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Nr. 2 S3SSSSSS<S<3<3<SS<S<S<SSSSSSS Unsere Heimat SSSSSSSS3SS3SSSSSSSSS Seite 21

kirchlich zum Amt Schwarzenfels und damit dem refor­mierten Bekenntnis zugehöre. Ob ihn dabei konfessio­neller Uebereifer trieb oder andere persönliche Gründe? — Ich möchte das letztere annehmen. Bernhardt war mit dem Freiherrn von Degenfeld zerfallen. Er hatte als Amtsschreiber in seinem Dienst Nikolaus Hühnerkoch, welcher vorher bei 11 Jahren Degenfeld'scher Bogt in Namholz gewesen, und obwohl er viele Gnaden von seinem Herrn empfangen, dennoch die Händel, die ich nun schildern will, hat anstellen helfen. Bei der folgenden Darstellung habe ich im wesentlichen die Berichte be­nutzt, die der Degenfeldsche Bogt Johann Adam Lichten- berger an seinen damals von Ramholz abwesenden Herrn, den Freiherrn Maximilian von Degenfeld, gesandt hat. Diese Berichte, durch viele Zeugen eidlich erhärtet, in keinem Punkte, wie man meinen könnte, übertrieben, bildeten die Grundlage in dem langwierigen Prozeß, der ob des Namholzer Kirchenstreites bei dem Reichskammer-Gericht in Wetzlar zwischen dem Gra­fen vonHanau als Lehns­herrn der Freiherrn von Degenfeldund Heffen-Kaffel geführt wird.

Als der erwähnte An­spruch des Amtmanns Bern­hardt von Degenfeld'scher Seite zurückgewiesen wurde unter dem Hinweis, daß das Freiherr!, von Degen- feld'sche Haus in dem Gericht Bollmerz allein die Territorial - Jurisdiction tarn in ecclesiasticis quam in politicis habe, machte der Schwarzenfelser Amtmann „des heiligen rö­mischen Reiches Land- und Religionsfrieden e diame- tro zugegen, auch wider alle

heilsamen Gesetze und christ- Das alte Klaftertet an der ^anauer Straße, seit einiger 3eit f ä I f d) l i d) „Napoleons- lidje Ordnungen" Sonn- tor" genannt. (Nach Photographie des Herrn Präparandenlehrers Zinnall.)

tag Iudica, den 10. März

1695, während der Abwesenheit des Degenfeld'schen Vogts einen Einfall in's Ramholzer Gebiet. Die evan­gelisch-lutherische Gemeinde ist gerade bei ihrem Gottes­dienst in der Kirche versammelt. Da erscheint Bernhardt mit vieler zusammengezogener, meistenteils bewährter Mannschaft und bringt mit Büchsen und Schwertern in die Kirche ein. Der Schulmeister Kirst, im Begriff, die Epistel zu verlesen, wird von seinem Stand herab­gestoßen, und als er dessen ohngeachtet den Gesang: „O Lamm Gottes unschuldig" anstimmt, wird ihm das Buch mit solcher Behemenz aus der Hand geschlagen, daß es aus dem Chor hinab unter die Leute fliegt. Die Degenfeld'schen Untertanen wollen jetzt die Kirche ver­lassen, werden aber gezwungen, der nun folgenden Pfarreinführung beizuwohnen. Die Schwarzenfelser hatten nämlich außer zwei reformierten Schulmeistern und dem Pfarrer von Mottgers, Kühn, auch einen reformier­ten Pfarrer für Ramholz, Bolkmann, mitgebracht. Nach

dein von den Schwarzenfelsern angestimmten Gesang: „Ach, Gott vom Himmel sieh' darein unb laß dich des er­barmen! Wie wenig sind der Heil'gen Dein, verlassen sind wir Armen!" hält Volkmann seine Predigt, worauf er von Kühn der Gemeinde als ihr neuer Pfarrer prä­sentiert wird. Bernhardt fordert die Degenfelder auf, ihrem neuen Pfarrer zu gratulieren. Als sie aber keines­wegs dazu zu bringen sind, ziehen die Schwarzenfelser für biesmal wieder ab. Für diesmal — um noch 34 mnl(!) wiederzukommen.

Von dieser gewaltsamen Pfarreinführung wird per expressum dem Freiherrn von Degenfeld berichtet. Dieser wendet sich an seinen Lehnsherrn und Inhaber des jus patronatus über die Ramholzer Kirche, den Grafen vonHanau, welcher sogleich den Amtmann zu Steinau, Karl Balthasar König, unb einige andere Beamte nach Ramholz be­ordert , den lutherischen Gottesdienst daselbst wieder- herzustellen und gegen fer­nere hessische Gewalttaten zu protestieren. Aber diese Intervention hat wenig Er­folg.

Bei verschlossenen Türen wie weiland die Jünger des Herrn feiern die Ram­holzer ihren Ostergottes- dienst. Da plötzlich vor der Kirche großer Lärm. Die Hessischen sind wiederge­kommen unter Anführung des Amtsschreibers Hühner­koch. Sie begehren Ein­laß, und als dieser ver­weigert wird, schlagen sie die Türen mit Aexten und Hämmern in Trümmern. Der Schulmeister Kirst, ein furchtloser, beherzter Mann, stimmt während des Tu­mults zur Ermutigung der

Gemeinde das Lied an: „Wo Gott der Herr nicht bei uns hält, wenn unsere Feinde toben". Erwirb vomChor herabgestoßen. Derrefor- mierte Pfarrer predigt. Da weichen die hochgräflichen Hanau'schen Beamten und der Bogt Lichtenberger der Gewalt und verlassen die Kirche. Derartige turbationes wiederholen sich den 25. März, den 7. April, den 19. April. Dreimal werden die immer wieder erneuerten Kirchtüren nach Sterbfritz geschleppt. Der Graf von Hanau und Freiherr von Degenfeld beschweren sich durch Abord­nungen und Schriften bei dem Landgrafen zu Hessen- Kassel. Es erfolgt aber keine Remedur noch überhaupt eine Antwort. Dagegen nehmen die Schwarzenfelser Gewalttaten ihren Fortgang.

Den 22. April schickt Bernhardt die hessischen Schult­heißen von Weichersbach, Schwarzenfels und Sterbfritz mit einiger Mannschaft nach Ramholz. Sie erbrechen die Kirche, entfernen die drei Klöppel von den Glocken und die Glockenseile und nehmen sie mit nach Sterbfritz. Den Degenfeld'schen Untertanen wird strengstens unter-