Seite 30 ®®®®®®®®®®<3®®®®®®®®®®® Unsere Heimat ®®®®®®®®®®<3®®®®®®®®®® Nr. 3
Oa- Soöen-Stolzenberg.
Schon von vielen Orten des Kreises Schlächtern ist in unserm Heimatblatte Interessantes erzählt worden. Don dem lieblichen, durch seine Bäder bevorzugten Soden wurde bisher wenig berichtet, obwohl das Städtlein sozusagen die Perle des Kreises genannt werben dürfte. Und es erscheint auf den ersten Blick auch nicht als dankbare Aufgabe, etwas darüber zu schreiben.
Denn Soden, das durch seine Naturschätze und seine vortreffliche Lage so begünstigte, ist dennoch nicht so wie andere Badeorte vorwärts geschritten. Wohl hat Soden einst, im Mittelalter zur Seit der alten Kaiserherrlichkeit, eine schöne Glanz- und Blütezeit durchlebt.
Damals wurden ihm — wie einer Schrift des um Soden sehr verdienten Herrn Bürgermeisters Berta zu entnehmen ist — die Stadtrechte, die Ehrenrechte der Selbstverwaltung, verliehen. Dann aber wurde durch Krieg und Hader in Deutschland auf Jahrhunderte hinaus
Sad Soöen-Stolzenberg.
Handel und Wandel gestört; die Arbeitsstätten wurden verwüstet; die Wohlfahrtsquellen waren verschüttet und versiegten. — Wie noch andere Orte des Kreises brauchte auch Soden viel Seit, bis es sich wieder erholte. Schlecht und recht baute der verarmte Landmann wieder auf, was freindländifche Soldateska zerstört hatte.
Aber Mauerwerk und Wälle des alten Schlosses zerfielen mehr und mehr. Die Bäume wuchsen endlich fest darüber zusammen und es war, als ob sich ein Dornröschenschlummer vom Stolzenberger Turm hernieder über das ganze Städtlein breite. — Bis in neuere Seit schien dieser Zustand anzuhalten. Sogar jetzt noch vernimmt man manchmal Stimmen, die behaupten wollen, daß Soden immer im Stillstand bleiben werde, „wenn nicht Einer Millionen hineinstecken werde".
Doch sind dies Aussprüche übelwollenden Neides. Das Dornröschen ist erwacht und hat es aufgegeben, auf den reichen Märchenprinzen, der es zu neuem Leben erwecke, zu harren. Es hat sich auf feine eigene Kraft besonnen, es braucht seine Kräfte zu emsiger Arbeit, und in Soden geht es voran.
„Wir sehen doch keinen Fortschritt!" möchten Zweifler einwenden.
Doch! Muß z. B. nicht jeder, der von der Bahn kommt, angenehm empfinden, daß man an Stelle der alten, morastigen Knüppeldämme bessere Straßen mit sauberen Fußsteigen gebaut hat und daß hochgewölbte Brücken den Fluh überspannen, der mit geregelterem Lauf durch das herrliche Wiesental zieht?
Daß Soden eine Lichtstadt geworden, verkündet dem Wanderer die schön gelegene, doch nicht aufdringlich nahe an der Straße befindliche Gaswerksanlage. Weiter ist ins Auge fallend, daß neue, großartige Arbeitsstätten erstanden sind, daß die Industrie Sitz und Stimme gewonnen hat. Wenn wir die einen großen Komplex umfassenden Bauten der Kommerzienrat Krafftschen Fabriken ansehen, sind wir angenehm überrascht, wie schön diese sich dem malerischen Landschaftsbilde einstigen
und zu demselben passend gestimmt erscheinen. Ein Sanatorium, in welchem schon viele Kranke, auf naturgemäße Lebensweise hingeleitet, ihre Gesundheit wieder erlangten, blickt stolz von der Höhe ins Tal. Gewaltig und massig erstrecken sich längs des Kinzigflusfes die Gebäude der Kinderheilanstalt mit schöner Kapelle u. dem hell- giebeligen, neuen Badehaus hin. Diese Schöpfungen der neuesten ZeitverdanktSo-
den der unermüdlichen Tätigkeit des Herrn Pfarrers Schulz.
Inmitten schöner Gartenanlagen, von stilvollem Pavillon überdacht, schäumt die silberweiße Säule des Pazifikus- sprudels empor. Es ist der stärkste Solsprudel Deutschlands. Bei seiner Erbohrung vor ca. 5 Jahren, nach monatelangen Arbeiten, ereignete es sich, daß große Mutlosigkeit alle ergriff, weil in einer Tiefe von nahezu 400 m noch keine Sole gefunden ward. Ganz geringe Wasseradern verloren sich wieder, und so glaubten alle, daß die gebrachten Opfer vergebliche wären. Nur der Pfarrherr und der früher genannte Herr Bürgermeister, sowie der kundige Chemiker Dr. Roth ließen sich in ihrer Hoffnung nicht beirren. Sie beschlossen alles dran- zuwagen, daß Erfolg die Arbeit kröne. Diese Ausdauer ward gliinjenb belohnt. Nach nicht allzu langer, mit Spannung verfolgter Weiterbohrung trat brausend und schäumend der neue Sprudel aus Tageslicht. Durch feierliches Glockengeläute ward das wichtige Ereignis allen weithin kundgetan. — Jedes Jahr haben nun schon die Bäder dieser Quelle die vorzüglichsten Heilerfolge gehabt und sehr vielen Leidenden Genesung