Nr. i &&‘2>&rs>®&&&®&‘s®&‘2>‘s>&‘s>&&&& Unsere Heimat &&&&&&&&&&&&&&&©&&&&& Seite 15
benutzte Straße Deutschlands, einherzöge. Die alten Briefe und Gemeinderechnungen, welche der Heimatbund ge- fammelt hat und die nun die Heimatsammlung aufbewahrt, können noch den fernsten Snhein überzeugend erzählen, wie hart die Blutsteuer von den fremden Horden eingetrieben wurde und wie noch jahrzehntelang nach dem Friedensschluß die „Kontribution" aufgebracht werden mußte, um die zur Bezahlung der feindlichen
Forderungen aufgenommenen öffentlichen Schulden zu tilgen. Jene Steuern und Kontributionen drückten unser Land wirklich härter als die Steuern der Reichsfinanzreform.
Mitten zwischen den kriegerischen Waffen breitet sich friedlich ein schöner mit eingewebten Blumen geschmückter Seidenstoff aus. Es ist ein israelitischer „Vorhang vor der heiligen Lade", also ein Kultusaltertum. In der Mitte sieht man in schwarzen ausdrucksvollen Buchstaben, von einer wappenartigen Umrahmung umgeben, eine hebräische Inschrift mit dem Namen Schlüchtern und der Iahresbezeichnung 1819. Die israelitische Gemeinde Schlüchterns hat uns diesen Vorhang mit zwei weiteren seiden- und teilweise blumenbestickten Seidenstoffen übergeben, damit, unserem Programm gemäß, auch die Kultusaltertümer der Juden in der Heimatsammlung gut vertreten sind. Dies ist sehr dankenswert und wir hoffen, daß bald auch noch Sabbathleuchter und Gegenstände von den israelitischen Festen hinzukommen. Die kirchlichen Altertümer der beiden christlichen Konfessionen sind leider noch sehr spärlich vertreten.
Schließlich sieht man rechts unb links auf der Abbildung je eine eiserne Truhe. Die eine ist offenbar eine alte Kriegskasse. Sie fand sich aus einem Boden und zeigte nach ihrer Reinigung und Bemalung den doppel- köpfigen Reichsadler als Beschlag. Die andere besitzt in aufgeklapptem Zustande einen sehr schön gezeichneten
Deckel, der überdies mit gut erhaltenen alten Farben recht geschmackvoll bemalt ist.
Wenn schließlich bei unserem Gange durch die Sammlung noch einige Gegenstände besondere Hervorhebung verdienen, so gilt dies namentlich von einem sehr schönen Handtuch mit aufgedruckten bildlichen Darstellungen von der Hochzeit zu Cana mit der Jahreszahl 1797. Es stammt aus Oberkalbach und wurde von Herrn Landwirt Siemon in Gundhelm dem Vorstand auf einem „Heimatabend" dortselbst als Geschenk überreicht. Ferner ein großer Glasschrank, den schon das Schlüchterner Rathaus besaß, mit vielen Krügen, schön verzierten Ofenkacheln, Töpfereien, alten Schlössern, illuminierten Handschriften und einem Pulverhorn von 1507 mit einer lebendig dargestellten Wildschweinsjagd. Alsdann hemmen wir an einem edlen Rokokoschrank mit dem Kurmainzischen Wappen vorbei (siehe Abbildung 3). Er stammt aus dem Ellenbrandschen Hause in Marborn. An einer Wand hängen drei der ältesten Bildnisse Ulrichs von Hütten, an einer anderen die Kupferstichporträte der beiden Lotichius. Von der Stadt Schlüchtern und von ihrem Kloster-Seminar sehen wir eine recht große Zahl von Ansichten vom Jahre 1620 an. Höchst bedauerlich ist, daß wir von den übrigen Städten und Schlössern des Kreises noch keine alten Ansichten besitzen. Besonders auffällig ist dies von der ehrwürdigen Residenzstadt Steinau. Wer verschafft der Heimatsammlung eine alte Abbildung davon? Gegenwärtig sind von sämtlichen ©emeinben des Kreises künstlerische Photographien in Arbeit, wie auch die besten alten und besten neuen Gebäude nach und nach im Bilde ausgenommen werden. Sucht doch der Heimatbund auch die Neubauten im Sinne heimischer Bauweise zu beeinflussen unb die Wiederherstellung alter Fachmerksbauten zum allen unverschmierten Charakter herbeizuführen.
Zu allerletzt sollen noch einige Stühle erwähnt werden, weil sie sonst wohl kaum Beachtung finden würden. (Abbildung 4). Die einen zeigen in ihrer Rückenlehne zwei verschlungene Herzen. Wenn schon solche Stühle sonst überall im Kreise im Gebrauch waren, so erzählt man sich doch nur noch in manchen Dörfern, daß sie bis zur vorigen Generation der Braut als „Brautstühle" geschenkt wurden. Noch vor 100 Jahren waren sie
mit stilisierten Blumen höchst farbenfreudig bemalt, alsdann kam die Gewohnheit auf, sie ohne Blumen in nur zwei Farben, also etwa das eine Herz gelb oder weiß, das andere blau zu streichen, schließlich beschränkte man sich auf eine Farbe, zunächst rot, und ganz zuletzt, als überall in unserem deutschen Baterlande der Farbensinn