Einzelbild herunterladen
 

Seite 16 <S(SC5)^<S<2)(S<2>CS£S<2>CSCS<S<S<2)<S<2)^(S^ Unsere Heimat ®®®®@®@®®®®®®®®®®®®®®@ Nr. 1

fast hoffnungslos verloren ging, beschmierte man sie mit dem scheußlichen, halten Braungelb, womöglich auch noch mit falscher Maserung. So finbet man sie meist heute noch, so weit sie nicht von einer Stuhlart verdrängt sind, den ich „Wirtshausstuhl" nenne, weil er zuerst massenhaft für Wirtshäuser unb Tanzlokale in den Großstädten angefertigt wurde, von wo er, auch ein „Kulturprodukt", aufs Land hinauskam. Wir haben nun die letzten lebenden Stuhlmaler in Bellings und in Gundhelm aufgefordert, uns je einen Brautstuhl in der ältesten Weise zu bemalen. Das Resultat ist, wie man sieht, ein gutes, und wir hoffen, daß unsere Be-

Auf diese Weise soll unsere Sammlung nicht nur der Erinnerung an die Gewesenen, sondern auch der Für­sorge für die Werdenden dienen, und Leben unb Schaffen soll ausgehen von dem scheinbar Toten. Zwar wollen wir modern sein, aber wir wollen nicht das gute Alte fortwerfen, um etwas schlechtes Neues an feine Stelle zu setzen, sondern wir wollen das gute Neue dem guten Alten hinzufügen. Unb wenn wir daran gehen, etwas Neues zu schaffen, dann wollen wir dasjenige vom Alten annehmen, was seine Güte ausmacht: die Echtheit, die Festigkeit und die Einfachheit, kurzum die ehr­liche Arbeit.

völkerung wieder Geschmack an den bemalten Stühlen gewinnt.

Eine andere gute Stuhlart ist ein Weichersbacher Stuhl mit Sprossenlehne unb geflochtenem Sitz aus dem Fordan'schen Hause in Weichersbach. Diesen Stuhl haben wir in Schlüchtern vervielfältigen lassen. Er ist bequem und sehr gefällig und wird fdjon verschiedentlich begehrt. Wir wollen diese Versuche auch auf vorbildliche Tische und Schränke unserer Sammlung ausdehnen und dadurch den Beweis liefern, daß unsere Schreiner in Stadt und Land recht wohl in der Lage sind, ebenso schönen unb soliden Hausrat zu liefern wie ihre Vor­väter. Man muß sie nur mit Auftrügen versehen.

Unsere Heimatsammlung ist kein Museum. Sie ver­dient dies stolze Wort gewiß nicht. Und dennoch, wer da weiß, wie arm der Kreis von jeher war, wie grade die schrecklichsten Kriege, die Deutschland je heimsuchten, auch unseren Kreis manchesmal zur Wüste machten, — und wie die Händler aus den nahen Großstädten in den letztverflossenen Jahrzehnten gerade die schönsten und besten Altertümer entführt haben, der wird den keines­wegs ärmlichen Inhalt unserer Sammlung immerhin verwundert betrachten. Unb ist dieser erstaunte Be­trachter auch noch ein Kind des Kreises, dann darf sein Staunen gewiß gum Stolz werden und sein Stolz wird sich sacht zur Heimatliebe wandeln.

Landrat valentiner.

Der alte Tisth.)

Schon' den alten Tisch, mein Sohn! Oft hast du daran gesessen, Hast mit uns dich satt gegessen, Gingst mit uns erfrischt davon.

Wie ich zu dir rede jetzt, Sprach mein Vater schon vordessen, Wenn ich mich als Kind zum Sffen An den alten Tisch gesetzt.

Und wer weiß wie lange schon Dieser Tisch in gleicher Weise So wie uns, die kräftige Speise Bot bem Vater und dem Sohn

Also, daß er laut uns lehrt, Wie viel Heil uns widerfahren, Daß uns Gott seit so viel Zähren Unser täglich Brot geschenkt.

Also, daß er laut uns mahnt, Mit dem alten Tisch die alten Guten Sitten zu behalten, Die uns stets den Weg gebahnt.

Sollte einst die Zukunft dir Glanz und Schätze auch gewähren, Halt den alten Tisch in Ehren Mitten in der neuen Zier.

Unb er wird als Freund und Hort Dich vor Übermut bewahren, Und dir aus den Kinderjahren Flüstern manches liebe Wort.

*) Aus Kinderlieber, Gesamtausgabe, von G. Lang. Kesselring'sche Verlagsbuchhandlung, Frankfurt a. M.

Als L Manuskript gedruckt von C. E.'Cchock, G. m. b. H., Frankfurt a. M. Schristleiter: Lehrer Flemmig in Schlilchtern. Verlag des Heimatbundes in SchlUchtern.