Seite 14 ®<3‘3‘3®<3<3<3®®®®®<3®<3<2><3'2>3<3 Unsere Zeitnot iD<DS>-L>S>S>!DL>S>L>S>!L>VS!S-S<S<D-Z>L>L>!L> Nr. 1
übrigen Schränke, ganz gleichgültig, aus welcher Stilperiode sie stammen, tragen das charakteristische Merkmal an sich, daß sie sparsam und dennoch wirkungsvoll, mit anderem Wort: geschmackvoll in der Dekoration sind. Dies ist sehr wichtig, denn man lernt daraus, daß es falsch ist, nur das Reichgezierte schön zu finden. Ge- meinsam ist ihnen ferner, daß sie sämtlich von kerniger, solider Arbeit sind und schließlich, daß sie alle klare, einfache Konstruktionen und Umrisse besitzen. Sie sind also nicht zerbrechlich und nicht schwer zu putzen und unterscheiden sich dadurch höchst vorteilhaft von den Fabrikschranken mit aufgeklebten Muschelaufsätzen und gedrechselten Säulchen, mit Zicken und Zacken („Drecknester" nennt sie Herr Bürgermeister Siemon in Gund- helm mit Recht), welche die heutigen Brautleute mit Vorliebe kaufen.
Auf unserer Abbildung sehen wir weiter eine Standuhr aus Heubach von einfachen, aber feinen Umrißlinien. Ferner auf einem sogenannten Konsoltischchen ein Schränkchen, beide aus dem Eckardt'schem Hause in Steinau und darauf und davor die verschiedensten Töpfe aus Steinau, Marjotz und Ahlersbach. Sie sind teilweise mit dickaufgelegten Blumen, teilweise mit dünn- aufgemalten Sprüchen versehen. Es ist Ähnlichkeit mit den Marburger Töpfen vorhanden und oft genug gehen die Steinauer und Marjosser Topfwaren als Marburger durch die Welt, weil die letzteren bekannter sind als die unsrigen. Denn bei uns ist, wie Herr Pfarrer Freund- Ramholz in Nr. 13 des Blattes „Unsere Heimat" (Januar 1911) erzählt, schon seit den 20 er Jahren des vorigen Jahrhunderts die Töpferei im Niedergang und daher in Gefahr, vergessen zu werden. Vorher war sie in halb Hessen und im angrenzenden Bayern sehr berühmt. Der Heimatbund wünscht auch ihr einen neuen Aufschwung. Daß sie es verdient, sieht man an den ausgestellten Kannen und Krügen (siehe Abbildung 1 und 5). Der von Herrn Bürgermeister Rüffer in Ahlers- bach geliehene Krug mit der Jahreszahl 1792 ist ein
besonders schönes Stück von warmleuchtender, rotbrauner sind. Farbe und fein geschwungener Form. Interessant ist auch die dunkelbraune große Kaffeekanne mit der behaglichen Rundung und dem noch behaglicheren Spruch:
„Solange mir’5 draus schmeckt, Laß ich mich ungeneckt 1818"
Der Heimatbund ist mit den noch vorhandenen Töpfern in Steinau und Marjotz in Verbindung getreten, um sie zur Herstellung von solchen Töpfen zu veranlassen, welche heimatlich in Form und Farbe sind und gleichzeitig auch dem Geschmack des Publikums soweit ent- gegenkommen, daß es jene auch wirklich kauft.
Um die Standuhr gruppiert sich eine Anzahl von Pastellbildnissen einer Familie Höfle aus Salmünster, Eigentum des Herrn Pater Pastor Fuchs. Bei der geringen Wohlhabenheit, welche stets im Kreise Schlüchtern herrschte, gibt es wenige gemalte Bildnisse. Jene sind deshalb sehr willkommen.
Einen besonders schönen und wertvollen Bestandteil unserer Sammlung bildet das auf der rechten Seite der Abbildung sichtbare Doppelbild der beiden Brüder Jakob und Wilhelm Grimm. Es ist ein sehr sorgfältiger Stich und Geschenk von Fräulein Auguste Grimm in Berlin i n den Heimatbund. Fräulein Grimm hat uns überhaupt schon mehrfach mit Grimm - Reliquien bedacht.
Schon besitzen wir aus ihrer Hand unter anderem den Trauring und den Siegelring von Wilhelm Grimm, ihrem Vater. Die beiden berühmten Brüder haben bekanntlich einige Jahre ihrer Jugend in Steinau verlebt, und diese Beziehungen des Kreises Schlüchtern zu ihnen pflegt der Heimatbund aufs sorgfältigste:
„Uns bleibt die Stätte heilig,
Auf der der Held, der Redner und der Dichter die ersten Blicke zu dem Lichte sandte
Unb sich des Friedens seiner Jugend freute."
Diese Worte gelten für uns nicht nur hinsichtlich Ulrichs von Hütten, auf den sie gedichtet wurden, sondern auch für die Brüder Grimm. Der Erinnerung an sie und an alle bedeutenden, oder um die Heimat besonders verdienten Männer wollen wir sobald als möglich ein besonderes Zimmer widmen, wie es Herr Pastor Heilmann ja schon in seinem Eingangs erwähnten Aufsatz anregte. Wer verschafft uns wohl ein Bildnis von Ludwig Grimm, dem Maler und jüngeren Bruder der beiden Märchengrimm? Er war in Steinau geboren und hat hier eine beträchtliche Anzahl feiner sehr feinen Radierungen geschaffen. Die Heimatsammlung besitzt von ihm ein radiertes, höchst ausdrucksvolles Bildnis seines Großvaters Friedrich Grimm, der als langjähriger „Inspektor der reformierten Kirche" für das Schulwesen unseres Kreises im 18. Jahrhundert von großer Bedeutung war und eine höchst originelle und achtungs- werte Persönlichkeit gewesen ist. Auf sein Bildnis sei bei diesem „Gange durch die Heimatsammlung" besonders hingewiesen. Ein andres kleines Meisterwerk seiner Kunst ist das seelenvolle Porträt eines Steinauer Bauern namens Heidt. Meiner Meinung nach kann man nicht ohne Ergriffenheit in diese fast angstvollforschenden Augen blichen.
Unsere zweite Abbildung zeigt eine Wand, die hauptsächlich mit Waffen bedeckt ist. Es sind nur wenige darunter, die technisch oder gar künstlerisch interessant
Und dennoch haben wir sie für würdig befunden,
die Heimatsammlung zu zieren. Sind sie doch die stummen und doch beredten Zeugen jenes beinahe fluchtartigen Rückzugs der Franzosen nach der Schlacht bei Leipzig im Jahre 1813. Erst hier bei Schlüchtern schlug Napoleon mit seinen Truppen ein langsameres Tempo ein, weil er nunmehr die gefährlichen Wälder und Schluchten Thüringens und Hessens hinter sich hatte. Als er den Distelrasen passiert hatte, soll er gesagt haben, „Nun bin ich in Paris". So sicher fühlte er sich wieder. Im Schlüchterner Seminar übernachtete er und zwischen hier und Hanau gelang es seiner Willenskraft, seine zerstreuten und abgehetzten Truppen derart zu sammeln und mit Kampfesmut wieder zu erfüllen, daß er mit ihnen wenige Tage darauf die Schlacht bei Hanau gegen die Bayern und Österreicher schlagen und gewinnen konnte. Eine umso erstaunlichere Leistung, als die preußischen Jäger und die Kosaken ihm hart auf den Fersen waren. Von diesem Rückzug und von den Kämpfen des französischen Nachzugs mit den preußischen und russischen Verfolgern erzählen unsere Waffen. Friedlich sieht man französische Offizierdegen mit einem kurzen Kosakenschwert gekreuzt, und Jnfanteriegewehre des damaligen Feindes mit aufgepflangtem Bajonett hängen neben preußischen Jägerbüchsen. Wollte Gott, es bliebe für alle Ewigkeit das letzte Mal, daß ein Feind mit seinen plündernden Heerscharen die Frankfurt -Leipzigerstraßc, diese meist