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sind elegant und geschmackvoll. In einem Zimmer- chen zwei schöne Gemälde: einen Balthasar von Corregio und eine Madonna von Barocci. Am originellsten ist die Halle, die zum Treibhaus hinführt. Die eine Wand dieser Halle hatte Madame bemalen lassen. Und was stellt das Gemälde dar? Ein östereichisches Lager. Bei dem Hasse, der in ganz Italien gegen Oestereich herrscht, ist diese Malerei eine auffallende Erscheinung. Ich konnte kaum meinen Augen trauen. Die österreichischen Offiziere, die hier in der Gegend im Quartier lagen, müssen ja höchst liebenswürdig gewesen sein. Ob sie bei einer italienischen Dame denselben Nachtlang wie bei unserer Französin zurückgelassen hätten, ziehe ich in Zweifel. Wenigstens hätte sich jene nicht getraut, es so zur Schau zu stellen. Ich sehe schon die Hände, die einstens zerstörend über dieses Bild fahren werden! Ich fürchte, solche werden dem Zahn der Zeit zuvorkommen. — Nicht nur hier, auch bei anderen Gelengenheiten kommt Lotich auf den italienischen Haß gegen alles Oesterreichische zu sprechen. In Oesterreich' sahen die freiheitlich gerichteten und von Nationalbewußtsein getragenen Elemente den Träger der Reaktion und den Feind aller italienischen Einheitsbestrebungen. Ob dieV'lla Thomasi am Abhang des Berges von Cortona noch steht und die Halle mit dem Bild? Ob Lotich's Prophezeiung in Erfüllung gegangen? Ich ei3 es nicht. Aber interessant ist es, daß unser junger Landsmann so deutlich die zukünftige politische Entwickelung vorausgesehen hat. —
Der Trasimene, den wir bald darauf erreichten, mit seinem klaren Spiegel, seinen drei Inseln und den schönen Hügeln, die ihn umgeben, entzückte mick unendlich. In Passignano nahmen wir eine Barke mit zwei Ruderern und stachen in See, um dieIsola maggiore zu besuchen. Die Ruderer waren Fischer der eine schon älter, der andere noch, jung. Es ist ein besonderes Talent, die Leute gesprächig zu machen. Herr Leblanc besitzt es gar nicht. Ich darf mich wohl rühmen, etwas davon zu besitzen. Ich liest meinen Zauber spielen, und siehe da, oer junge Fischer tat sich aus und offenbarte alles, aas in ihm steckte, selbst das, was er sonst wohl hinter Schloß und' Riegel bemahlte. Und wie klang seine Sprache, sein Idiom so schön! Ein wahrhaftiger Sang, ein Rhythmus. Er erzählte von seinem Beruf, von den Fischen des Sees, von la Regina, ilLuccio, la Tigna usw. Jeder Fisch von der größeren Art, der unter 1/2 Pfund wiegt, muß wieder in den See geworfen werden. Die über 6 Pfund schweren müssen nach Rom geschickt werden, wo sie verspeist werden entweder von den Kardinälen oder den Schweinen, je nach dem Zustand, in welchem sie nach Rom gelangen. „Aber, nicht wahr", unterbrach ich den redseligen Burschen „man sagt, es sei hier einstmals eine große Schlacht gewesen, am Ufer dort". „Das will ich meinen" versetzte der Jüngling, „und was für eine! Daß Gott erbarm! Drei Tage nachher noch strömte das Blut wie ein Strom zum See, und wie viele haben in diesem ihren Tod gesunden! Es waren die Römer, die da geschlagen wurden von Annibale, dem General der Karthaginiensen. Ich weiß nicht, wie sich der römische nannte und was aus ihm geworden ist. Aber dem Annibale, por- chetto (armen Teufel), dem ist sein Sieg schlecht bekommen ! Denn als er das römische Lager einge
nommen hatte, fand er darin ein Weib von großer Schönheit. Das Weib gefiel ihm über die Maßen. Aber wie sehr er auch alles aufbot, sie zu seinen Gelüsten zu überreden, er fand kein Gehör. Darob geriet er in Verzweiflung, zog seinen Ring vim Finger, schlürfte das Gift, das er in demselben bei sich trug, und gab seinen Geist auf. „Der hatte Mut zu sterben!" bemerkte lächelnd Herr Leblanc. „Pah" versetzte der Fischer, unser Napoleone hatte noch größeren. Drei Stunden vor seinem Tod ließ er sich in seinen grünen Waffenrock kleiden, und, das gezogene Schwert in der Hand, ging er ein zur Pforte des Todes".
Ein Jahr später, auf einer Reise nach Ravenna, Rimini, San Marina, Loreto, Assist war Lotich wieder am Trasimene. Von diesem Besuch hat er folgendes in sein Tagebuch eingetragen: Der See war grün, aber düster, mit einem Wetter im Hintergründe, die Donner rollten. So hätte er mir im vorigen Jahre erscheinen sollen. Da war er so heiter wie die Bilder, die sich- vor ihn Mlten. Der Himmel wölbte sich blau über mir, und kein Ach tönte in den Wellen, wenn sie leise an die Ufer schlugen. Keine Ahnung drückte meine in Wonne schwebende Seele — und doch war es die Stunde, wo mein Vater starb! —
Wir nahmen Abschied vom Trasimene. In Passignano .bestiegen wir wieder unser Gefährt. Die Nacht kam, als wir die Anhöhe von Perugia hin- aufsuhren mit Ochsenvorspann. Perugia, Stadt der 75 Kirchen mit deinen wunderbaren Fresken des Pietro Perugino, mit der herrlichen Aussicht auf das Gebirge, in dir möchte ich lange weilen! Aber Herr Leblanc hat Eile. Er ist kein Freund' des beschaulichen Kunstgenusses. Nur einen Tag weilten wir hier. Felir wollte gern die Tiber sehen. So fuhren wir 3 Millien bis nach St. Giovanni. Hier stiegen wir aus und gingen im Rinnsal des ,ebt wasserarmen Flusses spazieren. Felir füllte ein Fläschchen mit Tiberwasser. Da rief ihm sein Vater, zu, er solle dem Fluß sein Quantum Wasser wiedergeben. Der Kleine im Glauben, er solle sein Fläschchen wieder ausleeren, fing schier zu weinen in. „Nein, nein" sagte Herr Leblanc „so habe ichs nicht gemeint, P. . . . sollst du! nun? Und damit du nicht allein den heutigen Römern etwas zu schöpfen gibst, so wollen Lotich und ich dasselbe tun". Und wir stellten uns alle drei hin und...... Es war schon Nacht, als wir nach Perugia zurückkehrten. Am anderen Tage hatten wir bereits 4 Meilen zurückgelegt, als es Herrn Leblanc reute, die Bücher und Kupferstiche, die wir in Perugia aufgestöbert hatten, nicht getauft zu haben. Er beschloß, mich zu- rückkehren zu lassen, um den Fehler wieder gut zu machen. Wer die Bibliomanie kennt, wird sich' nicht darüber wundern. Im nächsten Wirtshaus liest ich mir vom Wirt ein Pferd geben. Um seinen Kopf herum waren eine Menge Schellen angebracht. So mit Schellengeklingel ritt ich nach Perugia zurück. Dort schickte ich Pferd und Führer zurück, taufte die Bücher, nahm dann eine Kalesche und traf abends, wie verabredet, in Maggione wieder mit meinem Principal zusammen.
Siena, den 30. September. Unzähliches haben wir heute gesehen. Wir waren im Dom mit seinem berühmten Weihwasserbecken, der Kanzel, dem Fuß- bodenmosaik. Unser Cicerone erklärte und zeigte, die