Einzelbild herunterladen
 

Nr. 4 -ss>-ss>s>L>s>-DS>-Z>s>-Z>SiSS-D-Z>-L>-DS>s> Unsere Heimat S-SSS-S-SS-DS-SSSS-SS-SSS-S-SS-S Seite 35

Der Streit um die Ramholzer Rirche am ^usgang des 17. Iahrhunöerts.

(Nach den im Zreiherrl. von Stumm'schen Archiv und in der Pfarrei-Reposttur zu Ramholz befindlichen flkten). (Schluß.)

aß dieses „nachdrückliche Höchstverpoente" Kaiser!. Mandat, welches nur eine leere Drohung enthielt, keine große Wirkung auf die fehdelustigen Hessischen hatte, läßt sich denken. 3war wird dem luth. Zeitlofser Pfarrer Schlimbach der Durchgang durch's Schwarzenfelser Gebiet nach Ramholz wieder gestattet, also daß durch ihn den 30. Januar 1696 des Hessischen Schultheißen Tochter von Sterbfritz, welche bereits von Juli 1695 mit eines Degenfelder Untertanen Sohn zuBollmerz, Andreas Böhm, verlobt und proklamiert war — wegen des Streites hatten sie nicht zusammen kommen können — copuliert werden konnte. Aber die früheren turbationes gehen weiter. Auch der Tod des Amtmanns Bernhard! ändert nichts. Er starb im blühenden Alter Sonnabend vor dem Sonntag Subica 1696. Es war grade ein Jahr her, „als er zum ersten Mal seine Hand gewalttätig an das Haus des Herrn zu Ramholz gelegt und Christum in seinen Gliedern zu verfolgen und aus dem Ramholzer Tempel zu verstoßen angefangen". In seinem frühen Tod und auch in der Art seiner Krankheit, „davon man Glimpfes halber hier nicht viel melden mag (vid. 2. Marc. 9, 5) und darin er so verrückt geworden, daß er seinen eigenen Geistlichen, Herrn Kühnen von Mottgers, als ihn dieser besuchen und ihm zusprechen wollte, mit den größten Injurien begegnet", sieht mein Berichterstatter eine Strafe Gottes. —

Als die Turbationen sich erneuern (schon den 5. April sind die Schwarzenfelser wieder in Ramholz), schickt der Bogt I. A. Lichtenberger im Auftrag seines Herrn den Bollmerzer Schultheiß Heinrich Keßner und den Gerichts­schöffen Georg Knauf nach Sterbfritz und läßt dem dortigen Pfarrer und Schultheißen mit Berufung auf das Kaiser!. Mandat ansagen, daß man hinfüro das Aufbrechen der Ramholzer Kirche nicht mehr zugeben, sondern sich dagegen so gut wie möglich defendieren werde. Und die Folge? Eine Stunde nach erhaltener Botschaft, es war grade Sonntag, fallen die Sterbfritzer ca. 100 Mann stark in Ramholz ein. Der Bogt Lichten­berger postiert sich mit 30 Degenfelder Untertanen auf dem Kirchhof. Um die Kirchtür läßt er einen „Schafpferch" schlagen. Als die Sterbfritzer kommen, werden sie nochmals bedeutet, daß man ihre Gewalttätigkeiten in Freiherr!, von Degenfelder Jurisdiktion nicht länger dulden könne, sondern genötigt wäre, Gewalt mit Gewalt zu vertreiben. Der Sterbfritzer Schultheiß schickt Boten nach Schwarzen­fels unb bittet um Verhaltungsmaßregeln. Die Hessischen vor dem Kirchhof, die Degenfelder brinnen — so steht man sich von morgens 7 bis mittags 11 Uhr gegenüber. Da kommt zugleich mit einem 50 — 60 Mann starken Hilfskorps unter Anführung des Schwarzenfelser Schult­heißen der Bescheid des Amtsschreibers Hünerkoch: man solle sich nicht abhalten lassen, die Kirche zu bestürmen. Die Hessischen befolgen den Befehl. Sie übersteigen die nicht hohen Kirchhofsmauern: sie reißen den Zaun ein, bewaffnen sich mit Zaunstecken, zerschlagen die Kirchtür. Und nun kommts zu einem argen Zusammenstoß. Der Bogt Lichtenberger wird von einem 3'/spfündigen Stein mitten ins Gesicht getroffen und zugleich mit noch zwei anderen Steinen so vor den Leib geworfen, daß er blutig

gegen die Erde und $ans Kochen von Bollmerz, der ihn unterstützt, in die Arme gesunken, doch sich bald recolligiert und zum Degen greift. Die Degenfelder Unter­tanen greifen zu Stecken und Steinen. Die Gegenwehr wird mit solchem Erfolg vorgenommen, daß die Hessischen, ob sie wohl 3- ober 4 mal stärker sind, allesamt entlassen und sich in’s Feld verstreuet. Der Bogt, ob er wohl wegen empfangenen fast lebensgefährlichen Wurfs einen oder den anderen niederzuftoßen Versuch genug gehabt, moderiert sich und hält seine treuen Untergegebenen von Verfolgung der Flüchtigen mit Ernst ab. Die delirierten sammeln sich am Berg (Senseberg) und treffen Anstalten zu neuem Sturm. Da setzt sich der Vogt auf sein Pferd, blutend, die Nase ganz eingeworfen, und reitet an den Berg zu dem Sterbfritzer Pfarrer und Schultheißen. Auf sein Zureden ziehen die Sterbfritzer ab, und sie sind darauf 13 Wochen ausgeblieben.

Inzwischen hatte der Hessische Sachwalter gegen das Mandat vom 13. Dezember 1695 beim Reichskammer­gericht Recurs eingelegt, der interessant ist ob seiner biblischen Begründung: „Wenn die keusche Susanna zu Babylon so ohnglücklich gewesen wäre, daß Daniel der zweien jüdischen Richter Zeugnis gleich attendiret und die Sach nicht besser examinirt hätte, so hätte sie not­wendig eine Ehebrecherin sein und also abgestraft werden müssen". Da das Kammergericht unter Aufhebung der früheren Mandate die Sache von neuem zu untersuchen anfing, fangen auch die Turbationen wieder an.

Sonntag, den 12. Juli, morgens 5 Uhr, erscheint der neu ernannte Schwarzenfelser Amtmann Franz Kraut mit seinem Schreiber Hünerkoch und ca. 100 Mann in Ramholz. Sie werden der Verabredung gemäß unterstützt durch die Hutten'schen Untertanen von Sannerz, die ein Kind mit sich führen, das sie in der Ramholzer Kirch taufen und so einen sonderlichen geistlichen actum verrichten lassen wollen. Lichtenberger ist von dem Anschlag benachrichtigt. Er reitet an der Spitze etlicher Untertanen den Hutten'schen entgegen und treibt sie wieder den Berg (Allmitzer) hinauf. Nun kommen den Sannerzern die Hessischen allesamt zu Hilfe. Ihrer 20 umringen, mit Stangen und Prügeln bewaffnet, ben Bogt, sodaß er genötigt ist, sich mit Degen und Pistolen zu wehren. Unterdessen haben sich viele Degenfelder vor der Kirche eingefunden, und da sie Anstalten zur Defension machen, ziehen die Schwarzenfelser und Sannerzer ab, „und wurde nach- gehends das Kind zu Sannerz getauft". Da sie bei ihrem Abzug schwere Drohungen ausgestoßen, läßt der Bogt auf Anordnung seines Herrn die Kirche befestigen. Es werden Palisaden gebaut, die Untergegebenen zur besseren Defension mit 20 Büchsen und Flinten aus- gestattet, auch an die 1000 Kugeln gegossen. Die nächsten Sonntage vergehen ruhig.

Den 16. August war wieder Kirchweih in Ramholz. Das Gerücht geht, daß die Hessischen die Degenfelder an diesem Tag überfallen und ihnen wie im Vorjahr die Kirchweihfreuden Derselben wollten. Da bietet der Vogt das ganze Amt auf bei 300 Mann. Schon Tags zuvor wird die Kirche von 60 bewehrten Männern, die mit genügsamer Munition versehen waren, bezogen;