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dir. 4 ®®®®®®®®®®®®®®®®®®®®®® Uhfcsrß Zeitnot ®®®®®®®®®®®®®®®®®®®®® Seite 37

aufzuschlagen. Da bekommen sie die ersten Steine auf die Köpfe. Und) die Schwarzenfelser greifen zu Steinen. Bald ist keine Scheibe in den Fenstern mehr ganz und keine Ziegel mehr auf dem Dach. Das Bombardement wird so heftig, daß selbst die Stühle in der Kirche demoliert werden unb die Glocken im Turm Schaden leiden. Die zierlich gehauenen steinernen Kreuzlein in der Kirche werden zerschmettert. Drei Stunden lang halten die Degenfelder unter dem Steinhagel in der Kirche aus und defendieren fid) so, daß kein Hessischer in die Kirche kommt. Nachdem die nun sahen, daß sie mit ihrem Steinwerfen nichts ausrichten, sind sie Hans Knauf zu Ramholz in die Scheuer und bem Schullehrer in den Stall gebrochen, haben eine große Quantität Stroh heraus­genommen, solches angesteckt und in die Kirch geworfen und die Degenfelder wohl eine Stund lang mit Rauch gedämpfet und fast erstickt. Der herrschaftliche Staub gerät in Brand, daß die Flammen zum Kirchdach heraus­

flm Huchwasser. (Nach Photographie des Herrn Zinnall.)

schlagen. Die in der Kirche sind in größter Leib- und Lebensgefahr. Vor der Kirche erheben die Ramholzer Weiber und Kinder über dem Verderben, das ihren Männern und Vätern droht, ein Jammergeschrei. Sie werden von den Hessischen übel geschlagen und von der Kirch weggejagt. Da sind etliche von ihnen auf die desperatu Consilia geraten, daß sie nach Sterbfritz laufen, das Dorf anzünden wollten, um so die Hessischen zum Abzug zu bringen. Es haben aber dieses Vorhaben einige Ramholzer Untertanen verhindert. „Als es in der Kirche anfing zu brennen", berichtet Lichtenberger, „da wurden zwei Kerle von den Meinigen meid]; der eine sprang zur Kirche hinaus, der andere wollte ihm folgen; ich hielt ihn aber mit meinem Stilet zurück und sprach den übrigen guten Mut zu, sie sollten sich nicht fürchten, Gott würde unsere gerechte Sache schon retten. Ich rief den Hessischen zu, daß sie landfriedbrüchige Mordbrenner wären, Gott würde unser Blut rächen und sie richten. Da schlug sie ihr Gewissen über dieser gottlosen Tat, daß sie nach Wasser schrieen und selbst mit ihren Hüten solches aus dem Bache herbeitrugen, um das Feuer zu

löschen. Ich ließ unterdessen mit Steinwerfen einhalten. Sie ruhten aber darauf gleichwohl nicht, sondern nahmen Leitern aus des Schultheißen Knauf Scheuer und legten sie an die Kirche. Als ich ihnen aber dagegen 4 Heu­gabeln, so ich bei mir hatte, hinauswies, wollte keiner hinaufsteigen und die Kirche mehr stürmen. Darauf ließ mir der hessische Amtmann öffentlich zurufen, ich sollte mich ergeben; würde ich mich ferner wehren und noch einer von ihnen blessiert werden — dermaßen ihrer schon etlichen die Rippen ein-, die Kinnbacken entzwei- und Löcher in den Kopf geworfen waren, daß man sie hat wegschleppen müssen — so wollte er die Kirche stürmen, und dann sollte keiner von uns am Leben bleiben." Man gibt solcher Bedrohung kein Gehör und läßt sich nicht schrecken. So hat der Amtmann seine Leute zum Sturm in Ordnung gestellt, ist mit bloßem Degen vor sie getreten und mit vollen Haufen auf die Kirchtür ge- stürmt. Schwere Steine sausen auf die Anstürmenden

nieder. Einer wird derart getroffen, daß er vor der Kirchtür wie tot niederfällt, darüber der Amtmann mit den anderen fobalden entwichen und den vermeinten Toten hat hinwegschleppen lassen. Nachdem man ihn aber am Slü^lein mit Wasser begossen, ist er wieder aufgestanden und fortgegangen und hat zu seiner revanche des Schulmeisters Tochter, so an der Haustür gestanden, dergestalt ins Gesicht geschlagen, daß Mund und Nase von Blut überflossen. Von 11 bis 5 Uhr dauert der Kampf. Während dieser gangen Zeit stürmen die Glocken, sodaß der Alarm in die Nachbarschaft schallt, und viele aus den Fuldaischen und Hanauischen angrenzenden Dörfern herbeilaufen. „Da endlich der hessische Amtmann mit den Seinen deliberirt, was weiter zu tun sei, wie aber keiner Lüsten zu fernerem Stürmen gehabt, sondern alles zum Abzug gestimmt, wurde von ihm ausgerufen, da die Sonne unterging wie dorten zu Ramoth in Gilead: „Ein jeglicher gehe in seine Stadt und in sein Land" (1. Könige 22, 36).

Als der Feind abgezogen, stürzten die Weiber in die Kirche und umhalsten ihre Männer, da sie solche noch