unter taufend Sterbenden doch einsam seinen letzten Weg gehen mußte oder auf blutiger Walstatt unter großen Schmerzen die Nacht durchwachte. Da brauchte man wieder den, dessen Auge auch jene sah und stumme Bitten hörte. Unb er hat sich bezeugt in Not und Tod als Helfer und Stiller des Leids und hat uns erkennen lassen: „Das Leben ist der Güter höchstes n i ch t!"

Und heute?

Es ist kein Gott! So schreibt's in seiner Stube

Der deutsche Denker in die Welt hinaus.

Es ist kein Gott! Nachschreit's der Siraßenbube

Und trägt’© im Schandblatt um von Haus zu Haus.

Weicht aber der Geist der Treue gegen Gott und Vaterland von uns, gelingt’© nicht, ihn in die Herzen unserer Jugend zu pflanzen, dann . . . dann ist doch alles umsonst gewesen! Wir werden nicht halten und bewahren können, was uns geschenkt wurde, was einst erkämpft ward. Ernst ist die Zeit; groß unsere Verantwortung. G. Zlemmig.

o o

Dem deutschen Krieger.

3m Denken besonnen und klar, im Reden offen und wahr, Im Wollen nur edel und recht, im Handeln stets fest und gerecht, Im Kampfe das Kühnste gern wagen,

In Gefahren niemals verzagen,

Dem wehrhaften Gegner ein schrecklicher Feind, Dem wunden und kranken ein helfender Freund, Sonder Hochmut und Prahlen im Glück, Ungebeugt im Mißgeschick,

Bor Menschen ohne Furcht und Scheu, Bor Gott voll Ehrfurcht und voll Treu',

So, ich sag' es, so laut ich kann,

Denk' und wünsch' ich den beutfdjen Kriegsmann.

General von Franseckp, im Goldenen Buch des German. Museums zu Nürnberg.