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Schulentlassung.

Da sitzen sie in langer Bänke Reihen, Die frischen Mädchen und die kecken Knaben, Zum letzten Mal zu ihres Lehrers Füßen, Der sie ins laute Leben will entlassen.

Und aus bewegtem, vollem Freundesherzen Quillt es empor in warmen Liebesworten, Die sich wie schützend um die Kinder legen, Die Einlaß suchen in die jungen Seelen.

Wie sind sie ihm so fest ans Herz gewachsen, Die er betreut in langen Sorgenjahren, Darin auch Freudenblumen sich erschlossen, Erblüht in Sonnenschein und Treu von oben.

Nun strebt die Schar hinweg von ihm ins Leben, Fühlt sich bedrückt schon von derKindheitSchranken. Sie wähnen Freiheit hinter blauen Bergen Und suchen Glück in weiten, goldnen Fernen.

Und keines ahnt, daß andre Fesseln warten, Daß gleißenb Gold als Truggold sich erweisen, Der Hoffnung Schwingen and) erlahmen können, Und daß das Glück oft wohnt in der Beschränkung,

Viel gute Worte sagt der treue Mahner, Befiehlt die Jungwelt Gottes Vaterhänden. Die Mädchen schluchzen leise in die Tücher, Um trotz'ge Knabenlippen geht ein Zucken.

Ein letztes Abschiedswort, ein Händedrücken. Die junge Schar verläßt der Kindheit Frieden, Nach dem sie sich im Schnee des Alters sehnen, 3u dem nicht Wege führen unb nicht Brücken. —

Und draußen brausen rauhe Frühlingsstürme, Und Sonnenblicke schau'n durch Wolkenwände, Aus denen Regenschauer niederprasseln. — So ist das Leben, das die Kinder suchen.

Helene örehm.

Ein Gang -urch unsere Heimatsammlung.

„Viel klarer und eindrucksvoller werden die Schilderungen der Vorzeit, wenn die Augen anschauen können, was die Vorväter geleistet, gefertigt, ge­braucht, wie sie gelebt, gewohnt, sich gekleidet, wie sie gearbeitet und auch gelitten haben. Deswegen muh eine Sammlung von Altertümern zusammen- gebracht und der Besichtigung zugänglich gemacht werden: Anschauung wird für die Jugend wie für die Alten das beste Mittel sein, die Ziele des Heimat- bundes zu fördern."

iefe Worte finden sich in Nr. 3 dieser Zeitschrift aus dem Jahre 1908 am Anfang eines aus­führlichen Aufsatzes, überschrieben „Die Schlüch-

terner Altertumssammlung". Verfaßt wurde der Aufsatz von unserm verehrten Mitglied, Herrn Pastor A. Heil­mann in Göttingen, einem Söhne des Kreises Schläch­tern. In gut gewählten und sorgfältig abgegrenzten Abschnitten zählte er darin auf, was alles des Auf- bewahrens wert und wie es zu ordnen fei und wies uns damit den Weg für die Gründung unserer Heimat­sammlung. Wir haben offenbar wohl daran getan, seinen Ratschlägen zu folgen, denn schon mancher sach­verständige Besucher hat die Sammlung sowohl nach Inhalt wie nach Methode gelobt. Freilich bleibt noch unendlich viel zu tun, wenn wir alle in jenem Aufsätze genannten Abteilungen der Sammlung so reichhaltig ans- gestalten wollen, daß ein vollständiges Bild von dem Tun und Treiben und von den Schicksalen unserer Vor­väter sichtbar ^wird. Deshalb verfolgen diese Zeilen ■eben dein Zweck, Rechenschaft abzulegen über das bisher Geleistete, auch die Absicht, mehr Helfer für die gute Sache zu gewinnen. Das kleine Dutzend Männer und Frauen, das uns bisher beim Aufspüren wertvoller Gegenstände geholfen hat, könnte gut die Multiplikation mit noch einem Dutzend vertragen. Erst wenn mindestens 100 unserer Mitglieder und Freunde ihre Städte und Dörfer absuchen und das Gefundene aud) wirklich an uns abliefern, erst wenn sämtliche Städte und Dörfer des Kreises in der Sammlung vertreten sein werden

(heute sind es erst 28 von 51), erst wenn jede Ge- meinbe es sich zur Ehre rechnet und darin wetteifert, möglichst viel zur Bereicherung der Sammlung beizu- tragen — erst dann wird diese das gesteckte Ziel erreichen. Bis dahin sollen diejenigen Persönlichkeiten und Ge- meinden umso herzlicher bedankt sein, die sich um die Heimatsammlung selbstlos verdient gemacht haben. Dies sind in erster Linie Fräulein Auguste Srimm in Berlin, die Herren LehrerMay-Steinau,Lamm-Steinau,Klauer-Weichersbach, Schmidt-Jossa, Klostermann-Breunings und Naumann- Hintersteinau, Herr Spenglermeister Schlingloff, Herr Rentner Pistor und Herr Polizeisergeant Muth in Schlüchtern, Herr und Frau Dr. Stern daselbst, Herr Pater-Pastor Fuchs in Salmünster und Herr Curatus Lecher in Marborn, die Herren Schornsteinfegermeister Grau in Schwarzenfels und Fechter in Steinau, Herr Bürgermeister a. D. Berta in Soden, Herr Dr. med. Freudenthal in Schlüchtern, Herr Landwirt Jordan in Weichersbuch, Herr Photograph Freund in Schlüchtern, Herr Bürgermeister Siemon und sein Bruder. Landwirt Siemon, beide in Gundhelm, Herr Dr. Hayner in Jena, Herr stud. phil. E. Schaefer aus Schlüchtern, die Firma Grün & Bilfinger daselbst, Herr Gastwirt Eckardt in Steinau und Herr Ballmeper aus Neuhof. Von den Gemeinden haben sich besonders rühmlich die Städte Schlüchtern und Steinau, sowie die Dörfer Weichersbach, Heubach, Schwarzenfels, Hinterfteinau/Marjoß, Breu- nings und Marborn beteiligt.

Den Kern und Anfang der Sammlung bildet eine Kollektion von etwa 190 Gegenständen, welche die Stadt Schlüchtern bei Gründung der Heimatsammlung schon besaß und die sie in dankenswerter Weise alsbald zur Verfügung stellte. Dazu kamen sofort bei Aufstellung der Altertümer in den Reserveräumen des neuen Kreis­hauses eine Anzahl von Möbeln, welche der geschäfts- führende Vorstand namentlich in Steinau und in Schlüchtern erwarb und eine Menge von kleineren Schenkungen und Leihgaben aus verschiedenen Orten,