Nr. 3
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Unsere Heimat ®®®®®®®®@®®®®®®®®®®®® Seite 27
gegeben worden, wenn auch nur in knappster Kürze; ich will versuchen, in etwas breiter ausgeführtem Bilde die kulturgeschichtlich interessanten Momente mit zu würdigen, die der Stoff barbietet, um zugleich, indem ich ihn in weiteren Zusammenhang einrücke, aus bem engen Bilde einige Ausblicke zu eröffnen auf größere Entwicklungsreihen, auf eine Zeit, da in harten und täglichen Kleinkämpfen unser heutiges deutsches Stantenspstem begründet wurde.
Die Zeit, um die es sich hier handelt, das ausgehende 14. Jahrhundert, hat mit ihren zahllosen, die Kraft der Nation zersplitternden Kleinkriegen doch eine nach vorwärts weisende und für die Zukunft maßgebende Entwicklung künftighin sichergestellt: die Herausbildung der größeren Landesstaaten. Das Chaos wildester Zersplitterung Deutschlands, wie es der große Bernichtungskampf zwischen Kaisertum und Herzogtum hinterlassen, die Anarchie, in der tausend staatliche und halbstaatliche politische Kleinexistenzen wild durcheinander wucherten, konnte nur so überwunden werden, daß in jeder Landschaft
Das Steinerner Schloß.
Nach Photographie des Herrn Zinnall.
ein nach außen und innen starker Staat die Führung an sich nahm und die übrigen Kleingewalten allmählich unter feinen Einfluß und in feine Botmäßigkeit krachte. Es sind im wesentlichen die Kräfte der in bem großen Kampfe zertrümmerten altdeutschen Stämme, die sich hier in den Landesstaaten von neuem organisieren und aufbauen.
So notwendig diese Entwicklung von unserm heutigen Standpunkte aus erscheint, so mußte sie doch zu ihrer Zeit eine Fülle von Gegnern wider sich [jaben, eben alle jene Klein- gewalten der reichsfreien Herren, Dynasten, Grafen, gefürfteten Abte und Pröpste u. f. f., die sich in ihrer kleinen Selbständigkeit bedroht sahen. Ihnen blieb nichts übrig, als sich gegen
über der festen staatlichen Organisation jener Landesstaaten, wie es früher schon die Reichsstädte getan, ebenfalls genossenschaftlich zu organisieren; es entstehen die „Rittergesellschaften", von denen uns hier die vorwiegend gegen den hessischen Landesstaat, die Landgrafschaft, gerichtete interessiert, die nach dem Wappenschild ihres Gründers genannte „Gesellschaft zum Stern". Der Tod Frowins von Hütten mit ben ihn begleitenden Ereignissen ist eine Teilerscheinung in dem großen „Sternerkriege", in dem nach hartem Kampfe gegen jene Partikulargewalten die Landgrafschaft Hessen schließlich den Sieg und die Führung in ihrer Landschaft gewann.
Das ist die allgemeine Lage. Im einzelnen freilich war nun die Anordnung der Parteien in bem großen Zwiste keineswegs so klar und einfach, wie es der Theorie nach scheinen könnte. Grundsätzliches Denken lag dem Zeitalter durchaus fern, und die großen Standesgegensätze und Prinzipien, um die tatsächlich der Streit ging, sind den damaligen Teilnehmern sicher nicht zum Bewußtsein gekommen. So suchte jeder die Seite auf, die ihm für fein rein persönliches, augenblickliches Interesse die meisten Vorteile zu bringen schien. Von den uns hier interessierenden Personen finden wir die regierenden Herren von Hanau auf Seite des Bundes, der ihnen eine Garantie ihrer politischen, staatlichen Selbständigkeit zu bieten schien; und, wahrscheinlich eben wegen dieser hanauischen Stellungnahme, die von Hütten auf der Gegenseite, beim Landgrafen von Hessen.
So konnte denn ein Zusammenstoß zwischen beiden Häusern nicht ausbleiben. Er kam schnell und gewaltsam. Leider bleiben alle Einzelheiten dessen, was jegt erfolgte, in geheimnisvolles Dunkel gehüllt. Wir wissen nur, daß im Jahre 1373 Frowin von Hütten, von seiner Burg Stolzenberg über Soden kommend, mit wenigen Begleitern im hanauischen 6 t ein au einritt, wo allem Anscheine nach auch Ulrich IV. von Hanau damals weilte. Was Frowin dorthin führte, ist nicht zu erkennen, doch mag es die Geltendmachung von Ansprüchen gegen das Haus Hanau ober auch bereits die Absicht der Beilegung schon voraufgegangener Streitigkeiten gewesen fein. Im Steinauer Schlosse nun und vermutlich gerade durch diese Verhandlungen kam es zu einem hitzigen Zusammenstoß mit blutigem Ausgang: auf unritterliche Weise, unter Verletzung des Gastrechts und des Hausfriedens erschlagen, blieben Frowin von Hütten und einige feiner Freunde tot auf dem Platze.
Das Unrecht war geschehen, aber die „von Hütten" waren wenig gewillt, den Frevel ungerochen hinzunehmen. Das erste war ein kriegerischer Streifzug gegen die Hanauer; er war vom Glück begünstigt: es gelang den Hütten und ihrem Anhang, den mächtigen Dynasten gefangen zu nehmen und auf einer der huttenschen Burgen, Steckelsburg ober Stolzenberg, einzufetzen. Und nun konnten die Hütten die Friedensbedingungen diktieren. Man muß ihnen lassen, daß sie sich des Vorteils ihrer Lage wohl bewußt waren und es gewaltig verstanden, aus bem ihnen widerfahrenen Unrecht Kapital zu schlagen. Wußten Sie doch, abgesehen allein davon, daß Ulrich von Hanau in ihrer Hand sich befand, auch den Landgrafen von Hessen hinter sich, der die Hilfe wohl zu schätzen verstand, die ihm die Hütten mit der Einsetzung und Unschädlichmachung eines der mächtigsten Gegner aus dem Sterner- bunbe geleistet hatten. So durften sie wohl auch auf ihn rechnen, wenn sie jetzt für die erlittene Unbill sich entsprechend bezahlt machten. Und um des Landgrafen willen sahen sich die Hütten nun auch noch von einer zweiten mächtigen Stelle aus in ihren Ansprüchen unterstützt. Es war Herrn Ulrichs von Hanau eigener Neffe, Adolf, aus bem Hause Nassau, damals Bischof von Speyer und bereits vom Mainzer Dom-